Android-AppSo hat Facebook über Jahre Telefondaten ausgespäht

Wer unvorsichtigerweise sein Telefonbuch mit Facebook synchronisiert hat, gab Facebook die Erlaubnis, Telefondaten zu speichern.

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Einmal aktiviert, protokolliert der Facebook-Messenger die Telefonate
Einmal aktiviert, protokolliert der Facebook-Messenger die Telefonate © APA/AFP/NORBERTO DUARTE
 

Nach der Affäre um Facebook und die Datennutzung durch Cambridge Analytica haben zahlreiche Nutzer die Möglichkeit genutzt, die von Facebook gesammelten Informationen herunterzuladen. Wie Ars Technica berichtet, sei dabei aufgefallen, dass Facebook mehrere Jahre lang Daten zu Telefonanrufen gespeichert hat. Dabei wurden nicht die Gespräche an sich gespeichert, sehr wohl allerdings die Metadaten wie Telefonnummern, Namen und Dauer der Telefonate.

Facebook reagierte auf den Bericht, in dem es in einem Blogpost schrieb, dass die Nutzer explizit dem Hochladen von Telefon- und SMS-Protokollen zustimmen. Außerdem sei die Funktion nur in den Apps Facebook Lite und Messenger integriert. Beim ersten Starten werde den Nutzern angeboten, die Telefonkontakte zu synchronisieren. Die von Ars Technica zitierten Nutzer bestreiten das.

Problematisch ist das vor allem für Nutzer, die schon länger die besagten Facebook-Apps nutzen. Denn bis zur Android-Version 6 hatten Handybesitzer keine Kontrolle über die App-Berechtigungen. Bedeutet: Einmal aktiviert, sammelte Facebook Daten, der Nutzer konnte das nicht stoppen. Dazu kommt, dass auch in späteren Versionen das Sammeln von Telefondaten zwar optional war, allerdings standardmäßig aktiviert war. Erst ab 2016 begann Facebook explizit nach einer Genehmigung zu fragen.

Ein weiteres Problem sind ältere Android-Schnittstellen, über die andere Apps sich mit Facebook verbunden haben. Auch auf diesem Weg konnten Telefondaten an Facebook gelangen. Erst im Oktober 2017 wurde dass durch eine neue Android API behoben.

So werden unbemerkt Daten gesammelt

Was das genau bedeutet, hat der Autor dieser Zeilen gerade herausgefunden. Zwar fanden sich keine Telefonnummern oder SMS in den 120 Megabyte Daten, allerdings zahlreiche Daten von Spotify. Als einer der ersten Nutzer des Streaming-Dienstes musste er noch die Aktivierung mit Facebook nutzen. Doch etwas war seltsam. Als eifriger Nutzer des Streamingdienstes müssten deutlich mehr als die über 3500 gespeicherten Songs auftauchen.

Ein genauere Analyse der Zeitpunkte der Datenübermittlung brachte die Erkenntnis. Denn diese endeten mit dem 26. September 2017, dem Tag, an dem das alte Auto verkauft wurde. Für das Auto war im Jänner 2016 ein Bluetooth-Radio von Sony angeschafft worden. Über eine eigene App von Sony konnte man Spotify direkt mit dem Radio verbinden und so sehen, welche Songs gerade gespielt werden. Offenbar hat diese App die alte API genutzt und im Hintergrund hat Daten an Facebook weitergegeben. Telefondaten wurden keine weitergegeben.

iPhones nicht betroffen

Facebook versichert, dass alle Daten vertraulich behandelt und nicht weiterverkauft. Übrigens: Telefondaten von iPhones wurden nicht gesammelt, iOS unterbindet das.

Kommentare (5)
Z72S5Q5QVL0A7L0A
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....M.Z. will nicht vor britischen Ausschuss...

Na sowas aber auch...! Feige, feige, kann man nur sagen...
Aber beim Abräumen, wenn's was zum Abräumen gibt...(Daten der User, etc.)
da kan Genierer zu haben und sowas in der ganzen Welt...

Es wird Zeit, dem Herren mal ordentlich auf die Finger zu klopfen!
Ich für meinen Teil weiß, was zu tun ist und hab' schon die Vorbereitungen getroffen! Müssten nur noch etliche tausende (Millionen) Werbekunden abspringen...
Wetten, der Herr bekommt noch weiche Knie, wenn sein Ding an der Börse einen heftigen Rumpler nach unten macht...

paulrandig
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"...alle Daten vertraulich behandelt und nicht weiterverkauft"

Wer's glaubt...
Sogar Google weicht dieser Frage aus, ob bestimmte Daten weiterverkauft werden. Die Zwickmühle:
Sagt das Unternehmen "ja", springen ihm die User ab, sagt es "nein", kann es in den USA von seinen Aktionären verklagt werden, weil es nicht alle ihm zu Verfügung stehende Möglichkeiten nutzt Geld zu machen.
Der Verdacht ist also, dass sie die Daten natürlich weiterverkaufen, die User aber mit irgendwelchen guttönenden Beschwichtigungen einlullen.

amse84ik
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Und wer bitte

braucht Go.gle und F...b..k ????

Z72S5Q5QVL0A7L0A
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....beraucht Go.gl und F...

Naja, Google (man verzeihe mir die Nennung) in allen zweifelhaften Ehren, aber das lässt sich schwerer bewerkstelligen als F.c.b..k!
Aus dem einfachen Grund weil Google ziemlich mit dem Handy-OS Android verzahnt ist!

paulrandig
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amse84ik

Ich nicht. Aber versuchen Sie heute einmal ohne die beiden ein Studium zu machen! Geht selten.
Studienprojekte gehen oft selbstverständlich davon aus, und zahlreiche Aufgabenstellungen verlangen z.B. Videos, die auf Youtube hochgeladen werden, oder Whatsapp-Gruppen um Projekte zu koordinieren.
Wer da nicht mitmacht, ist ein Mondkalb, hat kaum Koordination mit Kollegen, verpasst essentielle Information und kann schlimmstenfalls seine Lehrveranstaltung nicht abschließen.