Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Proteste ohne ErfolgSiemens hält an australischem Kohlebergwerk-Auftrag fest

Siemens hält trotz Protesten von Klimaschützern an einer wichtigen Zulieferung für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien fest. Das führt jetzt auch zu Widerstand in einigen deutschen Städten.

Siemens-Vorstandschef Joe Kaese © APA/AFP/Christof Stache
 

Der Industriekonzern Siemens hält trotz Protesten von Klimaschützern an einer wichtigen Zulieferung für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien fest. Das teilte Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser am Sonntagabend auf Twitter nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung mit. Klimaaktivistin Luisa Neubauer reagierte mit scharfer Kritik. Kaeser mache einen "unentschuldbaren Fehler". Der Firmenbeschluss sei "nichts weniger als schändlich" und ruiniere das Image von Siemens, teilte außerdem die Australian Conservation Foundation am Montag mit.

Siemens habe alle Optionen geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass man allen vertraglichen Verpflichtungen nachkommen müsse, erläuterte Kaeser die Entscheidung. Bei der Kritik an dem Projekt in Australien geht es neben dem Klimaschutz auch um den Verbrauch von Wasser, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt. Besondere Brisanz hatte das Thema zuletzt auch durch die riesigen Buschbrände in Australien bekommen.

Ursprünglich wollte Siemens seine Entscheidung am Montag bekanntgeben. Kaeser hatte am Freitag gesagt, die Entscheidung sei nicht einfach. Es gebe unterschiedliche Interessenlagen - von Aktionären, Kunden und auch der Gesellschaft.

"Profit aus Katastrophen-Vorhaben"

"Diese Entscheidung ist aus dem Jahrhundert gefallen", kritisierte Neubauer die Entscheidung. Statt Verantwortung für das Pariser Klimaschutz-Abkommen zu übernehmen, gefährde Siemens damit das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad einzudämmen. "Wir haben Kaeser gefragt, alles in seiner Macht stehende zu tun um die Adani-Mine zu verhindern. Stattdessen schlägt er nun Profit aus diesem Katastrophen-Vorhaben."

Kaeser hatte Neubauer bei einem Treffen am Freitag einen Sitz in einem Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy angeboten - ob im Aufsichtsrat oder einem Gremium wollte er ihr überlassen. Siemens will sein Energiegeschäft im Frühjahr abspalten und Siemens Energy voraussichtlich im September an die Börse bringen.

Wie lautet die Kritik?

Bei der Kritik an dem Vorhaben geht es neben dem Klimaschutz auch um den Verbrauch von Wasser, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt. Besondere Brisanz hatte das Thema zuletzt auch durch die riesigen Buschbrände in Australien bekommen.

Aufsichtsrat-Posten abgelehnt

Den Posten lehnte die 23-Jährige am Wochenende ab. Sie schlug stattdessen vor, ihn einem Wissenschafter von Scientists for Future zu geben, einer Gruppe, die Fridays for Future unterstützt. "Mit dem Posten wäre ich den Interessen des Unternehmens verpflichtet und könnte Siemens dann nicht mehr unabhängig kommentieren", sagte Neubauer der dpa. "Das ist nicht mit meiner Rolle als Klimaaktivistin zu vereinbaren."

Kaeser bedauerte die Entscheidung, lehnte Neubauers Vorschlag aber ab. Das sei "gut gemeint", teilte er am Sonntag mit. "Aber Experten und Wissenschaftler haben wir schon genug." Seine Tür stehe weiterhin offen, sagte er mit Blick auf die Diskussion mit Neubauer.

Siemens will eine Zugsignalanlage für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien zuliefern. Die Adani Group will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft. Nach Angaben von Neubauer hatte Siemens für das Adani-Projekt eine Schlüsselrolle. Zwei Firmen, die für den Auftrag auch infrage kämen, hätten schon abgesagt.

Kaeser kündigte am Sonntagabend zugleich an, ein wirksames Nachhaltigkeitsgremium schaffen zu wollen, um Umweltfragen in Zukunft besser zu managen. Bereits am Freitag hatte Kaeser sich dem eigenen Unternehmen gegenüber auch kritisch gezeigt: "Wir sehen, dass wir auch indirekte Beteiligungen bei kritischen Projekten besser verstehen und frühzeitig erkennen müssen."

