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Pro & KontraSoll der Handel an Sonntagen vor Weihnachten aufsperren?

Die Debatte um die Sonntagsöffnung im Handel ist nicht neu, hat aber durch die Coronakrise besondere Brisanz erhalten. Die Forderung nach zwei verkaufsoffenen Sonntagen nach dem Lockdown erhitzt die Gemüter.

++ THEMENBILD ++ CORONA: EINKAUFSSTRASSE / HANDEL
© APA/HELMUT FOHRINGER
 

Für eine Öffnung spricht sich Rainer Trefelik, Bundesobmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich, aus. Die Öffnung an den zwei Sonntagen vor Weihnachten nach dem Lockdown sei eine Möglichkeit, den Umsatz anzukurbeln. Auch bei den Konsumenten werde es Nachholbedarf geben. Mehr Tage helfen dabei, Kundenströme aufzuteilen, meint Trefelik. Hier seine Argumente:

"Was zählt, ist die Sicherheit. Denn wir müssen unter allen Umständen verhindern, dass es in Österreich nach dem Lockdown gleich wieder eine nächste Corona-Infektionswelle gibt. Zur Eindämmung der Pandemie können die Massentestungen ebenso wie andere Schutzmaßnahmen, etwa Leitsysteme für die Kundenströme, beitragen – und das werden sie auch, wenn sich die Menschen in unserem Land daran halten. Deshalb ist es so wichtig, dass schon jetzt entsprechende Pläne ausgearbeitet werden, die ja eine gewisse Vorlaufzeit haben.

Ökonomisch gesehen wird eine signifikante Zahl österreichischer Händler im Jahr 2020 keine Gewinne schreiben. Jetzt kommt es darauf an, die Verluste in erträglichen Grenzen zu halten. Das Weihnachtsgeschäft wird mit darüber entscheiden, ob das gelingt.

Es ist daher wichtig, dass nach dem Ende des zweiten Corona-Lockdowns die Kauflust zurückkehrt. Glücklicherweise scheint der Trend zum regionalen Einkaufen durch die Krise gestärkt worden zu sein. Immer mehr Menschen begreifen, dass sie mit jedem ausgegebenen Euro darüber abstimmen, ob sich entweder die ausländischen Online-Giganten die Hände reiben können oder ob der österreichische Handel und mit ihm die heimischen Arbeitsplätze gestärkt aus der Krise gehen können. Viele Branchen haben seit März große Verluste zu verkraften. Nun steht das Weihnachtsgeschäft, das für viele einen wesentlichen Anteil am Jahresumsatz ausmacht, auf dem Spiel. Die Lager der heimischen Händler sind voll, die Ware für das Weihnachtsgeschäft ist bestellt. Leider ist die Zeit des Weihnachtsgeschäfts durch den Lockdown zeitlich deutlich reduziert.

Zur Person

Rainer Trefelik (1970 geboren) ist Obmann der Sparte Handel in der Bundeswirtschaftskammer. Promovierte an der WU Wien. Seit 2005 ist er geschäftsführender Gesellschafter bei Popp & Kretschmer Modehandel.

Einer unserer Vorschläge, um den Umsatz anzukurbeln, ist die Möglichkeit der Öffnung an den zwei Sonntagen vor Weihnachten, die nach dem Lockdown verbleiben. In den Branchen, die derzeit geschlossen bleiben müssen, wird es nicht nur beim Handel selbst, sondern auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten einen Nachholbedarf geben. Daher ist es wichtig, die Kundenströme auf mehr Tage aufzuteilen. Zwei zusätzliche Einkaufstage würden daher nicht nur aus wirtschaftlicher, sondern auch aus epidemiologischer Sicht, einen Gewinn bedeuten.

Das wollen wir in Gesprächen der Sozialpartner mit Gesundheitsexperten klären. Dabei sind wir offen für alle Ideen. Denn mit vereinten Kräften kann es gelingen: Retten wir das Weihnachtsgeschäft – mit Sicherheit in die Weihnachtszeit, zum Wohl des Handels und zum Schutz der Arbeitsplätze, die der Handel schafft und sichert."


