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Nach harscher KritikAUA-Vorstand zahlt Boni für 2019 freiwillig zurück

Finanzminister Gernot Blümel forderte von den AUA-Vorständen eine Rückzahlung der Bonuszahlungen. Nun gab AUA-Boss Alexis von Hoensbroech via Twitter bekannt: "Wir bezahlen die für 2019 ausgezahlten Boni des Vorstands freiwillig zurück."

© APA/AUSTRIAN AIRLINES
 

Die Prämien für 200 Führungskräfte und den Vorstand der Austrian Airlines (AUA) sorgen seit Wochenbeginn bei Gewerkschaft und Opposition weiter für Empörung. Die Gewerkschaft und die Opptositionsparteien, aber auch Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) üben harsche Kritik, Blümel forderte am Mittwoch eine Rückzahlung. 

Dem kommt der AUA-Vorstand nun nach, wie AUA-Boss Alexis von Hoensbroech via Twitter wissen lässt. Nach Rücksprache mit dem Finanzminister habe man beschlossen, "die für 2019 ausgezahlten Boni des Vorstands freiwillig zurückzulegen". Dies geschehe "zusätzlich zum bereits fixierten Verzicht auf 2/3 unserer Einkünfte für die kommenden Jahre", so von Hoensbroech.

Zuvor übte Blümel weiter Kritik an den Prämien bei der AUA. In der Tageszeitung "Österreich" forderte er, dass die Vorstände ihre Bonus-Zahlungen zurückzahlen. "Staatshilfen für das Unternehmen in Anspruch zu nehmen, Mitarbeiter in Kurzarbeit zu haben und als Vorstand gleichzeitig Boni auszubezahlen, ist völlig inakzeptabel. Ich erwarte, dass der Vorstand den Bonus umgehend zurückbezahlt", zitierte die Zeitung "Österreich" den Finanzminister in einer Aussendung. Wie ein Sprecher von Bümel auf APA-Rückfrage erklärte, betrifft diese Forderung nur den Vorstand, nicht die übrigen Führungskräfte der Airline.

Halbe Million Euro Bonus für Vorstand

Die AUA argumentiert, die Zahlungen seien für 2019, nicht für das Coronajahr 2020. Insgesamt seien für das abgelaufene Geschäftsjahr 2,9 Millionen Euro an Boni ausgezahlt worden. Eine halbe Million Euro davon ging demnach an den Vorstand. Grundlage dafür sei ein bereinigter operativer Gewinn (EBIT) von 19 Millionen Euro im Jahr 2019 gewesen. Wegen der Krise verzichten die AUA-Vorstände aktuell auf "rund zwei Drittel ihres Gesamtgehalts", die anderen Führungskräfte auf "bis zu ein Drittel", wie eine Sprecherin erklärte. "Das wird es nicht nur 2020, wo wir Verluste schreiben werden, geben, sondern die nächsten drei bis fünf Jahre - je nach wirtschaftlicher Lage."

Prämien gibt es in vielen Firmen und sind meist vom Erfolg des Unternehmens abhängig, sie sind zum Teil auch in den Dienstverträgen vereinbart. Dazu kommt, dass 2019, das Jahr auf das sich die aktuellen Prämien beziehen, ein Großteil der Betriebe in Österreich noch gute Zahlen geschrieben hat. Im mittleren Management und dem Vorstand setzen sich die Gagen fast immer aus einem Grundgehalt und einer variablen Vergütung zusammen. Der Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger hält Boni-Zahlungen trotz Krise für legitim, sie seien aber unsensibel gegenüber der Öffentlichkeit und dem Steuerzahler, wie er zur APA sagte.

Beim Vorstand des von der Coronakrise ebenfalls schwer getroffenen Flughafen Wien wird die aktuell schwierige Situation bei den Prämien für 2020 berücksichtigt. "Da die Gesellschaft beabsichtigt, Unterstützungsleistungen aus dem Notfallfonds der Bundesregierung zu beanspruchen, wird die Bonusauszahlung 2020 den Richtlinien entsprechend auf 50 Prozent der erreichbaren Bonuszahlung für 2019 reduziert", heißt es in Unterlagen zur anstehenden Hauptversammlung. Die beiden Flughafen-Vorstände haben ein Grundgehalt von je rund 350.000 Euro brutto im Jahr. Durch Prämien kann es auf das Doppelte steigen. 2019 schrieb der Airport Rekordzahlen.

