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Prognosen von IHS und WifoAufschwung hängt davon ab, wie viele Lockdowns wir noch brauchen

Wie rasch sich die internationale und die österreichische Wirtschaft vom Corona-Schock erholen, hängt von einem möglichen weiteren Lockdown Ende Jänner 2021 ab. Der erste Lockdown bremste die Wirtschaft stärker als der zweite, berechneten die Ökonomen von IHS und Wifo.

STUDIE ZU DEN SOZIALEN FOLGEN DER COVID-19 PANDEMIE: KOCHER / BADELT
IHS-Chef Martin Kocher (links), Wifo-Chef Christoph Badelt © APA/HANS PUNZ
 

Das Corona-Infektionsgeschehen und die Schutzmaßnahmen dagegen bestimmen weiterhin die Konjunkturentwicklung in Österreich und vielen anderen Ländern. Nach einem kräftigen Einbruch im ersten Halbjahr und einer deutlichen Erholung im dritten Quartal dürfte das heimische BIP wegen des jüngsten zweiten Lockdown aber im Schlussquartal wieder sinken, erklärte das Institut für Höhere Studien (IHS) am Freitag.

Die Bremswirkung durch den seit November verhängten zweiten Lockdown ist aus Sicht des IHS merklich geringer als im Frühjahr. Ende März bis Anfang Mai lagen die wöchentlichen Werte der Wirtschaftsleistung um 20 bis 25 Prozent unter den Vorjahresniveaus, in der letzten Novemberwoche betrug die BIP-Lücke laut Nationalbank (OeNB) jedoch "nur" 13 Prozent.

Weiterer Lockdown Ende Jänner?

Insbesondere der Wintertourismus werde wegen der anhaltenden Reisewarnungen empfindlich eingeschränkt bzw. falle ganz aus, so das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Erst in der wärmeren Jahreszeit und mit der Durchimpfung der Bevölkerung könnten sich die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten wieder normalisieren. Sollte es im ersten Quartal 2021 einen neuerlichen Lockdown geben, würde ein konjunktureller Rebound erst im zweiten Quartal einsetzen, ansonsten wäre eine Erholung aus dem aktuellen, bisherigen Lockdown schon im ersten Vierteljahr möglich.

Im Szenario "Dritter Lockdown" nimmt das Wifo ein vollständiges Herunterfahren für vier Wochen ab Ende Jänner 2021 an und danach einen teilweisen Lockdown bis Ende März mit weiter geschlossenen Gaststätten und Beherbergungsbetrieben. Dieses Szenario könnte bewirken, dass das BIP 2021 nur um 2,5 statt um 4,5 Prozent wächst, wie im Basisszenario erwartet.

Ende des Sommers

"Im Jahresverlauf 2021 dürften zuerst die steigenden Außentemperaturen und spätestens in der zweiten Jahreshälfte auch die Durchimpfung der Bevölkerung wieder mehr gesellschaftliche und damit wirtschaftliche Aktivitäten zulassen, die Rückkehr zu einem normalen Sozialverhalten ermöglichen und damit die Konjunkturerholung stützen", hofft das Wifo.

Auch das IHS geht davon aus, dass mit der Impfung breiter Gesellschaftsschichten die Gesundheitskrise ab Ende des Sommers überwunden wird; danach sollte die Wirtschaft auf einen moderaten Wachstumspfad zurückkehren, heißt es.

Motor China

Auch die internationale Wirtschaft wird durch die Corona-Pandemie stark beeinträchtigt. China bleibt mit Wachstumsraten von 2,0 Prozent, 7,5 Prozent und 5,8 Prozent in den Jahren 2020 bis 2022 der weltweite Wachstumsmotor, so das IHS. Die US-Wirtschaft dürfte nach dem Einbruch um 3,8 Prozent im heurigen Jahr dann 2021 und 2022 um 3,0 Prozent bzw. 3,4 Prozent zulegen. Im Euroraum werde die Rückkehr zum Vorkrisenniveau aufgrund des starken Einbruchs 2020 wohl deutlich länger dauern: Nach einer Schrumpfung um 7,3 Prozent 2020 geht das IHS von 4,7 Prozent bzw. 3,0 Prozent BIP-Plus in den Folgejahren aus. Covid-19-bedingt dürfte das globale BIP im heurigen Jahr um 4,0 Prozent sinken. In den kommenden beiden Jahren sollte die Weltwirtschaft mit Werten von 4,7 Prozent bzw. 3,9 Prozent aber wieder kräftig expandieren.

Beim Wifo geht man von 4,8 und 3,1 Prozent BIP-Plus im Euroraum 2021/22 aus, nach 7,5 Prozent Rückgang heuer - die Werte für die EU-27 lauten +4,4 und +3,0 Prozent nach -6,9 Prozent heuer. Deutschland dürfte heuer nur 5,1 Prozent schrumpfen, dafür 2021/22 aber auch nur um 3,4 bzw. 2,3 Prozent zulegen. China dürfte aus Wifo-Sicht heuer um 1,8 Prozent wachsen, in den beiden Folgejahren dann um 7,9 sowie 5,0 Prozent, die USA um 3,1 und 2,2 Prozent nach heuer -3,9 Prozent.

Globaler Handel

Die globale Handelsdynamik entwickle sich heuer mit 6,5 Prozent Rückgang besser als noch im Oktober gedacht, so das IHS, das für 2021/22 eine Expansion der globalen Warenströme um 4,5 Prozent bzw. 3,5 Prozent sieht. Der starke Einbruch bei den Haupthandelspartnern drücke die heimischen Exportmärkte. Österreichs Warenexporte würden 2020 um 7,8 Prozent schrumpfen (laut Wifo sogar um 8,3 Prozent).

Wegen der Belastung des Tourismus durch die Eindämmungsmaßnahmen rechnet man für die Reiseverkehrsexporte mit 42,5 Prozent Einbruch. Die Gesamtexporte sollten somit 11,2 Prozent sinken (Wifo: -11,6 Prozent). Mit der Konjunkturerholung und den zu erwartenden Lockerungen dürfte laut IHS die Exporttätigkeit 2021/22 um 5,7 Prozent bzw. 6,0 Prozent wachsen. Das Wifo rechnet mit 5,2 und 7,3 Prozent Plus bei den Gesamtexporten für 2021/22.

Im heurigen Jahr würden die schwache Inlandsnachfrage und die fallenden Exporte einen Rückgang der Importnachfrage um 10,0 Prozent implizieren, so das IHS - das Wifo sieht sogar ein Minus von elf Prozent. Mit der Belebung von Binnennachfrage und Exporttätigkeit dürften auch die Importe wieder wachsen. Für die kommenden Jahre würden Zuwächse von 8,2 Prozent bzw. 4,4 Prozent erwartet (Wifo: 6,2 und 6,0 Prozent).

Kommentare (1)
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Miraculix11
0
3
Lesenswert?

Und schon wieder für den Papierkorb

Im Szenario "Dritter Lockdown" nimmt das Wifo ein vollständiges Herunterfahren für vier Wochen ab Ende Jänner 2021 an :-)