GPA-Chefin gegen Sonntagsöffnung

Gegen die Öffnung spricht sich Barbara Teiber, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten aus. Niemand kaufe mehr, nur weil Läden am Sonntag geöffnet sind. Bestehendes Verkaufsvolumen verteile sich bloß anders. Die Beschäftigten im Handel haben Wertschätzung verdient, nicht Mehrbelastungen, meint Teiber. Hier ihre Argumente:

"Der freie Sonntag schafft etwas, das es in Österreich nicht allzu häufig gibt: Er vereint eine Allianz aus Gewerkschaften, Kirchen und Unternehmerinnen und Unternehmern, die sich völlig einig sind. Es hat einen guten Grund, dass der Sonntag trotz jahrelanger Versuche von Einkaufszentrenbesitzern im Handel immer noch frei ist. Die Argumente gegen die Sonntagsöffnung liegen auf der Hand: Niemand kauft mehr, nur weil er am Sonntag kauft.

Bestehendes Verkaufsvolumen verteilt sich bloß anders. Handelsangestellte sind Menschen mit Familien, wie alle anderen auch. Sie verdienen zumindest einen freien gemeinsamen Tag in der Woche. Für kleine Unternehmen führt ein verkaufsoffener Sonntag zu großem Konkurrenzdruck gegenüber Ketten und Konzernen, die sich mit den Personalkosten leichter tun. Und irgendwie entspricht der freie Sonntag auch unserer Kultur, er ist jener Tag, an dem wir zur Ruhe kommen, Zeit mit der Familie und Freunden verbringen.

Nun haben wir es heuer zweifelsohne mit einer Ausnahmesituation zu tun. Corona hat vieles auf den Kopf gestellt. Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer fordert nun die Öffnung der zwei Sonntage vor Weihnachten. Es gibt dazu drei Punkte anzumerken. Erstens entspricht die Art und Weise, in der der Wirtschaftskammer-Präsident seine Forderung vorbringt, nicht einmal den Mindeststandards einer ernst gemeinten Sozialpartnerschaft. Wir haben in Österreich zurecht die Tradition, Abmachungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern untereinander auszumachen. Mahrer hat sich stattdessen im Radio an die Regierung gewandt. Das ist ein denkbar schlechter Start für Verhandlungen.

Zur Person

Barbara Teiber, geboren am 5. August 1977. Sie war zwischen 2013 und 2018 für die SPÖ Mitglied des Wiener Gemeinderats, seit Juni 2018 ist sie Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp).

Zweitens dürfte es keine Einigkeit innerhalb der Wirtschaftskammer geben. Wir haben Rückmeldung von vielen Unternehmerinnen und Unternehmern, die sich gegen die Sonntagsöffnung einsetzen, selbst Funktionäre der Wirtschaftskammer sind dagegen.

Drittens ist Mahrers Argumentation, man wolle gegen den Online-Handel bestehen, fadenscheinig. Wir stehen für jede Allianz zur gerechten Besteuerung von Online-Giganten wie Amazon bereit. Dort liegt nämlich der Wettbewerbsnachteil des stationären Handels.

Schlussendlich geht es uns als Gewerkschaft in erster Linie um die Beschäftigten. Wir wissen aus zahlreichen Umfragen, dass über 90 Prozent der Handelsangestellten nicht am Sonntag arbeiten wollen. Die Beschäftigten im Handel waren in dieser Krise unglaublichen Anstrengungen ausgesetzt. Sie haben Wertschätzung verdient, nicht Mehrbelastungen."

