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Studie präsentiert

TTIP: In Österreich sind bis zu 4600 Jobs in Gefahr

Wie wirkt sich das Freihandelsabkommen TTIP auf die Jobs in der Landwirtschaft aus? Dieser Frage widmente sich eine Studie im Auftrag von SPAR, Bio Austria, NÖM und Greenpeace. Das Ergebnis: Über 4600 Jobs könnten verloren gehen.

© APA/EPA/JULIEN WARNAND
 

Der Handelsriese Spar, der Verband heimischer Biobauern und die Umweltorganisation Greenpeace machen einen Schulterschluss gegen das umstrittene EU-US-Freihandelsabkommen TTIP. Zündstoff liefert ihnen eine aktuelle Studie der Wirtschaftsinstitute IHS und ÖFSE. Stolpersteine auf dem Weg zu einem schnellen Abschluss könnten von der USA selbst kommen. Die kommende US-Wahl bremst das Tempo.

Billigrindfleisch aus den USA, nicht mehr wettbewerbsfähige Bioprodukte und Arbeitsplatzverluste in der Landwirtschaft drohen der heimischen Wirtschaft, wenn das Freihandelsabkommen in Kraft tritt. So sehen es die Gegner des Abkommens zwischen der Europäischen Union und der USA. "Das Hauptinteresse der USA ist die Landwirtschaft", betonte Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit gegenüber der APA. Europa als Absatzmarkt stehe auf der Agenda. Profiteure seien aber Großkonzerne, nicht die Arbeitnehmer und Verbraucher in Europa und der USA. Auch die bei TTIP derzeit enthaltene Möglichkeit der Nachjustierung nach Vertragsabschluss macht Egit Kopfzerbrechen. Es sei ein Einfallstor für Genfoodriesen wie Monsanto.

Als "wenig überraschend" bezeichnet Werner Raza, einer der Studienautoren, die Ergebnisse der neuesten Studie zu den Auswirkungen des Freihandelsabkommens. Der Lebensmittelhandel und die Landwirtschaft seien die Verlierer von TTIP. Abgesehen von der Getränkeindustrie und Milliardenkonzernen wie Red Bull. Diese seien bereits jetzt Profiteure des US-Marktes, so der Experte der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE). Raza ist überzeugt, dass es bei Inkrafttreten zu Konzentrationseffekten in der EU kommen wird. Exportstarke, mittlere und große Unternehmen im Sachgütersektor würden künftig die TTIP-Gewinner stellen.

TTIP werde Entwicklungen, wie etwa Arbeitsplatzverluste bei Niedriglohnverdienern und das "Sterben" von kleinstrukturierten Landwirten in Europa beschleunigen. Insgesamt könnte TTIP den Landwirtschafts- und Nahrungsmittelsektor langfristig über 4.600 Jobs kosten, geht aus der Untersuchung vom Institut für Höhere Studien (IHS) und ÖFSE hervor. Das sind 2,37 Prozent der Gesamtbeschäftigung.

"Wertschöpfung? Nicht berauschend"

Im Gegenzug seien die langfristigen Wertschöpfungseffekte für Österreich nicht berauschend. Rund 360 Mio. Euro innerhalb eines Zeitraums von 15 bis 20 Jahren, rechnen die Experten vor. Die Verluste in der Landwirtschaft würden rund 56 Mio. betragen, bei Nahrungsmitteln weitere 46 Mio. Vor allem der Sachgüterbereich sowie Nischenproduzenten werden vom Abkommen profitieren. Dafür würde die Fleischkonkurrenz aus den USA die heimischen Biobauern und den Lebensmittelhandel arg in Bedrängnis bringen, glaubt Spar-Vorstandsvorsitzender Gerhard Drexel.

Drexel warnt eindringlich vor der " Überflutung des europäischen Marktes mit Billig-Rindfleisch", sollte das Abkommen in Kraft treten. Dafür erntete er harsche Kritik und den Vorwurf der Polemik sowie bewusstes Streuen von Fehlinformationen durch einen anwesenden Vertreter der Landwirtschaftskammer. Drexel male mit Antibiotika-Rindfleisch aus der USA den "Teufel an die Wand". Dieses sei allein schon durch bestehende Abkommen nicht möglich, hieß es. Der Spar-Chef ließ den Einwurf, dass eine solche Marktöffnung nur über das EU-Parlament machbar sei, nicht gelten. Er sehe eine solche Änderung nur als Frage der Zeit.