Kaeser dankte für zahlreiche Mails und Reaktionen in sozialen Netzwerken sowie für persönliche Treffen zu dem Thema. Besonders Botschaften von Australiern hätten ihn bewegt. Er verwies darauf, dass Siemens sich die Klimaneutralität bis 2030 vorgenommen habe und grundsätzlich das Ziel verfolge, fossile Brennstoffe für die Volkswirtschaften überflüssig zu machen.

Proteste auch vor der Siemens-Zentrale

Fridays for Future hat für heute, Montag, jedenfalls Proteste in zahlreichen deutschen Städten angekündigt. In der Früh fanden sich auf der deutschen Homepage der Klimabewegung zwölf Veranstaltungen. Eine weitere war am Hauptsitz des Konzerns in München geplant, sagte eine lokale Sprecherin von Fridays for Future. Die Liste könnte sich noch um einzelne Veranstaltungen verlängern, sagte eine andere Sprecherin von Fridays for Future Deutschland. Sie rechnete allerdings nicht damit, dass die einzelnen Proteste sehr groß ausfallen würden. Dafür seien sie zu spontan geplant worden.

 

 

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

georgXV
1
5
Lesenswert?

???

der Anteil von SIEMENS an diesem Kohleabbauprojekt ist wahrscheinlich "peanuts", bezogen auf die Gesamtkosten des Projektes.
Viel, viel wichtiger wäre es in Australien (und anderswo) GEGEN den Kohleabbau insgesamt vorzugehen.
Und bitte NICHT vergessen, auch GEGEN diesen Projektbetreiber (und andere Kohlebergbaukonzerne), die indische Anadi-Gruppe, sowie GEGEN andere Maschinen- und Gerätezulieferer (z.B. Bagger, LKW, Lastenzüge, Schienen, usw.) zu protestieren !

KarlZoech
1
7
Lesenswert?

Hier stehen zwei Fragen an, welche offenbar klar zu beantworten sind:

a) Ist die Erfüllung dieser vertraglich vereinbarten Lieferung durch Siemens gesetzeskonform? Antwort: Ja.
Also wird Siemens liefern (müssen).
Es gibt im Übrigen ein Aktienrecht, an welches die Vorstände von Aktiengesellschaften gebunden sind. Die Nichterfüllung von Aufträgen, nur weil irgendwelche gesellschaftliche Gruppen sich das wünschen, wäre ein klarer Verstoß gegen das Aktienrecht.

b) Was würde geschehen, würde Siemens nicht liefern:
Würde dann diese Kohlenmine nicht realisiert werden? Antwort: Nein.
Natürlich würde dieses Kohlenminenprojekt trotz des Protestes der deutschen FfF realisiert werden. Einzige Änderung: Jene Komponenten, welche Siemens nicht liefern würde, die würde mit Freude eine chinesische Firma liefern.

michael787
0
5
Lesenswert?

Karl hat Recht

Und genau das ist der Grund, warum in Sachen Klimaschutz nichts weitergeht. Weil Verträge zu erfüllen sind, weil sich immer ein anderer findet, usw.

KarlZoech
0
4
Lesenswert?

@ michael787: Ich habe nichts gegen Klimaschutz, im Gegenteil. Ich bin nur der Ansicht,

dass sich dieser nicht dadurch erreichen lässt, dass man Firmen auffordert, etwas nicht zu liefern und sich der Illusion hingibt, damit ein Projekt stoppen zu können.

Im konkreten Fall muss diese Diskussion in Australien von Australiern geführt werden! Wenn dann herauskommt, in Australien entschieden, dass dieses Projekt nicht kommt, okay. Ich denke aber, dass sich solche Entscheidungen nicht von außen erzwingen lassen, durch Weigerung, Komponenten dazu zu liefern, noch dazu wo garantiert andere (China) bereit stehen, als Ersatzlieferanten diese Lücke zu schließen.

schadstoffarm
6
0
Lesenswert?

