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Tag der Milch

Milchbauern beklagen zu niedrige Preise

Am heutigen Welttag der Milch wollen Milchbauern in Deutschland und Österreich auf ihre triste wirtschaftliche Situation aufmerksam machen. Der Milchpreis verfällt wegen Überproduktion und Druck des Handels.

Promo AMA Bio-Guetesiegel Milchbauer Rudi Vierbauch Obervellach Kaernten Mai
© Markus Traussnig
 

Beim "Tag der Milch" rührt die Branche kräftig die Werbetrommel. Doch hinter den Kulissen kämpfen viele Landwirte um ihre Existenz. Der Handel setzt sie unter starken Preisdruck, ein deutscher Bauernsprecher sieht schon Parallelen zum "Milchkampf" von 2008/09. Auch Österreichs Milchbauern fordern einen höheren Preis.

Kälberstreicheln, Milchkannenkegeln und zum Abschluss in vielen Höfen ein kostenloses Glas Milch - Deutschlands Milchbauern und Molkereien werben am heutigen Montag wieder mit dem "Weltmilchtag". Dabei ist das Bild hinter den malerischen Sonnenblumen-Werbeplakaten wenig romantisch: Die Preise sind zuletzt deutlich gefallen, das Hofsterben geht fast ungebremst weiter. In Deutschland machten allein von Mai bis November 2014 laut Statistischem Bundesamt 1.200 Milchviehbetriebe zu.

Preise abgestürzt

Die Erlöse der deutschen Bauern sind nach zwei starken Jahren 2013 und 2014 mit Preisen von an die 40 Cent pro Liter Milch geradezu abgestürzt, ohne dass eine schnelle Entlastung in Sicht wäre. Sie lägen schon unter 30 Cent und fielen weiter, sagt der Marktexperte Erhard Richarts vom Informations- und Forschungszentrum der Ernährungswirtschaft: "Das kehrt sich nicht so schnell um. Die Baisse verfestigt sich."

Ähnlich die Situation in Österreich: IG-Milch-Obmann Ewald Grünzweil spricht von "Katerstimmung" bei den 30.000 heimischen Milcherzeugern. Sie produzierten zu viel Milch. Derzeit bekomme ein Bauer 30 Cent pro Liter, um das Überleben zu sichern, sollten es aber 50 Cent bzw. 60 Cent bei Biomilch sein.

Druck durch den Handel

Die Milcherzeuger stehen unter enormem Druck durch die großen Handelsketten. Bei der jüngsten Verhandlungsrunde hätten diese die Frischmilchpreise um rund zehn Prozent gedrückt, klagt der Deutsche Bauernverband. Die deutschen Diskonter senkten danach Anfang Mai die Preise für Milch, Butter und Schlagobers teils erheblich - etwa für das Viertelkilo-Packerl Markenbutter von 99 auf 89 Cent und für den Liter Vollmilch von 59 auf 55 Cent.

Das freut zwar viele Verbraucher. Aber die Kosten der noch rund 75.000 deutschen Milchbauern seien mit diesen Erlösen kaum noch zu decken, kritisiert der deutsche Bauernverband. Schließlich erforderten die hohen Qualitätsstandards und ein moderner Tierschutz erhebliche Investitionen.

Wegfall der Milchquoten

Den europaweiten Wegfall der Milchquoten seit dem 1. April sehen Experten nicht als direkte Ursache für den Preisabsturz. Anders als in Nachbarländern wie den Niederlanden oder Polen seien die deutschen Produktionsmengen nicht auffällig angestiegen, sagt der Analyst Andreas Gorn von der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI). Dennoch herrscht Milchüberfluss in Deutschland: Schon 2013 produzierte die Branche fast ein Fünftel mehr als für den eigenen Bedarf nötig.

Auf einem gesättigten Markt hielten sich die Erzeuger von Milchprodukten wie Butter, Käse, Milchpulver oder Joghurt mit ihren Bestellungen bei den Molkereien derzeit zurück, weil sie auf noch weiter fallende Preise spekulierten, sagt Gorn.

Drei Cent je Liter

Drei Cent pro Liter blieben den deutschen Milchbauern im bundesweiten Schnitt aktuell noch an Erlös, rechnet Hans Foldenauer vom Bundesverband deutscher Milchviehhalter vor - für Arbeitslohn, Kapitaldienst, Erhalt der Gebäude, Investitionen und den notwendigen Betriebsgewinn viel zu wenig. Die Situation ähnele langsam dem Milchpreiskampf von 2008/2009, als Bauern europaweit mit Lieferboykott-Aufrufen und Traktor-Sternfahrten gegen den massiven Preisdruck des Handels demonstriert hatten. Zum "Weltmilchtag" wollen sie nun mit Mahnfeuern zum Beispiel in Ulm auf ihre Misere aufmerksam machen.

