Wohnen zählt zu den Grundbedürfnissen der Menschen, es ist ein wesentlicher Faktor für ein menschenwürdiges Dasein. Umso schlimmer, dass Wohnen in Kärnten für immer mehr Menschen zum Problem wird, das sie finanziell nicht mehr stemmen können. Auch die Zufriedenheit mit der Wohnsituation nimmt ab, wie eine aktuelle Studie von Joanneum Research im Auftrag der Arbeiterkammer Kärnten zeigt.

Seit 2023 sind die Wohnkosten in Kärnten um zwölf Prozent gestiegen. Private Mieten um 14 Prozent auf 12,7 Euro pro Quadratmeter. Jene im geförderten Wohnbau um zehn Prozent auf 9,5 Euro. Studienautor Eric Kirschner: „Wo Genossenschaften stark vertreten sind, steigen die Preise langsamer. Fehlt dieses Gegengewicht, ziehen die privaten Mieten wesentlich schneller an. Gemeinnütziger Wohnraum wirkt also moderierend auf Preise.“ Die hohe Inflation wird die Kosten weiter nach oben treiben.

Zwei Drittel der Mietwohnungen in Kärnten sind gemeinnützig. Ein hoher Wert. Aber eine solche Wohnung muss man erst einmal zugeteilt bekommen. Und es sollte ein gewisser Durchlauf herrschen, dahingehend, dass die Mieter etwas ansparen können, um Eigentum zu erwerben. Aktuell sei es in Kärnten aber meist so, dass die Mieter in der gemeinnützigen Mietwohnung bleiben (müssen), Jahrzehnte vergehen. Die Folge: Die Wohnung ist abgewohnt, wird aber nicht saniert, kann nicht saniert werden. Auch so wächst die Unzufriedenheit.

Besonders teuer ist Wohnen in Klagenfurt und Villach. Aber auch Feldkirchen gerät laut Kirschner zunehmend unter Preisdruck. Völkermarkt und Hermagor seien vergleichsweise günstiger. Es gelte, Genossenschaftswohnungen auch außerhalb der Zentralräume zu forcieren. Dort wiederum spielt eine gute Verkehrsanbindung der Wohnungen eine wesentliche Rolle. Auch sollten Flächen gesichert werden (etwa im Gebiet der Koralm), um den künftigen Bedarf decken zu können.

AK-Präsident Goach: „Wohnen wird größter Kostenblock im Alltag“

58 Prozent der Mieter müssen wegen der gestiegenen Wohnkosten auf andere Ausgaben verzichten. Knapp 40 Prozent der Privatmieter überlegen wegen der Kosten einen Umzug, bei Genossenschaften sind es 32 Prozent. AK-Präsident Günther Goach: „Wohnen wird für viele Menschen zum finanziellen Dauerstress. Und es nützt dem Einzelnen nichts, dass wir in Kärnten österreichweit noch die günstigsten Wohnungen haben.“

Menschen mit niedrigem Einkommen besonders betroffen

Je niedriger das Einkommen, desto höher der Anteil der Wohnkosten am verfügbaren Budget. Das geht so weit, dass einige sogar mehr als die Hälfte ihres Einkommens fürs Wohnen ausgeben müssen. Dabei gilt ein Drittel als maximal zumutbar, um ein vernünftiges Leben führen zu können. Goach: „Wohnen wird zum größten Kostenblock im Alltag - noch vor Energie, Lebensmitteln oder Mobilität.“

Susanne Kißlinger: „Sonst verliert der Standort soziale Stabilität“

AK-Direktorin Susanne Kißlinger macht darauf aufmerksam, dass „leistbares Wohnen auch darüber entscheidet, ob Menschen in Kärnten bleiben bzw. sich in Kärnten niederlassen können. Wer hierher kommt, muss hier wohnen. Wenn Wohnen unbezahlbar wird, verliert ein Standort seine soziale Stabilität.“