Euro Gnaden k&k Dampfschifffahrtskapitän

der menschengemachte Klimawandel wird stattfinden um Unternehmensgewinne zu sichern ohne Unternehmensstragien anpassen zu müssen. Da der menschengemachte Klimawandel dem Gesellschaftsrecht von Aktiengesellschaften nicht zuwider läuft darf er stattfinden.
Mir deucht euro Gnaden beliebten nicht die Gazetten zu lesen, wenigsten seit Lichtmess.

joektn
8
9
Lesenswert?

🤔

Da sieht man wieder dass Geld halt nach wie vor die Welt reagiert. Klar hätte Siemens eine Vertragsverletzungsstrafe begangen nur das wäre im Vergleich ein lächerlicher Betrag gewesen. Einerseits sagen bis 2030 klimaneutral sein zu wollen und dann so ein Projekt starten. Das ist unglaubwürdig nur das ist dem Vorstand vermutlich egal weil 2030 ist der schon längst in Pension mit einer millionenschweren Abfindung...

scionescio
8
12
Lesenswert?

Diese Entscheidung war absehbar, weil Siemens es nicht zulassen kann, als Geschäftspartner unzuverlässig zu werden, wenn der Eindruck entsteht, dass man sich von jedem Aktivisten auf der Nase herumtanzen lässt!

Im Aufsichtsrat hätte sie dagegenstimmen und ähnliche Projekte in der Zukunft schon im Vorfeld abdrehen können - aber anscheinend ist ihr die Schlagzeile und die eigene Medienpräsenz wichtiger als das Klima.

X22
0
7
Lesenswert?

Im Grunde geht es um einen einzigen Auftrag, der im Bezug zu einer, sagen wir mal nicht mehr tragfähigen Energielösung, beiträgt.

Auf der anderen Seite man braucht die Kohle zb. noch für die Stahlproduktion, es gibt zwar auch andere Verfahren, Stahl zu produzieren, die mit Erdgas ist viel Energieintensiver, senkt den CO2 Ausstoss durch den Wegfall der Kokserei, die andere mit Holzkohle wäre einigermassen Klimaneutral, "wenn" die Bäume nachgepflanzt würden (-> Brasilien) und noch es wird noch an anderen geforscht.
Um zu Siemens zurückzukommen, "Siemens wird weltweit als der grüne Infrastruktur-Pionier wahrgenommen", weil sie auch viel tun, der Auftrag im Verhältnis zum weltweiten Umsatz macht ca. 0,02%, das sind 2 Zehntausendstel von ca. 87 Milliarden Umsatz, da muss man halt über seinen Schaden springen können, wer weiß ob eine Entscheidung in die eine oder andere Richtung sich nicht auf andere Projekte auswirken kann, im positiven oder negativen gesehen.

X22
0
4
Lesenswert?

Siemens eigene Einstellung zur Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit leben – im Interesse künftiger Generationen
Unsere Nachhaltigkeitsaktivitäten sind ein Schlüsselelement zur erfolgreichen Umsetzung des Siemens-Strategieprogramms „Vision 2020+“. Unser Verständnis von Nachhaltigkeit basiert auf den Werten unseres Unternehmens – verantwortungsvoll, exzellent, innovativ. Bei Siemens definieren wir nachhaltige Entwicklung als das Mittel, profitables und langfristiges Wachstum zu erzielen. Dabei orientieren wir uns extern an der UN Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und streben intern eine Balance entlang der Dimensionen Mensch, Umwelt und Gewinn an.

schadstoffarm
10
3
Lesenswert?

es geht nicht um den/die/das Aktivisten

sondern um einen sich bildenden gesellschaftlichen Konsens.
Der Bürger tickt nicht so wie Führer ihr Ego in die gesichtslose Masse projizieren. Scott Morrison kann nicht mehr behaupten die Waldbrände hätten nichts mit dem Klimawandel zu tun, er tuts trotzdem. Und als ein Aufsichtsrat kannst nichts machen, da bist nur das Feigenblatt da hat die Dame schon recht.

scionescio
2
12
Lesenswert?

Dein gesellschaftlicher Konsens, dass wir auf unseren Planeten aufpassen müssen, hat schon existiert, bevor sich Aktivisten mit einem Aufmerksamkeitsdefizit wichtig gemacht haben ...

