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ÖsterreichThomas Cook-Pleite: Urlauber sind versichert, Hoteliers nicht

Heimische Pauschaltouristen werden komplett entschädigt. Derzeit ist nur die britische Muttergesellschaft pleite.

Zwei gekündigte mitarbeiterinenn der britischen Thomas-Cook-Mutter
Zwei gekündigte mitarbeiterinenn der britischen Thomas-Cook-Mutter © APA/AFP/Jaime Reina
 

Die Milliardenverluste und Zahlungsunfähigkeit des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook plc schlägt europaweit hohe Wellen. Urlauber und Hoteliers bangen um ihr Geld und sind gleichermaßen gestresst. Das Geld der Pauschalreisenden ist gesichert, jenes der Quartiergeber hingegen nicht, wie es am Dienstag aus der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hieß.

Staatshaftung springt bei Bedarf ein

"Wenn die Versicherungsdeckung nicht ausreicht, gibt es eine Staatshaftung", beruhigte der Geschäftsführer des WKÖ-Fachverbands Hotellerie, Manfred Katzenschlager,. Das gilt für die Pauschalreisenden in Österreich. Zu Wochenbeginn hatte die heimische Thomas-Cook-Tochtergesellschaft laut Eigenangaben rund 4600 Kunden in den Urlaubsdestinationen.

Ansprechpartner für alle Fragen betreffend Buchungen und Reisepreisforderungen ist der Abwickler Allianz Worldwide Partners (AWP P&C S.A.). Zu Thomas Cook gehören auch Veranstaltermarken wie Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen und Air Marin. Nicht insolvenzversichert sind Flug-und-Hotel-only-Buchungen, da es sich hierbei um Einzelleistungen handelt.

Versicherung kontaktieren

Pauschalreisekunden müssten in jedem Fall den Abwickler für die Reiseinsolvenzversicherung kontaktieren, betonte ein Sprecher von Thomas Cook Austria Dienstagnachmittag. Der Reiseveranstalter rate den Kunden "unbedingt, sich vor Antritt der Reise mit dem gebuchten Leistungsträger (Fluglinie/Hotel) in Verbindung zu setzten", verwies er auf die aktuelle Empfehlung.

Bis 17. November 2019

Kunden der Thomas Cook Austria AG können Buchungs- und Zahlungsbestätigungen bei Allianz Partners bis spätestens 17. November 2019 vorlegen (thomascook.at@allianz.com). Für die Urlauber wurde eine Service-Hotline (+43 1 52503-6853 bzw. -6811) eingerichtet. Weitere Informationen gibt es auch auf der Website www.allianz-travel.at.

Wieviel die Urlauber tatsächlich von der Versicherung erhalten - ob vollumfänglich oder aliquot - werde nach Ablauf der Frist feststehen, hieß es aus der Insolvenzabwicklungsgesellschaft heute. Bis spätestens Jahresende sollten die Kunden dann ihr Geld bekommen.

Keine großen finanziellen Risiken für Pauschalreisekunden der Thomas Cook Austria sieht auch der Präsident des Österreichischen ReiseVerbands (ÖRV) und TUI-Austria-Prokurist Josef Peterleithner. Der Reiseveranstalter sei in Österreich mit über 20 Milionen Euro abgesichert. Das werde ausreichend sein, um die finanzielle Sicherheit der Gäste zu gewährleisten. "Das ist auch der Vorteil einer Pauschalreise, wenn man im Reisebüro bucht", meinte der Branchensprecher am Dienstag.

Noch kein Insolvenzantrag gestellt

Die Thomas Cook Austria AG hat - ebenso wie die deutsche Thomas Cook GmbH - keinen Insolvenzantrag gestellt. Zur Stunde wird um Auffanglösungen gerungen. Die Österreich-Gesellschaft ist eine 100-Prozent-Tochter der deutschen Thomas Cook Touristik GmbH. Diese hat mittlerweile einen Überbrückungskredit bei der deutschen Bundesregierung beantragt.

Um Condor-Rettung wird gekämpft

Auch um die Rettung der gewinnträchtigen deutschen Airline Condor, die ebenso zur Thomas Cook Group gehört, wird noch gekämpft. Möglicherweise springt auch hier der deutsche Steuerzahler ein - die Entscheidung über staatliche Hilfen soll in den nächsten Tagen fallen. Der Ferienflieger, der seinen Betrieb derzeit weiter aufrecht hält, will von der deutschen Bundesregierung laut Nachrichtenagentur dpa einen Überbrückungskredit im Volumen von 200 Millionen Euro.

Die Gründe für den Konkurs

Die Insolvenz des britischen Reiseveranstalters ausgelöst haben sollen der Wertverfall der britischen Landeswährung Pfund, der Brexit sowie teure Firmenübernahmen, etwa der Ankauf des Tourismuskonzerns MyTravel im Jahr 2007, der nie in die Gewinnzone kam. "Dass so ein großer Anbieter Insolvenz anmeldet, hat sich niemand gedacht", sagte die Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, Petra Nocker-Schwarzenbacher. "In dem Ausmaß hat sich das keiner vorstellen können."

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