Auch andere Branchen, die die Krise zu spüren bekommen haben, sehen keinen Grund, die Prämien für das vergangene Jahr infrage zu stellen. So erklärte der Baukonzern Strabag, der heuer von einem Einbruch der Bauleistung um 10 Prozent ausgeht und Mitarbeiter vorübergehend in Kurzarbeit hatte, auf APA-Anfrage, für 2019 die variablen Gehaltsbestandteile auszuzahlen. "2019 war für uns ein wirtschaftliches Rekordjahr. Und auch der bisherige Geschäftsverlauf des Jahres 2020 gibt keinen Anlass, von vertraglichen Verpflichtungen und berechtigter Leistungshonorierung abzugehen", so eine Sprecherin.

Voest-Vorstand: Von 13 auf 8 Millionen Euro

Bei der voestalpine hat sich die Krise bereits auf die Vorstandsgehälter ausgewirkt. Das Vergütungsmodell sei seit jeher so konzipiert, dass es rasch auf wirtschaftliche Veränderungen reagiere, erklärte Sprecher Peter Felsbach. "So haben sich die Bezüge des Gesamtvorstandes der voestalpine AG aufgrund des schwierigen konjunkturellen Umfeldes und der ersten Auswirkungen von Covid 19 bereits von rund 13 Millionen Euro (Geschäftsjahr 2018/19) auf 8 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 reduziert", teilte Felsbach auf APA-Anfrage mit. Beim Linzer Stahlkonzern reicht Kurzarbeit alleine nicht mehr aus - an den beiden steirischen Produktionsstandorten Kindberg und Kapfenberg sollen noch heuer Hunderte Jobs gestrichen werden. Der Faserhersteller Lenzing teilte mit, die vereinbarten Prämien für 2019 seien schon im ersten Quartal, also noch vor Ausbruch der Coronakrise ausbezahlt worden.

Prämien gibt es auch bei den teilstaatlichen Casinos. Wie die Tageszeitung "Kurier" am Mittwoch berichtete, werden diese wegen Krise nun aber gekürzt. Die Prämie von Generaldirektorin Bettina Glatz-Kremsner und ihrem Vorstandskollegen Martin Skopek, die rund die Hälfte des Gesamtbezugs ausmache, werde um 50 Prozent gekürzt und beim Fixum verzichten beide zusätzlich auf 20 Prozent, so die Zeitung.

Krisenfonds bei der FACC

Beim Luftfahrtzulieferer FACC gab es für 2019 keine Prämien. "Wir haben auch die Gewinne zu 100 Prozent im Unternehmen gehalten mit dem Ziel die Liquidität des Unternehmens nach Corona zu stärken", so FACC-Pressesprecher Andreas Perotti. Durch einen Gehaltsverzicht des Vorstands sei ein FACC-Krisenfonds mit 100.000 Euro eingerichtet worden.

Die Gewerkschaft vida fordert von Finanzminister Blümel ein Verbot von Boni. "Was es endlich braucht, sind klare gesetzliche Spielregeln, dass, wenn Konzerne mit Steuergeld unterstützt werden und bei den Beschäftigten gespart wird, keine zusätzlichen Boni mehr an ohnedies gut bezahlte Manager fließen dürfen", verlangte vida-Chef Roman Hebenstreit am Mittwoch in einer Aussendung. Wie das Thema Boni bei den ÖBB gehandhabt werde, wisse er nicht, so Hebenstreit zur APA. Als Belegschaftsvertreter sei er da außen vor.

Neos-Wirtschaftssprecher Josef Schellhorn sieht in den Prämien bei der AUA eine "Verhandlungspanne" der Regierung. Die pinke Oppositionspartei forderte erneut die Offenlegung des Vertrags zur AUA-Rettung. Das Finanzministerium lehnt dies ab, weil nicht das Finanzressort sondern die Staatsholding ÖBAG und die Coronafinanzierungsagentur Cofag zuständig seien.