"Kein chemotherapeutischer Ansatz"

Der Biobauer Erich Stekovics warf dem Kammervertreter vor, gegen die Interessen seines eigenen Klientels zu agieren. Man brauche keinen "chemotherapeutischen Ansatz" vonseiten der EU, die das Bauernsterben nur verlangsame, sondern eine praktikable Lösung.

Land- und Umweltschutzminister Andrä Rupprechter (ÖVP) jedenfalls gab heute bei einer anderen Pressekonferenz in Wien auf Journalistenfragen im Hinblick auf die schnelle Umsetzung des Abkommens Entwarnung. Die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström habe gesagt, "wenn bis Ende März nichts fixiert ist, dann wird es wohl unter dieser US-Administration keinen Beschluss mehr geben". Auch die US-Präsidentschaftskandidaten hätten sich ja klar gegen TTIP ausgesprochen. Daher sehe er wenig Chancen, dass TTIP durch den Kongress geht. "Ich will nicht Verhandlungen ausschließen, vielleicht gibt es ja noch positive Entwicklungen, aber derzeit sieht es nicht danach aus".

Klage aus Deutschland

Die deutschen Grünen wollen unterdessen sogar vor Gericht für mehr Transparenz kämpfen. Drei Politiker haben deshalb Klage gegen die EU-Kommission beim Gericht der Europäischen Union (EuG) in Luxemburg eingereicht, darunter Fraktionschef Anton Hofreiter. Sie wollen, dass künftig auch Mitarbeiter von Parlamentariern Einblick in die TTIP-Akten nehmen dürfen.

Bei jedem Gesetz könnten die Politiker mit Fachöffentlichkeit, Juristen und Journalisten sprechen, sagte Hofreiter am Dienstag in Berlin. Dass Bundestagsabgeordnete sich über TTIP-Verhandlungen nur untereinander austauschen dürften, sei "völlig unangemessen". Die EU verhandelt seit Juli 2013 mit den USA über die sogenannte Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft, kurz TTIP.

Einen Leseraum, in dem Parlamentarier die Dokumente sichten können, gibt es erst seit Februar. Parlamentarier dürfen an acht Leseplätzen zwar Notizen machen, aber keine Abschriften, und weder Handys noch Kameras mitnehmen. Zudem dürfen sie über die Inhalte der Dokumente mit niemandem sprechen, der nicht auch Zugang zu ihnen hat.

Kommentare (18)

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Kreutzbruck0
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Muss

dann auch bei uns Marihuana endlich freigegeben werden? Schusswaffen sind da auch ein Thema.

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DavidgegenGoliath
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TTIP, bringt nur Vorteile für Großkonzerne,

für uns Konsumenten, gibt es nur Nachteile.

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m1bmmiqyiv35wkple2saaahyvpl72gp1
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Liebe Amis

wir brauchen euer TTIP-Klumpat nicht!
Wir haben schon eure Flüc.htlinge aufgenommen - das sollte reichen.
-
Die EU produziert alles, was wir brauchen. Auf den Amimist können wir gerne verzichten - verstrahlts eure eigenen Leute übern Teich.

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kalinichta
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Das trägt diese grausliche EU noch so mit sich...

...was wir Bürger verabscheuen und nicht wollen, und es wird seitens der Politik und Konzernen drübergefahren als ob es kein Morgen gibt...
Wo soll das noch alles hinführen...
Wen wundert es noch, dass diese EU so verhasst ist...

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w7lijkq6rwopoljkgpf6skdmwdsznnpb
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Na logisch dass die einheimischen Abzocker Angst

vor der preiswerten Konkurrenz haben!

Die Studie ist das Papier nicht wert auf dem sie gedruckt ist!

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CuiBono
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@derkomptur

Danke für diesen erhellenden Kommentar.

Ich darf die werten Mitkommentatoren allerdings darauf hinweisen, dass Sie derjenige welcher sind, der hier auf dieser Plattform auch schon wiederholt ganz vehement für Atomkraftwerke eingetreten ist.