Kommentare (99+)
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Eggeha
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Sonntagsöffnung

Der Onlinehandel ist sowieso nicht zu stoppen. Lebensmittel muss man frisch kaufen. Und alle Händler, die online Waren anbieten, können die großen Händler auf Grund des riesigen Angebotes nicht verhindern. Die Sonntagsöffnung hilft nur wenigen und hat für mich keinen Sinn. Die Angestellten stehen mit ihren Familien unter Dauerstress und übernehmen zu Hause schon Leheraufgaben und dgl. Wie soll das alles funktionieren ohne krank zu werden? Vielleicht sollten sich die Führungskräfte selbst an die Kassen setzen und im Lager arbeiten. Nebenbei müssren auch die Lieferanten durchgehend fahren. Was sagen die dazu?

unterhundert
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Alle sind dagegen,aber..

wenn offen ist, rennen alle hin. Herdentrieb nennt man das.

hermannsteinacher
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Der Händler soll aufsperren dürfen

und er und seine Frau sollen arbeiten dürfen, basta!

Kirby
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Wie haben die Leute es nur bisher geschafft

ihre Weihnachtsgeschenke zu kaufen. OHNE Sonntagsöffnung, MIT Arbeit, MIT den ganzen alltäglichen Aufgaben, MIT.. Und gerade jetzt, wo angeblich alle arbeitslos werden, keine Kohle mehr für Extras haben und Existenzängste haben. Gibt jemand mehr aus, weil er am Sonntag was kauft, statt am Dienstag? Die Geschäfte bekommen Zuschüsse, die letztlich WIR alle zahlen müssen, aber wollen trotzdem zusätzliche Öffnungszeiten mit zusätzlichen Unkosten.

heinz31
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Freiwillige Vor!

Natürlich soll der Handel diese Sonntage aufsperren. Aber nur mit Mitarbeitern, die das freiwillig machen und auch dafür die Sonderzahlungen erhalten.
Jeder Euro Umsatz ist gerade jetzt für unsere Wirschaftstreibenden enorm wichtig.
Die Nörgler können ja eh Zuhause bleiben, nur dürfen sie dann nicht dem guten Verdienst nachtrauern.

duerni
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Lockdown #2 endet wahrscheinlich tatsächlich plangemäß - vergessen sie nicht, Herr Kurz...

ist von der "Unternehmer Partei"! KEIN Weihnachtsgeschäft geht doch gar nicht. Dass wir NACH Weihnachten Lockdown #3 erleben werden, ist wohl unvermeidlich. Dieser "harte" Lockdown #2 ist doch eine Farce - und wird die erhofften Zahlen nicht bringen.
Was Japan, Taiwan, Korea und Neuseeland geschafft haben - sorry - schaffen wir NIE - es fehlt uns an Disziplin und Eigenverantwortung.
Was den regierenden zwei Parteien vorzuwerfen ist, sind die extrem vielen Fehler - sowohl in der Auswahl als auch in der Kontrolle der Maßnahmen.

Irgendeiner
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Ich bin grundsätzlich dagegen den letzten Familientag auch

noch Konsum und Gewinst zu opfern,aber halte die Diskussion für virtuell,denn das Aufsperren am 7ten kann ich trotz Bastis Vollmundigkeit nicht sehen,außér man will einen Klescher in den Krankenhäusern.

unterhundert
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Ja, aber,

früher in den normalen Zeiten, gab es auch einen silbernen Sonntag, und einen Goldenen. Silbener..2 Wochen vor Weihnachten, der Goldene 1 Woche vor dem Hl. Abend. Aber, das ganze ist doch nur eine Verlagerung. Geld scheinen die Leute noch genug zu haben, wenn man sich die Autokolonnen an Sonntagen ansieht, nein Danke.

Irgendeiner
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Danke, daran konnte ich mich gar nicht erinnern,nur lag

das in einer weit konsumärmeren Zeit.Und richtig, der Schluß, daß längere Öffnungszeiten zu mehr Kauf führen ist in der Form auch verfehlt.Aber mir gings mehr darum daß das familiäre Privatleben
zunehmend aus merkantilen Interessen zurückgedrängt wird,Stück für Stück,man kann böse fragen warum manche noch Kinder haben wenn Shopping doch wichtiger ist, wann spielt ihr mit denen? Geschenke ersetzen das nicht, die brauchen zwei Dinge, viel Zeit und Liebe.

