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Über 80 Millionen Euro VerlustWestbahn verkauft alle Züge an Deutsche Bahn

Der Halbstundentakt der Westbahn-Strecke wird vorübergehend auf einen Stundentakt verlängert. Ab 2021 soll - mit neuen Zügen - wieder öfters gefahren werden.

Westbahn verkauft alle 17 Züge an Deutsche Bahn
Westbahn verkauft alle 17 Züge an Deutsche Bahn © APA/Robert Jaeger
 

Die Westbahn verkauft alle ihre 17 Züge an die Deutsche Bahn, neun Züge gehen bereits mit Fahrplanwechsel im Dezember nach Deutschland. Daher fährt die Westbahn ab dann nur mehr im Stundentakt statt wie bisher jede halbe Stunde zwischen Wien und Salzburg. 15 neue Züge werden beim Schweizer Hersteller Stadler bestellt, 2021 soll mit ihnen der Halbstundentakt wieder aufgenommen werden.

Als Konsequenz werden ab Dezember 2019 auch die Haltestellen ab Wien-Praterstern (mit Hauptbahnhof und Meidling) nicht mehr angefahren, die Züge fahren nur mehr ab Wien-Westbahnhof. Westbahn-Haupteigentümer Hans Peter Haselsteiner erklärte den Schritt heute vor Journalisten mit den anhaltenden Verlusten des Unternehmens. Seit Beginn habe die Westbahn 83 Millionen Euro Verlust angehäuft, wenn man alles zusammenrechne "ein guter Hunderter" - und so könne das nicht mehr weitergehen. "Ich habe keinen Goldscheißer im Keller, keinen Esel streck dich", sagte er. "Alle Jahr rinnen zehn Millionen ausse, ich kann nimmer zuschauen". Daher hätten die Aktionäre dem Management eine "Stop-Loss-Strategie" verordnet.

Ich habe keinen Goldscheißer im Keller, keinen Esel streck dich.

Hans Peter Haselsteiner

Den Grund für die Verluste orten Haselsteiner und Westbahn-CEO Erich Forster bei der Staatsbahn ÖBB. Beide kritisierten, dass die Bundesbahn den Wettbewerb mit der Westbahn über zu niedrige Ticketpreise führe, die Kosten dafür müssten die Steuerzahler berappen. Auch die Rahmenbedingungen für die Westbahn würden durch die ÖBB, wo sie nur könne, erschwert, zahlreiche Beschwerden dagegen seien noch immer anhängig. Seit die Westbahn fahre habe die ÖBB eine halbe Milliarde Euro an Werbemitteln ausgegeben - bei 600 Millionen Euro Zuschuss, den die ÖBB im Jahr vom Steuerzahler bekomme, wetterte Haselsteiner. Aber auch die EU sei für ihn eine große Enttäuschung wegen der mangelnden Bahnliberalisierung.

Ihre 17 Doppelstockzüge habe die Westbahn "sehr günstig" an die Deutsche Bahn verkauft, den Kaufpreis wollte Haselsteiner nicht nennen. In der europäischen Bahnlandschaft herrsche derzeit ein Mangel an Fahrzeugen, da der Bahnverkehr zunehme, so habe man die Gelegenheit für den Verkauf der eigenen gebrauchten Fahrzeuge genutzt. Zunächst werden neun Züge nach Deutschland gehen und später, wenn die neuen Westbahn-Züge von Stadler geliefert und zugelassen seien, die übrigen acht Züge. Der Preis für die 15 sechsteiligen Doppelstockzüge "KISS 3" betrage 292 Millionen Euro, durch die derzeit sehr niedrigen Zinsen sei diese Finanzierung wesentlich günstiger als die bisherige.

ÖBB sieht Konkurrenz auf der Straße

Angesprochen auf Berichte, dass die Westbahn ihre neuen Züge in China kaufen würde, meinte Haselsteiner: "Wir schließen die Chinesen nicht aus aus unseren Beschaffungsüberlegungen, nur nicht im ersten Schritt." Man müsse auch den Aufwand und die notwendige Zeit für die Zulassung in Europa sehen. Durch den Kauf der 15 neuen Stadler-Züge werde die Flotte einheitlich sein.

Die ÖBB haben in einer ersten Reaktion die Angebotsreduktion der Westbahn bedauert: "Im Sinne des Klimaschutzes braucht es mehr Bahnangebot, nicht weniger", heißt es in einer der APA übermittelten Stellungnahme. Die wahre Konkurrenz sei nicht auf der Schiene, sondern auf der Straße. Die Staatsbahn wolle nun die Ausfälle auf der Westbahnstrecke bestmöglich kompensieren, eine Ausweitung des ÖBB-Fernverkehrangebots auf den Wiener Praterstern werde es aber nicht geben, da die Strecke für den Nahverkehr bzw. Pendler konzipiert sei. Eine Marktverzerrung sehen die ÖBB nicht.

Verkaufspreis auf 200 Millionen Euro geschätzt

Niederösterreichs Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) bedauerte die Entscheidung. Nun gehe es darum, die Auswirkungen auf die Pendlerinnen und Pendler auf der Westachse möglichst gering zu halten.

