AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Finanzpolizei „Brisante Situation“: Verstöße wühlen die Friseurbranche auf

Finanzpolizei und Wirtschaftskammer starteten nach massiven Beschwerden eine Aktion scharf in der Friseurbranche in Graz. Allein im Bereich der Registrierkasse gab es bei 60 Prozent der geprüften Betriebe gravierende Beanstandungen.

): Im Einsatz für einen fairen Wettbewerb: Frieseur-Innungsmeisterin Doris Schneider mit dem Leiter der Finanzpolizei Steiermark und Kärnten, Rigobert Rainer, sowie WKO Steiermark Präsident Josef Herk, Spartenobmann Hermann Talowski und Beamte der Finanzpolizei
): Im Einsatz für einen fairen Wettbewerb: Frieseur-Innungsmeisterin Doris Schneider mit dem Leiter der Finanzpolizei Steiermark und Kärnten, Rigobert Rainer, sowie WKO Steiermark Präsident Josef Herk, Spartenobmann Hermann Talowski und Beamte der Finanzpolizei © WK/(c) Foto Fischer
 

Verstöße gegen die Registrierkassenpflicht und das Ausländerbeschäftoigungsgesetz, gravierende Mängel bei der Arbeitszeitaufzeichnung - die Palette an Beanstandungen war enorm. Im Zuge einer "Aktion scharf" haben sich Finanzpolizei und Wirtschaftskammer die Friseurbranche in Graz vorgenommen. Und das Ergebnis "gibt Anlass zur Sorge", wie Rigobert Rainer, Leiter der Finanzpolizei Steiermark und Kärnten, betont. Bei 60 Prozent der geprüften Betriebe gab es Beanstandungen im Bereich der Registrierkasse. Auch wurden illegal ausländische Arbeitskräfte beschäftigt, in einigen Fällen zu wenig Sozialleistungen abgeführt. Manchmal lag nicht einmal ein Gewerbeschein vor.

Wirtschaftskammer-Präsident Josef Herk verweist darauf, dass es in gehäuft zu Beschwerden aus der Branche hinsichhtlich schwarzer Schafe im Bereich der "Barber-Shops" gekommen sei. Daher habe man reagiert, "wir sind für Fairness und schützen keine schwarzen Schafe", so Herk.

"Massives Problem in der Steiermark"

Im Zentrum der Kontrollen standen Friseure im Großraum Graz. 40 Beamten hatten in einer ersten Phase der "Aktion scharf" observiert: "Die Kollegen haben verdeckte Käufe durchgeführt und den Umgang mit der Registrierkasse beobachtet", sagte Rigobert Rainer, Leiter der Finanzpolizei Steiermark und Kärnten. Außerdem wurde die Kundenfrequenz der Geschäfte beobachtet. Es stellte sich etwa in einem Fall heraus, dass rund 50 Kunden an einem Tag im Geschäft waren, doch kein einziger Umsatz in der Registrierkasse zu finden war, schildert Rainer.

Finanzpolizei im Einsatz

Insgesamt hat die Finanzpolizei in der Steiermark und in Kärnten heuer bereits 1200 Kontrollen durchgeführt, wobei der grenzüberschreitende Dienstleistungsverkehr im Sinne der Einhaltung eines fairen Wettbewerbs einer der Schwerpunkte ist. Allein in diesem Bereich wurden 282 Strafanträge mit einem Strafvolumen von 1,7 Millionen Euro ausgestellt.

Auch die WKO Steiermark geht mit ihrem Erhebungsdienst gegen unfairen Wettbewerb vor. 1670 Erhebungen (Übertretung der Gewerbeordnung, Firmenbuch- und Exekutionserhebungen sowie sonstige Erhebungen) wurden im Vorjahr durchgeführt. „Dabei wurden 137 Anzeigen erstattet sowie 133 Verwarnungen ausgesprochen“, so WK-Präsident Josef Herk.

Die Kontrollen führten zu einem schlimmeren Bild als erwartet: "Nicht nur bei zehn Prozent, sondern bei rund 60 Prozent der Betriebe gab es Beanstandungen. Der Output der Kontrolle gab Anlass zur Sorge", meinte Rainer. Mangelnde Arbeitsaufzeichnung und Sozialbetrug wurden aufgedeckt. Manche der voll arbeitenden Leute in den Barbershops waren gleichzeitig Bezieher von Arbeitslosengeld, Anmeldungen bei der Gebietskrankenkasse fehlten. "Lohn- und Sozialdumping ist ein massives Problem in der Steiermark", so der Finanzpolizei-Leiter.

Weitere Schwerpunktkontrollen

Spartenobmann Hermann Talowski wolle jene schützen, "die fair miteinander umgehen". Deshalb soll es weitere Schwerpunktkontrollen geben. Kammerpräsident Josef Herk sagte: "Wir schützen nicht die schwarzen Schafe. Wirtschaftliche Dopingübertretungen wollen wir nicht dulden." Doris Schneider, Innungsmeisterin der Friseure, kritisierte, dass immer mehr Barbershops eröffnet werden, bei deren Preisen man wisse, "dass es sich nicht ausgehen kann". Diese müssten sich an die Regeln halten, wie alle anderen Betriebe. Werde etwa ein trockener Männerhaarschnitt deutlich unter 20 Euro angeboten, sollte man stutzig werden.

Rainer erklärte, wie die Betriebe ihre Gewinne erwirtschaften: Sie buchen nicht alle Kunden in die Registierkasse ein und beziehen die Produkte für die "schwarz" gearbeiteten Geschäfte im Internet aus dem Ausland. Nur ein Bruchteil werde offiziell beim Großhandel eingekauft, gerade soviel, dass es zu den offiziell geführten Kunden passe. Die Betrugshandlungen seien dabei mehrfach schädigend, denn jene Mitarbeiter, die beispielsweise nur geringfügig angestellt werden, obwohl sie 40 Stunden arbeiten, würden dann oft auch noch zu Unrecht Mindestsicherung und Wohnförderungen kassieren. Zeitgleich suchen andere Friseure händeringend um Fachkräfte.

 

Kommentare (3)

Kommentieren
jahcity
3
34
Lesenswert?

Endlich!

Jahre wurde nichts unternommen! Dieses Problem wurde in der Branche schon Jahre kommuniziert und es wusste jeder. Diese Bevölkerungsschicht benötigt kein Sozialsystem in Österreich, sie haben ihre Großfamilien und leben in der Pension in einem anderen billigen Land. Ein Haarschnitt um € 12 ist völlig klar und auch jede Kundschaft sollte zur Verantwortung gezogen werden. In Wien ist dieses Problem massiv.

Antworten
ichbindermeinung
1
27
Lesenswert?

Meisterbrief wieder einführen

leider werden auch keine Lehrlinge in diesen Betrieben ausgebildet.

Antworten
Balrog206
1
16
Lesenswert?

Najo

Die Hipen Barber Shops können sie nicht meinen , den die haben ja recht hohe Preise ! Von der Beschreibung her sind es eher diese die auch Haare an den Ohren usw mit machen !!

Antworten