Stony8762
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---

Rein aus Corona-Gründen dürfte der Handel vor Weihnachten überhaupt nicht öffnen! Der jährliche Ansturm zu dieser Zeit würde heuer noch heftiger ausfallen und die Infektionszahlen erneut hochschnellen lassen. Damit wären wir spätestens Mitte Jänner wieder dort, wo wir jetzt sind!

hermannsteinacher
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Der Sonntag

ist kein gesetzlicher Werktag!

peter80
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..

Hast du eigentlich nur den Hauch der Ahnung wieviel Steuergeld der Staat für unterstüzungen aus dem Handelsumsatz generiert. Geld das dringend gebraucht wird. Und wieviele Firmen ohne Weihnachtsgeschäft im Handel dieses Jahr zusperren werden? Folge Kündigungswellen und kein vorhandes Geld... Es ist halt nicht immer alles scheinbar so einfach nur zuzusperren. Wofür würdest du dich entscheiden?.. Ich für jetzt am. 7 - 24.ten öffen und ein 3ter lockdown über die Weihnachtsfeiertage. Der würde uns am wenigsten treffen.

Hako2020
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Mit

einen 3ten LD über Weihnachten hast die Liftbesitzer und Schigebiete
am Hals.Das würde die hart treffen und das sind nicht wenige.

SoundofThunder
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🤔

Was ist mehr wert? : Geld oder Leben

Vem03
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Warum

nicht. Aber dann Jammern wenn Amazon ua Rekordumsätze haben.

Kirby
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Es gibt doch

Ö-shöpping!

einmischer
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Vem03

Früher haben´s halt aus dem KASTNER-Katalog bestellt. Wo ist der Unterschied? :-)

SoundofThunder
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🤔

Der Kastner könnte heute mit den Preisen nicht mithalten.

einmischer
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SoundofThunder

Ja, hast eh recht.
Aber viele hatten halt nicht die Möglichkeit oder die Zeit um zum G´´ wan´d´´kaufen wohin zu fahren.
Und im Ort war es halt nicht zu finden. Und das hat sich "nicht gebessert"...….
Und nicht alle kaufen des Preises wegen im Internet. Es gibt halt Dinge die findest in den Geschäften einfach nicht, oder nicht mehr. Sei es der Laufschuh der super passt und das Nachfolgemodell halt nicht mehr. Gilt auch bei Strassenschuhen, Spezielle Kabel, usw.
Nicht jeder hat einen C...……..d in der Nähe .

EvaPlatzer
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.....

Auf Amazon darf eigentlich jeder „Händler“ seine Wäre zum Verkauf anbieten (Auch Heimische)

livius
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Wird nicht einfach werden!

Wohin am Sonntag mit den schulpflichtigen Kindern sowie den Kindergartenkindern? Wie schaut da die Regelung aus?

Vem03
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Sind

JA Nicht alle alleinstehend. Es gibt auch andere Berufe mit Arbeitszeiten in der Nacht und am Wochenende. Aber das trifft nur die anderen schaut aus

Reipsi
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Ehrlich gesagt

notwendig ist es nicht , aber ich bin jetzt 77 und wir haben damals im Dezember am Sonntag Vormittag immer offen gehabt , sogar als Lehrling bin ich am Sonntag nach Graz gefahren.

hermannsteinacher
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Damals

ist nicht heute.

lieschenmueller
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Die Welt hat anders getickt als Sie ein Lehrling waren,

nämlich ein Elternteil zu Hause und keine Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung. Alleinerziehende eine Seltenheit.

Und wie Sie sagen "notwendig ist es nicht"!

Ragnar Lodbrok
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Nur wenn ALLE anderen auch arbeiten - müssen!

Auch Politiker...Lehrer, Angestellte

 
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