Das Sterben der Höfe dürfte sich angesichts der schlechten Erlöse wieder deutlich beschleunigen, erwarten alle Experten. Vor allem Nebenerwerbsbauern im Süden Deutschlands droht damit in großer Zahl das Aus.

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tracsl
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transparent

mann soll zu diesen Milchpreis auch die Ausgleichszahlungen dazuzählen, dann schaut der Preis sicher besser aus.

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frikazoid
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Wenn die Eu verordnen würde dass Kühe wieder überwiegend Gras bekommen sollen und nicht wie Schweine mit Getreide und Mais gemästet würden, würde die Nachfrage wieder Steigen und so auch der Preis. Außerdem fördert das derzeitige Fördersystem ja das Kleinbauernsterben und die Industrialisierung der Landwirtschaft. Je größer der Betrieb desto größer die Förderung und das ohne Deckelung nach oben (siehe transparentdatenbank.at)

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Vielleicht sollten die Bauern auch aufhören gekreuzte Rinderrassen zu verwenden die bis zu 30 Liter Milch am Tag liefern??
Und dafür wieder gesunde Kühe in den Stall und auf die Almen zu stellen??
Und vielleicht wieder anfangen eine Ethik zu leben die ohne Antibiotika und Pestiziden auskommt?
Vielleicht könnte der Bauernbund und die Politik da helfen und den Handel mal unter Druck setzen und nicht umgekehrt?
Wenn mal jemand E.i.er hätte??

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tecmen15
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Unglaublich. Wieso schaffen es die Bauern nicht, sich gegen den Handel zu formieren und 1 Monat nicht zu liefern und nur wieder zu liefern wenn der Milchpreis verdoppelt wird! Den Verbraucher treffen die 5€ mehr im Jahr auch nicht!

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brunnholzer
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Überfluss

Die Antwort ist ganz einfach und gilt für fast alle landwirtschaftlichen Produkte. Es gibt alles im Überfluss und kann weltweit sofort ersetzt werden. Die
Energiekosten und damit der Transport sind niedrig.
Ein Beispiel: Milch aus Neuseeland wird in Europa billiger angeboten wie unsere Erzeugerpreise sind. Wenn wir nicht liefern werden wir sofort ersetzt.
Nur der Kunde hat die Möglichkeit den Markt zu beeinflussen. Was nicht gekauft wird bringt für die Handelsketten auch keinen Gewinn und kommt aus den Regalen.
Also kaufen wir heimische Lebensmittel und sind bereit, manchmal auch dafür etwas mehr zu bezahlen.

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Überangebot bringt fallnde Preise

Das ist überall so . Angebot und Nachfrage regeln den Preis . Die Autoindustrie erzeugt bedarfsgerecht und zu 99% auf Bestellung . Wird der Milchmarkt nicht geordnet , wird die Überproduktion bis um Kollaps gesteigert . Es ist wie im Straßenverkehr , bei vielen Teilnehmern braucht es eine Straßenverkehrsordnung ! Ohne Straßenverkehrsordnung würden die Sportwagenfahrer mit 100 Sachen (km/h) durch die Orte flitzen und die schwächeren Verkehrsteilnehmer , wie Fußgänger und Radfahrer niedermetzeln . Heute glaubt man alles ohne Ordnung laufen zu lassen . Wie wichtig Ordnung ist , kann man auch im Bienenstock oder Ameisenhaufen erleben

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einheimischer
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Vielleicht sollten die Bauern ihren Milchpreis an den Ölpreis koppeln...es ist auch genug Öl da....aber die Preise fallen nicht....die steigen nur....warten nur bis in der Welt irgendwo wieder ein Fahrrad umfällt....damit die mit dem Ölpreis wieder rauf gehen können....da können sich die Milchbauern was abschauen....so verkauft man etwas was zur genüge da ist sauteuer

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erstdenkendannsprechen
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vlt weil der handel dann sagt: milch bekommen wir auch auf dem weltmarkt - sprich holland, neuseeland, dänemark, irland

und auch, weil milch dann entsorgt werden müsste (in den abfluss darf man sie wohl nicht schütten, abgesehen davon, dass das ein frevel wäre). und den aufschrei von konsumenten und medien möchte ich dann auch nicht miterleben.
wohl eher ist konsumentensolidarität gefragt. aber wenns niemanden was wert ist....

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