... neu ist nur das professionelle Marketing und die damit einhergehende überproportionale mediale Präsenz!
Zu meiner Zeit waren wir halt bei Greenpeace und haben in der Hainburger Au gezeltet...

schadstoffarm
7
1
Lesenswert?

was sagt der ehemalige Greenpeace Aktivist

zur Ausweitung der Kohleförderung in Australien ?

scionescio
2
8
Lesenswert?

Da fehlt mir etliches an Information und ich habe auch nicht die Zeit und die Möglichkeit mich um alles in der WElt zu kümmern ...

Ich versuche in meinem Wirkungskreis und Verantwortungsbereich die Dinge zu verbessern und versuche, so gut es geht, bei meinem eigenen Verhalten zu beginnen ... ist natürlich nicht sonderlich spektakulär und beeindruckend - und trotzdem glaube ich, dass das der einzige richtige und nachhaltige Weg ist.
Wenn die Leute mit der richtigen Einstellung statt immer nur auf die anderen zu zeigen, selbst Verantwortung übernehmen und durch gute Ausbildung und Leistung an die Positionen kommen, wo sie mehr als nur Schlagzeilen bewirken können, ist dem Planeten am besten geholfen ... Schlagzeilen mögen dem einen oder anderen schmeicheln - bewirken tun sie aber gar nichts!

schadstoffarm
4
1
Lesenswert?

Info: Oxidation von C ergibt CO2

Seit der Hainburger Au scheint dir doch einiges passiert zu sein, ich vermute es handelt sich bei dir mittlerweile um 2 Individuen der selben Spezies.
Zu deinem Schlagzeilenkonstrukt:
es gab ausschließlich FS1 und FS2 und in beiden wurde parallel über die Hainburger Au berichtet, die Herrschenden hatten dafür weder Verständnis noch verstanden sie es. Was genau ist jetzt der Unterschied zu heute ?

scionescio
1
6
Lesenswert?

Selbstverständlich ist einiges passiert ...

... ich habe mir Wissen und Erfahrung angeeignet und bin mittlerweile besser in der Lage, Probleme in einem größeren Kontext gesamtheitlicher zu verstehen.
Es ist das Vorrecht der Jugend, für etwas zu brennen, ungestüm zu sein, sich im Besitz der alleinigen Wahrheit zu wähnen - das war schon immer so (schon Homer hat das trefflich beschrieben) und wir waren auch nicht anders.
Das bedeutet aber nicht, dass deshalb alles andere schlecht und falsch sein muss und manch einer verdeitigt mit mehr Wissen und Erfahrung Positionen, die er in seiner Jugend bekämpft hat - und vermutlich wird das auch nie anders sein;-)

schadstoffarm
5
1
Lesenswert?

Gute Antwort !

die deine vorherigen Meinungen falsifiziert. Erinnert an die Alt-68er
die die Gesellschaft mit "dem Marsch durch die Instanzen" ändern wollten. Aber einmal in Position fanden sie die Gesellschaft eh ganz OK. Mit deinem Ansatz die Verantwortung auf den einzelnen abzuschieben änderst in 20 Jahren genau nichts.

scionescio
0
4
Lesenswert?

Anscheinend hast du mich nicht ganz verstanden ...

... die Einstellung der Gesellschaft, die Umwelt und viele andere Rahmenbedingungen meiner Kindheit haben sich dramatisch geändert - manches davon finde ich gut und manches davon finde ich nicht so gut.
Meine Einstellungen haben sich dort geändert, wo ich durch zusätzliches Wissen zu anderen Beurteilungen gekommen bin und sind gleich geblieben, wo sie durch zusätzliches Wissen erhärtet worden sind (zB Atomkraft).
Selbstverständlich muss jeder in seinem Wirkunkskreis Verantwortung übernehmen (was hat das mit Abschieben zu tun?) und übergeordnete Verantwortungen sind durch geeignete Vertreter wahrzunehmen, die - und da unterscheiden wir uns wahrscheinlich - auch durch ihr Wissen, ihre Ausbildung und vielleicht auch durch ihre Erfahrung in der Lage sind, die Konsequenzen einer Entscheidung auch vernetzt und mehrdimensional absehen zu können ... und da hapert es in meinen Augen manchmal bei den selbsternannten Aktivisten.