So tut man sich leichter, über Sie eine Meinung zu bilden.

Schreiben Sie weiter.
Jeder Kommentar ist eine Offenbarung.
Danke.

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hardl 1266
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gleiche richtlinien

Die eu will über TTIP verhandeln , hat es in 21jähriger Mitgliedschaft von Österreich nicht geschafft, gleiche Produktionsrichtlinien und Tierschutzstandarts für alle Eu-mitgliedsländer zu schaffen.Von den Flüchtlingen will ich gar nichts sagen.

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Wortkarg
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Die EU hat das deshalb nicht geschafft, weil die Nationalstaaten nicht bereit sind, Agenden abzugeben. Rechte und rechtsextreme Parteien in ganz Europa torpedieren die erforderlich Ingetration und beschweren sich anschließend darüber, dass "die EU" nichts zusammenbringt. Wer dieses miese Spiel nicht begreift, und trotzdem Strache und Co. wählt, ist selbst schuld.

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8rg7yr6oerjqkkw0bsjjy83nrqxkjpqk
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"... die Jobs in der Landwirtschaft"

Vernachlässigbar, meist Saisonniers = Minderlöhner und daher für den Arbeitsmarkt ohne jede Bedeutung.

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MiauCerberus
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TTIP abbrechen

Ich kenn mich da zu wenig aus aber wenn ich schon höre es wird keine Regionalen Produkte mehr geben das kann dan jeder irgendwo irgendwie Produzieren und dann im gegenzug Apple verklagt nen Bauer bei uns weil er nen Apple2go anbietet also einen Aofel zum mitnehmen, dann können wir die richtung erkennen in die uns TTIP führt.

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w7lijkq6rwopoljkgpf6skdmwdsznnpb
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@MiauCerberus: Du sagst es, "Ich kenn mich da zu wenig aus"

Glaub nicht jeden Blödsinn den Du im Internet liest! Wieso sollte es wegen TTIP keine regionalen Produkte mehr geben? Mit ein bisserl nachdenken würde Dir selber auffallen dass das Schwachsinn ist.

Den europäischen Konzernen ist keine Lüge zu blöd um die Konsumenten zu verunsichern - sie haben schließlich Angst vor der amerikanischen Konkurrenz!

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MiauCerberus
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@derkomtur: du willst ja nur Holz als Käse fressen

hauptsache es is dann billig :)

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w7lijkq6rwopoljkgpf6skdmwdsznnpb
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@MiauCerberus: Hab ich schon erwähnt dass Du nicht

jeden Blödsinn glauben sollst den Du im Internet liest?

Erstens ist "Analogkäse", auf dem Du wahrscheinlich anspielst, auch nach österreichischem und EU-Recht zugelassen.

Zweitens will ich das selber nicht fressen, ich maße mir jedoch nicht an ANDEREN vorzuschreiben, was sie kaufen/essen dürfen und was nicht.

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CuiBono
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@derkomptur

Sie haben Recht, absolut.

Man sollte nicht jeden Blödsinn glauben, der im Internet steht.

Vor allem IHRE Kommentare.

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ChihuahuaWelpe55
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Wichtiger

wäre fast, das sie den Investorenschutz rausbekommen aus den TTIP Verhandlungen, danach kann man alles Andere Schritt für Schritt und in aller Ruhe diskutieren, weil dann haben die US-Agragfirmen keine rechtliche Absicherung mehr und die EU kann seine Lebensmittelstandards halten!

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w7lijkq6rwopoljkgpf6skdmwdsznnpb
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@ChihuahuaWelpe55: Die EU kann ihre Lebensmittelstandards auch so halten.

Abgesehen davon haben die Amis über große Strecken erheblich schärfere Vorschriften als wir!

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CuiBono
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@derkomptur

Was ja durch die ständig auffliegenden Umweltskandale bestens bewiesen wird, nicht wahr?!

Gibt es doch aktuell ganze Städte, die an mit Blei vergiftetem Trinkwasser und Böden leiden.
Und das ist nur ein Aspekt unter vielen.

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ChihuahuaWelpe55
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@derkomtur

bei der Technik haben die Amis einen höheren Standard, aber nicht bei den Lebensmitteln. Aber das, wie schon gesagt, ist nebensächlich!

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