Besuch bei Googles wichtigstem Europa-StandortWie Zürich die Stadt der 4000 "Zoogler" wurde

In Zürich betreibt Google das größte Entwicklungszentrum außerhalb der USA. Wie es dazu kam und woran geforscht wird? Lesen Sie dazu den Kommentar aus unserem Primus-Newsletter.

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Google beschäftigt in der Schweiz knapp 4000 Menschen
Google beschäftigt in der Schweiz knapp 4000 Menschen © Google
 

Lassen Sie uns heute ausnahmsweise einen schnellen Blick über den steirischen und Kärntner Wirtschaftsstandort hinauswerfen und kurz von einem Besuch bei Google berichten. Nun, eigentlich war es eine Stippvisite bei Google in der Schweiz, wo der US-Technologiekonzern das größte Entwicklungszentrum außerhalb der USA betreibt. Eine der dominierenden Fragen im Vorfeld: Warum eigentlich wählte Google die Schweiz aus?

Erklärung bietet der Blick zurück: Vor ziemlich genau 15 Jahren öffnete der Google-Standort mit damals zwei Mitarbeitern über einer Papierwarenhandlung, Papeterie heißt das bei den Eidgenossen. Forciert wurde Googles geografischer Exkurs damals von Urs Hölzle. Einem Schweizer, der heute Technologie-Chef bei Google ist und als dienstältester „Googler“ nach den Firmengründern Larry Page und Sergey Brin gilt.

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Getrieben wurde Googles Weg in die Limmat-Stadt stets auch von der Suche nach einem zentralen Standort mit betont guter Infrastruktur. Die neue Google-Zentrale in der Europaallee erfüllt diese Anforderung perfekt. Sie liegt zehn Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt, von wo man in 15 Zugminuten am Flughafen ist, der wiederum täglich Direktflüge nach San Francisco anbietet.

Warum der Standort heute eine entscheidende Rolle im Googleversum spielt hat aber auch mit der Ausrichtung selbst zu tun. Die meisten „Zoogler“, wie sich die Zürcher Google-Mitarbeiter nennen, sind Techniker, viele von ihnen exzellente Software-Entwickler, die ihre wissenschaftlichen Brutstätten in Elitehochschulen wie der ETH in Zürich oder der EPFL in Lausanne fanden.

Einer der ersten Forschungsschwerpunkte galt „Google Maps“, heute werden große Teile des smarten Helferleins „Google Assistant“ in der Schweiz entwickelt. Gleichzeitig sitzt in Zürich das größte Youtube-Team außerhalb San Brunos und im ehemaligen Sihlpost-Gebäude tüftelt Google am hauseigenen „Calendar“. Geködert werden potenzielle Mitarbeiter google-üblich mit guten Gehältern, Fitnessangeboten, voller Verpflegung, einem Kreativtag pro Woche für Entwickler oder der Gepflogenheit, nach 20 Uhr und an Wochenenden keine E-Mails zu verschicken.

Google und die Schweiz: seit 15 Jahren ein Duo
Google und die Schweiz: seit 15 Jahren ein Duo Foto © Google

Numerisch kann sich das Erbe Urs Hölzles sehen lassen: Knapp 4000 Zoogler arbeiten bereits in Zürich, zehn Gebäude rund um das Hürlimann-Areal und die Europaallee sind aktuell bezogen.

Freilich: Es wäre nicht das Google dieser Tage, würde alles friktionsfrei verlaufen. Ein geplantes Treffen zwischen Gewerkschaftern und Zooglern missfiel dem Konzern, der derlei Treffen lieber selbst organisiert. Die Plattform Vox.com zitierte daraufhin interne Nachrichten der Google-Mitarbeiter, die sich wütend über das Vorgehen äußerten. In Summe aber gilt der in der Schweiz so wichtige „Arbeitsfrieden“ – Konflikte werden am Verhandlungstisch und nicht durch Kampfmaßnahmen gelöst – auch bei Google gewahrt, die weitere Expansion des Konzerns gilt als gewiss.

Die Teilnahme an dieser Reise erfolgte auf Einladung von Google

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