Frei nach Gary Lineker ist Fußball als Sport ja recht einfach zu begreifen: 22 Menschen rennen 90 Minuten lang einem Ball hinterher und am Ende gewinnen die Deutschen.

In Wahrheit ist der Sport freilich viel komplexer und heute ein fein austariertes Miteinander von technisch-taktischen Fähigkeiten und körperlicher Fitness. Zunehmend an Einfluss gewinnt auch die Digitalisierung, womit wir auf direktem Wege zur Expertise von Philip Klöckl kommen. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Sportwissenschaftlichen Labors der FH Joanneum in Bad Gleichenberg kam der heute 28-Jährige früh in Kontakt mit professionellen Fußballteams. Mittlerweile ist er bei Sturm Graz federführend für die Datenanalytik zuständig, jeweils mittwochs und donnerstags werden die Trainings von Chefcoach Roman Mählich dadurch zur technologischen Leistungsschau.

Philip Klöckl
Philip Klöckl © Gepa

Sensoren, beispielsweise auf ärmellosen Kurztrikots platziert, erheben Daten wie exakte Positionen und Laufwege der Bundesligakicker sowie Beschleunigungswerte. Gemeinsam mit dem Erfassen der Herzfrequenz ergeben sich in Summe genaue Bilder der physiologischen Belastung einzelner Spieler in speziellen Situationen. Trainer können so unmittelbar und fundiert Feedbacks zu einzelnen Übungen einholen.

Mit „Soccer Load Calculator“ will der Steirer Klöckl nun aber sogar über den Schritt der Analyse hinaus- und mitten in die unternehmerische Selbstständigkeit hineingehen. Er entwickelt ein selbstlernendes Tool, das Fußballtrainings basierend auf den erhobenen Daten zielgerichtet und automatisiert plant. Die grundlegende Steuerungsfunktion bleibt dabei in den Händen der Trainer, wie Klöckl erzählt.

Auch WAC und Hartberg zeigen Interesse

So definieren die Übungsleiter zu Beginn eine Spielform (Spielfeldgröße, Anzahl der Spieler, Formation). Die Software berechnet anschließend den optimalen Weg dorthin und steuert das Training – etwa Anzahl und Intensität der Laufübungen – und damit die Belastung der Spieler.

Weil sie auf eine prall gefüllte Datenbank im Hintergrund zugreift, ist Klöckls Tool selbst ohne das Tracken von Daten einsetzbar. Die Nachfrage jedenfalls scheint groß. Mit dem TSV Hartberg und dem WAC haben bereits zwei weitere Bundesligavereine ihr Interesse an der Software bekundet, zudem ist die Technologie bereits bei russischen Klubs im Einsatz.