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Klimawandelvoestalpine setzt noch stärker auf Wasserstoff

Voestalpine-Chef Wolfgang Eder bekennt sich zu Klimazielen, setzt auf Wasserstoff. "Aber mit wie wenig Kohle wir am Ende auskommen, wissen wir noch nicht."

voestalpine-Chef Wolfgang Eder
voestalpine-Chef Wolfgang Eder © 
 

Auf der Weltklimakonferenz COP24 in der polnischen Stadt Katowice wird noch diese Woche um die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens gerungen. "Es ist die Stimmung dort eigentlich erstaunlich positiv", erklärte voestalpine-Chef Wolfgang Eder am Montag vor Journalisten in Wien. Zumindest ordnet Eder die Rückmeldungen, die er direkt aus Kattowitz habe, als grundsätzlich gut ein. Vor allem, weil der von US-Präsident Donald Trump angekündigte Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen offenbar in den Hintergrund trete.

"Man möchte trotz dieser Trump'schen Überlegungen versuchen, im Wesentlichen die in Paris gesetzten Ziele umzusetzen", so die Einschätzung Eders. Die interessante Frage werde sein, ob es in den USA eine völlige Abwendung vom Pariser Abkommen geben werde oder nicht. Betreffend Klimagesetzgebung seien die Vereinigten Staaten jedenfalls "stark bundesstaatlich organisiert", betonte Eder. "Es gibt viele Bundesstaaten, die durchaus das Pariser Abkommen einhalten wollen." Trump hatte indes den Austritt aus dem Pariser Abkommen erklärt, der allerdings noch nicht wirksam ist.

Die USA seien der weltweit zweitgrößte CO2-Emittent - nach China. Europa hingegen sei nur für weniger als 10 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich. "Europa kann die Welt nicht sanieren", sagte der Vorstandschef des oberösterreichischen Stahlkonzerns.

Klare Bedingungen

"Was wir (die Stahlindustrie, Anm.) in Europa dringend brauchen, sind klare Rahmenbedingungen," so Eder.  Eine Dauerdiskussion über permanente Verschärfungen halte die Branche nicht aus. Man müsse sich in absehbarer Zeit auf Benchmarks festlegen. Eder: "Bis 2030 sind die Dinge klar. Dazu haben auch wir als Stahlindustrie uns kommittiert."

Zur Vorstellung, die CO2-Emissionen im Vergleich zu heute um 30 bis 50 Prozent senken zu können, meinte Eder: "Vor 2040 sicher nicht." Was dann noch erreichbar sei? "Ich bin skeptisch, ob wir die Emissionen um 80 Prozent reduzieren können." Denn das ginge nur mit enorm hohem Stromeinsatz von etwa 30 Terrawattstunden. Das entspricht aktuell der Hälfte des gesamten österreichischen Strombedarfs. Eine Rechnung, die der voestalpine-Chef schon einmal vor längerer Zeit aufgemacht hatte. Derzeit arbeitet der Konzern bereits intensiv an einer neuen Strategie 2030. Sie soll 2019 präsentiert werden. Die Hälfte der CO2-Emissionen der österreichischen Industrie geht derzeit auf das Konto der voestalpine. 

Wasserstoff-Pilotanlage

Im kommenden Frühjahr nimmt der Konzern in Kooperation mit anderen Partnern wie etwa Siemens und dem Verbund am Standort Linz eine Wasserstoffpilotanlage in Betrieb. Der Konzern will testen, wie Wasserstoff - derzeit noch in Verbindung mit Erdgas - anstelle von Kohle und Koks in der Stahlindustrie eingesetzt werden kann. "Aber mit wie wenig Koks man am Ende auskommen kann, das wissen wir noch nicht", räumte Eder ein. Voraussichtlich in fünf Jahren ist der Bau einer etwa zehn Mal so großen Anlage geplant. In 15 Jahren könnte eine große industrielle Anlage folgen. "Wir brauchen einen Schwenk in Richtung neue Technologien", so Eder. Positiv sei, dass die EU massiv die gemeinsame Forschung fördere, um zur "Breakthrough-Technologie", einem Durchbruch zu kommen.

Die Umwelt-Erfolge der vergangenen 25 Jahre, die Eder herausstrich, werden Leobener und Linzer gut nachvollziehen können. So reduzierten die voestalpine-Werke ihre Staubemissionen um 95 Prozent gesenkt. Heute wird bei der Erzeugung von einer Tonne Stahl um 22 Prozent weniger CO2 in die Atmosphäre geblasen. "Das heißt, da ist wahnsinnig viel weitergegangen - jedes Prozent erfordert unglaubliche Forschung und Entwicklung", betonte der Voest-Chef.

Handelsstreit: "EU macht sich kleiner als sie ist"

Die von US-Präsident Donald Trump ausgelösten Turbulenzen im Welthandel treffen die voestalpine unmittelbar in den USA in sehr überschaubarem Ausmaß. "Die direkten Auswirkungen liegen bei unter 15 Millionen Euro," präzisierte Eder. Die globalen Auswirkungen seien aber viel gravierender. Schon jetzt zeige sich eine deutliche Veränderung der Handelsströme. "Europa hat fast 5 Mio. Tonnen Stahl verloren, die USA haben 2,3 Mio. Tonnen gewonnen", verglich Eder das laufende Jahr mit 2017. 

Von der ansatzweisen Barrierefreiheit im Handel gehe es jetzt zurück zum "Merkantilismus", der Abschottung der Märkte, was weltweit zu mehr Konflikten führen werde. Dass sich in diesen Auseinandersetzungen die "EU kleiner macht als sie ist", ärgert Eder offenkundig. "Wir wären der potenteste Wirtschaftsraum der Welt, würde man sich international als EU verkaufen." Aus einem Minderwertigkeitskomplex heraus blicke Europa mehr zum Silicon Valley oder nach Singapur als sich der technologischen Führung seiner Industrien in den Bereichen Auto, Bahn, Maschinenbau und Luftfahrt bewußt zu sein.

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