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Verschollener Tengelmann-Chef Familie will Karl-Erivan Haub für tot erklären lassen

Im April 2018 kehrte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub, Miteigentümer der Ketten Kik und Obi und einer der reichsten Deutschen, nicht von einer Skitour zurück. Nun schließen sich seine Frau und seine Kinder den Anträgen auf Todeserklärung an.

Karl-Erivan Haub
Verschollen: Karl-Erivan Haub © AP
 

Ein Bruder und das Unternehmen haben bereits Anträge gestellt. Nun wollen nach längerem Zögern auch Ehefrau Katrin und die Kinder den verschollenen Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub für tot erklären lassen. Die Familie habe sich den bereits laufenden Anträgen auf Todeserklärung angeschlossen, sagte ein Sprecher des Kölner Amtsgerichts.

Karl-Erivan Haub, einer der reichsten Deutschen, war am 7. April 2018 allein zu einer Skitour aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Die Familie geht davon aus, dass er am Klein Matterhorn bei Zermatt in der Schweiz tödlich verunglückte. Trotz einer großangelegten Suchaktion fehlt bis heute jede Spur von dem Unternehmer, dem zusammen mit seinen Brüdern unter anderem der Textildiskonter Kik und die Baumarktkette Obi gehören.

In der Unternehmensgruppe Tengelmann hatte daraufhin sein jüngerer Bruder Christian die alleinige Geschäftsführung übernommen. Er, sein Bruder Georg und das Unternehmen hatten bereits im Oktober beantragt, seinen Bruder für tot erklären zu lassen. Georg Haub hatte seinen Antrag allerdings Mitte Januar zurückgezogen.

Er trainierte für die "Patrouille des Glaciers"

Haub war ein durchtrainierter Sportler. Er wollte sich in Zermatt auf einen der anspruchsvollsten Tourenski-Wettbewerbe der Alpen vorbereiten. Die "Patrouille des Glaciers" führt als Wettlauf über 53 Kilometer von Zermatt aus durch die Walliser Alpen.

Entgegen allen Empfehlungen der Bergführer war der Unternehmer am Klein Matterhorn bei Zermatt allein unterwegs. Gesehen wurde er zuletzt an der Bergstation der Gondelbahn auf mehr als 3800 Metern Höhe. Sein Verschwinden fiel erst auf, als er am Abend nicht ins Hotel zurückkehrte.

Sturz in eine Gletscherspalte wahrscheinlich

Aktiv gesucht wird inzwischen nicht mehr nach der Leiche von Karl-Erivan Haub. "Sollte er in eine Gletscherspalte gestürzt sein, ist die Chance, ihn zu finden, sehr gering, das muss man realistisch sehen", sagt Truffer. "Da oben gibt es tausende Gletscherspalten. Man kann 20, 30 Meter tief in eine Spalte stürzen, manchmal mehr. Die einstürzende Schneebrücke, die die Gletscherspalte bedeckte, kann mehrere Tonnen wiegen und stürzt oft auf die Person nieder."

Bruder führt das Unternehmen

Haubs Verschwinden war nicht nur für seine Familie ein gravierender Einschnitt, sondern auch für das Unternehmen Tengelmann. Denn rund 15 Jahre lang hatte Karl-Erivan Haub dem Handelsimperium seinen Stempel aufgedrückt. In die Lücke, die er hinterließ, sprang sein jüngerer Bruder Christian Haub. Der Unternehmer lebte bisher mit seiner Familie in den USA, will aber noch heuer seinen Wohnsitz nach Deutschland verlegen.

Schon eineinhalb Wochen nach dem Verschwinden seines Bruders übernahm Christian Haub die alleinige Geschäftsführung des Familienimperiums. Zuvor hatte er sich um die Verwaltung des Familienvermögens und um die wohltätigen Aktivitäten der Familie gekümmert. Außerdem leitete er die familieneigene Wagniskapitalgesellschaft Emil Capital Partners.

So baut Haub das Unternehmen um

Nach seinem Amtsantritt bemühte er sich zunächst, die Zukunftsängste im Unternehmen zu zerstreuen. "Der Verlust unseres Bruders ist für unsere Familie eine Tragödie. Aber sie gefährdet nicht den Weiterbestand unseres Familienunternehmens", betonte er damals. Die Unternehmensgruppe Tengelmann sei nicht zuletzt dank seines Bruders "grundsolide und zukunftsfähig aufgestellt".

Inzwischen hat Christian Haub das Ruder fest in der Hand und setzt die von seinem Bruder mit dem Verkauf des Lebensmittelhandels eingeleitete Umstrukturierung des Familienimperiums konsequent fort.

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