Kommentare (30)

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tim29tim
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Wichtig, daß Gernot Blümel die AUA Manager zur Rückzahlung ihrer Prämien veranlassen konnte,

da schon die Auszahlung zum aktuellen Zeitpunkt (angesichts des staatlichen Rettungspaketes) völlig unverständlich war.

tim29tim
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Wichtig, daß Gernot Blümel die AUA Manager zur Rückzahlung ihrer Prämien veranlassen konnte,

da schon die Auszahlung zum aktuellen Zeitpunkt (angesichts des staatlichen Rettungspaketes) völlig unverständlich war.

Hardy1
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Diese Vorstandstypen....

....halten sich genau an den SPÖ Slogan: Nehmt euch, was euch zusteht..!!

Amadeus005
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Freiwillig?

War eher durch Volksdruck, wie mit den 450 M€ Steuergeld umgegangen wird.

ad93994a74a32b7eb4632a6e357a2262
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Rein die Interpretation "freiwillig zurückzulegen" lassen die Alarmglocken läuten, ......

zurücklegen heißt in diesem Fall das sie es zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen!!
Ein Betrieb der abermals durch Staatshilfen (sprich Steuergelder des Bürgers) am Leben gehalten werden musste und nun Bonizahlungen an Vorstände und höhere Angestellte ausbezahlt ist eine Farce und Betrug am Steuerzahler.
In so einem Fall ist das Geld für die Refundierung der Staatshilfen zu verwenden, alles andere ist nicht korrekt!!

reschal
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Kein Verständnis

Warum müssen Konzerne wie die AUA so geringe Rücklagen bilden, dass sie bei wirtschaftlichem Gegenwind Staatshilfe brauchen? In guten Zeiten werden Dividenden und Boni ausgeschüttet, dass man wirtschaftspolitisch toll dasteht! Da haben wir Gesetzeslücken.
Wie steht's mit der Moral und mit der Bodenhaftung dieser Manager? Sind deren Existenzen bedroht? Warum braucht es immer den Druck der Öffentlichkeit, bis die hohen Herren begreifen, was geht und was nicht?

edug16
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Ich - AG

So sind wir von der Egoisten-Truppe halt - nehmen, was nur einmal geht.

leserderzeiten
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Tageszeitung Österreich, und

FM Blümel in einem Satz, passt wie die Faust aufs Aug.

stadtkater
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Zurücklegen ist etwas ganz anderes

als zurückzahlen. Die Boni werden halt nicht jetzt ausbezahlt, sondern vorerst zurückgelegt und eben erst später ausbezahlt.

Ein Wirtschaftsredakteur sollte den Unterschied schon durchschauen!

FerdinandBerger
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Sehr nobel und selbstlos.... Auf Druck von Medien und

Betriebsrat, bitte! Dass diese Herrschaften in Zeiten, nach Staatsrettung etc. überhaupt daran denken sich was auszuzahlen spricht Bände über den Charakter dieser "Führungspersönlichkeiten". Mit dem nassen Fetzen durch die Gassen....

schwarzl1909
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Fragwürdig?

Zuerst einmal möchte ich festhalten, dass ich die Optik auch nicht gut finde, wenn Millionen an Staatshilfe kassiert wird, dann auch noch eine Boni auszuschütten.
Ich merke nur folgendes an. Muss ich meine Bonuszahlungen vom letzten Jahr auch zurückzahlen, wenn meine Firma jetzt Unterstützung vom Staat bekommt, wie Kurzarbeitergeld etc. Die vertraglich vorgeschriebenen Leistungen haben die
Manager ja erbracht. Für Corona können sie ja auch nichts. Somit steht Ihnen das Geld zu. Über die Höhe der Bonuszahlungen kannan sicher streiten, nur darf man nicht vergessen, dass zig Tausende Arbeitnehmer letztes Jahr auch
Bonuszahlungen erhalten haben und deren Firma dieses Jahr Staatshilfe bezieht. Schwieriges Thema.

Bond
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"Das Geld steht ihnen zu"?

Glauben Sie das tatsächlich? Die AUA wäre ohne Steuerzahler in Konkurs. Der Vorstand könnte sich die Boni für 2019 aus der Konkursmasse holen, wenn überhaupt.

schwarzl1909
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Glauben Sie das tatsächlich.

