Stütz dich mit den Füßen vorn an der Scheibe ab, jetzt geht's ein bisserl bergab." Die Warnung kommt keine Sekunde zu früh. Das Pistengerät, ein Zehn-Tonnen-Monstrum aus Stahl, macht beinahe einen Kopfstand und die Windschutzscheibe fungiert kurzzeitig als gläserner Fußboden. "Das ist das steilste Stück auf der Planai, steiler noch als der berüchtigte Schlusshang", grinst Wolfgang Perhab und balanciert seinen dieselgetriebenen Arbeitsplatz per Joystick das Steilstück hinunter. Wie übrigens fast jede Nacht in den Wintermonaten, wenn er die Pisten der Planai für den nächsten Schitag wieder auf Vordermann bringt.
Bis ins Tal befahrbar. Seit gestern ist die Schladminger Planai als erster Schiberg des Landes komplett bis ins Tal befahrbar. So früh wie noch nie und das ist trotz des Wintereinbruchs beileibe keine Selbstverständlichkeit. "Mit Naturschnee allein wär da schon lange nichts mehr zu machen", erklärt Pistenchef Bernhard Schupfer. "Immerhin haben wir an starken Tagen rund 8000 Schifahrer am Berg." Mit seinen 27 Leuten schupft Schupfer auf der Planai alles, was mit Schneeproduktion und Piste zu tun hat - und er kann sich dabei auf die Unterstützung von mehr als 300 hochmodernen Schneekanonen verlassen. Die technischen Wunderwerkel haben ein paar überraschende Kunststücke drauf: Neben der Produktion von Kunstschnee (logisch) sind sie mit einer Wetterstation ausgerüstet, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit misst. Aber das Beste kommt noch: Passen alle Werte zusammen, schickt die Kanone eine SMS an die Pistenarbeiter und ruft zum Dienst. Raumschiff Enterprise lässt grüßen.
Knochenarbeit. Knochenarbeit ist das Schneemachen aber trotzdem geblieben. High Tech hin oder her. "Bei so vielen Geräten hapert's immer irgendwo", weiß Bernhard Schupfer. Und damit das Werkel reibungslos läuft, ist sein Team fast rund um die Uhr an der Arbeit - in der Regel bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt.
Pistengerät. So gesehen hat's Wolfgang Perhab nicht schlecht getroffen. In seinem Pistengerät hat's gut und gerne 25 Grad, was allerdings nicht der Grund dafür ist, dass auch der alte Hase noch manchmal ins Schwitzen kommt: "Klar kann's passieren, dass du mit dem Gerät einmal den Halt verlierst. Dann geht's halt den Hang hinunter." Eine Rodelpartie mit zehn Tonnen Schwermetall? Eine eher gruselige Vorstellung. Perhab nimmt solche Zwischenfälle gelassen. "Da darfst nur nicht die Nerven wegschmeißen."
Schneelast. Am Lärchkogel, hoch oben auf der Planai, ist die Szenerie tiefwinterlich und einigermaßen gespenstisch. Die Bäume biegen sich unter der Schneelast, manch einer hält dem Druck nicht stand und muss aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Einer der Stämme liegt quer, mitten auf der Piste. Aber nicht lange. Die Lösung des Problems ist so einfach wie brachial. Mit dem Schild des Pistengerätes schiebt Perhab den Stamm zurück in den Wald. Es knirscht und kracht und in gerade einmal zehn Minuten ist das Problem keines mehr. Dass die Schufterei im Endeffekt irgendwann doch umsonst war, nehmen die Schneemacher der Planai gelassen. Im Frühjahr versickert der Lohn der Mühen nämlich wieder im Erdreich. Aber dann hat das weiße Gold seine Schuldigkeit längst getan.
Die Armada rollt fürs weiße Gold
Der Winter ist ihr Geschäft und die Nacht ihr Revier. Die Schneemacher der Planai haben einen eiskalten Knochenjob. Und sie wissen eines: Am Ende war eigentlich alles umsonst.
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