Die Deutsche Bahn teilte mit, sie werde durch den Erwerb der Westbahn-Flotte ihr Angebot im Fernverkehr beschleunigt ausbauen und die Intercity-Flotte verstärken. Die 200 km/h schnellen Fahrzeuge seien größtenteils erst zwei Jahre alt. Mit dem Kauf der 17 Züge werde das Platzangebot um fast 7000 Sitzplätze erweitert. Die Züge würden ab nächstem Frühjahr zunächst auf der neuen IC-Line Dresden-Berlin-Rostock im Einsatz sein. Zum Preis gab es keine Angaben. In der Branche wird der Gesamtpreis auf rund 200 Millionen Euro geschätzt.

An der Westbahn-Muttergesellschaft Rail Holding hält die Haselsteiner Familienprivatstiftung des Industriellen Hans Peter Haselsteiner 49,9 Prozent, die Schweizer Augusta Holding des Unternehmers Erhard Grossnigg 32,7 Prozent und die französische Staatsbahn SNCF 17,4 Prozent

Kommentare (12)

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wahrheitverpflichtet
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NICHT WEG ZU SCHAUEN!

Aber auch die EU sei für ihn eine große Enttäuschung wegen der mangelnden Bahnliberalisierung. ja eh hr Haselsteiner schauen sie nach Frankreich dort wurde eh alles vorgelebt was passiert wenn man öffentliche bahnen privatisiert und den Hahn aufdreht für die privaten Ausbeuter Haie! ERST DIE BAHN DANN DAS WASSER DANN VIELLEICHT DAS FINANZMINISTERIUM MIT DER NATIONALBANK IHR MILLIARDÄRE SEIT NUR SO REICH WEIL IHR SKRUPELLOS EUCH SELBST BEREICHERT! DAS GILT FÜR EUCH ALLE

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WernStein
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Irgendwie komisch!

Die WESTBAHN hat sich das "Filetstück" (Salzburg - Wien) herausgepickt und kann trotzdem nicht kostendeckend fahren.
Wie soll der ÖBB Personenverkehr kostendeckend fahren, wenn er nebenbei auch die defizitären Nebenbahnen - im öffentlichen Interesse - über Bestellung natürlich- bedienen muss? Da ist sicher nichts zu verdienen.
Dass den Betrieb trotzdem irgendwer zahlen muss, nämlich der Besteller, das geht in die Köpfe nicht hinein. Es wird dann immer von Defizit und Bezuschussung gesprochen.
Die WESTBAHN interessiert sich für die Nebenbahn von z.B. Arnoldstein nach Hermagor überhaupt nicht! Warum wohl?
Man muss auch endlich lernen zu unterscheiden zwischen Infrastruktur und Eisenbahnverkehrsunternehmen.
Der ÖBB Infrastruktur ist es völlig egal, wer auf ihrem Netz fährt. Hauptsache, dass viel gefahren wird, das bringt die Kohle, welche für die Erhaltung des Netzes usw. dringend benötigt wird.

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kropfrob
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Preiskampf

"Beide kritisierten, dass die Bundesbahn den Wettbewerb mit der Westbahn über zu niedrige Ticketpreise führe" - soweit ich mich erinnere, hat die Westbahn selbst den Wettbewerb über Dumpingpreise begonnen; die ÖBB ist erst mit großer Verspätung (vor allem durch Ausweitung der Sparschiene-Tickets) auf "diesen Zug" aufgesprungen.

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gerbur
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Hat schon der Strohsack versucht

über die Politik an die Marie zu kommen! Und wie immer, der Staat ist ja so böse! Dass wir Steuerzahler in den letzten Jahrzehnten die Verkehrsinfrastruktur bezahlt haben mit der man jetzt Geld machen will, kümmert diese Leute echt wenig.

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oros5
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Das

Defizit der ÖBB zahlen wir Steuerzahler.... die Westbahn muss selber zahlen... das ist der kleine Unterschied

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minerva
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oros5

der Bahnexperte :-)

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baldasar
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Traurig

Lieber darf der Steuerzahler fürs minus der ÖBB zahlen, und die Politik vergibt ohne Ausschreibung Aufträge an den ÖBB PV...

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bitteichweisswas
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Die Neos ...

... werden es schon richten.

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minerva
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Über 80 Millionen Euro Verlust...

nix anderes war zu erwarten!!

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joe1406
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wenn man den Neos

weniger Geld hinscheißt, bleibt für sinnvollere Sachen mehr übrig.

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voit60
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nicht alles ist Gold

was so haselsteint.

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Windstille
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Konkurrenz tut gut!

Auf der Westbahnstrecke hat sich durch die Westbahn sehr viel getan, was vielleicht ohne Konkurrenz nie passiert wäre. Als privater Bahnanbieter wird man in Österreich gegen die ÖBB niemals eine Chance haben - zu viel Steuergeld rinnt in dieses rote Fass ohne Boden. Und weil einige ÖBBler zu wenig Arbeit haben, gehen sie in die rote Gewerkschaftsschule und dreschen auf alles hin, was sich Konzern und Unternehmen nennt. Wozu auch braucht ein echter Gewerkschafter Arbeitsplätze, die macht ja eh die SPÖ und am besten wäre es, alle Betriebe gleich wie im ehemaligen Kommunismus zu verstaatlichen ...
Wobei: Ihre wahren Stärken hat die SPÖ vielmehr in der Vernichtung von Arbeitsplätzen - 17.000 waren es allein beim Konsum, weil diese Partei von Wirtschaft noch nie eine Ahnung hatte.

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