Ja.

bluebellwoods
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Ja genau "freiwillig"

Das ist wohl der Witz des Tages. 😉

harri156
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Licht ins Dunkel

Heuer zur Gänze an den AUA Vorstand!

knapp
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Zurücklegen ist nicht zurückzahlen!

Rücklagen werden dann eben im nächsten Jahr zusätzlich ausbezahlt, könnte man annehmen.

ellen64
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Meine HOCHACHTUNG an

die AUA Vorstände👍👍👍👍👍

jaenner61
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wie hier schon einmal geschrieben

rechtlich mag es sein, dass die aua sogar verpflichtet ist, diese prämien zu bezahlen. aber hätten diese vorstände nicht so viel anstand besitzen können, in anbetracht der umstände darauf selbstständig zu verzichten? übrigens mache ich mir keine sorgen, dass diese herren weil sie auf teile ihres gehalts verzichten, in existenzielle schwierigkeiten kommen, wie manche „normalverdiener“ auf grund der kurzarbeit, oder weil sie den job verloren haben. aber wenn ich die prognosen bezüglich normalisierung des flugbetriebes höre, frage ich mich schon, ob diese leute bis dahin durchgefüttert werden 🤔

Lodengrün
26
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Populistisch fordern darf er

weiß aber genau das diese Herren diese Bonis bei Erfolg in ihren Verträgen haben. Und 2019 war ein Erfolgsjahr. Er wäre der erste der auf diese Bezahlung beharren würde.

Patriot
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@Lodengrün: Mit welchem Geld hätten sie sich ihre Boni ausbezahlt, wenn wir Steuerzahler/innen ihnen nicht 450 Mio. überwiesen hätten?

Wenn sie insolvent wären, was eh g'scheiter g'wesen wär, hätten's stempeln gehen können!

Lodengrün
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Jetzt

ziehe ich den Hut. Trotzdem Blümel hätte Tempelhupfen gehen können.

Hgs19
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Rückzahlung sofort!

Ich als AUA Kunde muss auf die Rückzahlung meines Flugpreises aufgrund des gestrichenen Fluges 3 bis 4 Monate warten... Meine Herren Vorstände es ist sträflich, wie ihr mit Staatshilfen umgeht!

UHBP
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@hsg..

Die haben aber auch 3-4 Monatewarten müssen. Normalerweise bekommen sie die Prämien im März aber durch Corna hat die AUA kein Geld und musste warten bis die Steuerzahler und dank der Regierung aushelfen.

Hildegard11
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Ist Türkis moralisch....

....denn immer so sauber?

dieRealität2019
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verständlich, dass hier der Finanzminister

die Wasserköpfe des Vorstandes und anderen Unternehmen hervorhebt. Nur, es können aber Dienstverträge die nach Gesetzen und Vollzugsbestimmungen ausgestattet sind, nicht einfach umgeändert noch gestrichen werden. Man vergißt dabei, dass es sich hier um das Jahr 2019 handelt und diese Leisttungen erbracht wurden.

dieRealität2019
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wie anders könnte es sein?

"...sorgen bei Gewerkschaft und Opposition weiter für Empörung...."
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Wie dumm müssen solche Personen sein? "...Die Gewerkschaft vida fordert von Finanzminister Blümel ein Verbot von Boni..."
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Das ist doch wohl selbstverständlich: ".,..Auch andere Branchen, die die Krise zu spüren bekommen haben, sehen keinen Grund, die Prämien für das vergangene Jahr infrage zu stellen...."
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Ich kann doch nicht meinen Arbeitnehmer egal welcher Funktion, die Wasserköpfe sind hier eine eigene Kategorie, die 2019 lt. Umsatz/Gewinn/Dienstvertrag demnentsprechende Arbeit geleistet habe sagen, tut mir leid keine auszahlung.
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Letztklassig wie immer diese Dreck- und Schandmäuler die sich hier immer hysterischer sich in Szene setzen wollen, sorry einfach ärmlich nahezu schon erbärmlich. In den letzten Monaten lese ich nur diese aus meiner Sicht erforderlichen Benennungen.

 
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