Die italienische Großbank und Bank Austria-Mutter Unicredit will die Commerzbank kaufen, die zweitgrößte deutsche Privatbank. Zwar ist die Unicredit bereits größter Anteilseigner der Commerzbank. Die Mailänder Großbank hatte im September 2024 den Teilausstieg des deutschen Bundes genutzt, um im großen Stil bei der Commerzbank einzusteigen. Danach baute ihre Beteiligung nach und nach aus und löste den deutschen Staat als größten Commerzbank-Aktionär ab.
Deutschland will nicht verkaufen
Jetzt hat sie den Aktionären ein Übernahmeangebot zum Erwerb aller Aktien vorgelegt, das darauf abzielt, die im deutschen Übernahmerecht vorgesehene 30-Prozent-Schwelle zu überwinden. Allerdings geht die Unicredit damit auf Konfrontationskurs mit dem Commerzbank-Management, den Arbeitnehmervertretern und der deutschen Regierung. Deutschland hält immer noch gut zwölf Prozent der Anteile und will die Beteiligung nicht verkaufen. Gerade erst hat der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz betont, dass die Bundesregierung auf eine „starke und unabhängige Commerzbank“ setze.
Das Umtauschverhältnis des Angebots wird in den kommenden Tagen festgelegt. Erwartet wird, dass die Eigner des Frankfurter Geldhauses 0,485 neue Unicredit-Papiere für jede Commerzbank-Aktie erhalten, was einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von 4 Prozent zum Schlusskurs am 13. März entspreche. Offiziell soll das Angebot Anfang Mai vorgelegt werden mit einer Angebotsfrist von vier Wochen. Für Mai soll dann eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden, um die Zustimmung der Aktionäre einzuholen.
Unicredit-Chef Andrea Orcel: „Europa braucht größere Banken“
Die Unicredit, die im deutschen Markt mit der Hypovereinsbank bereits ein Standbein hat, wirbt seit Monaten für eine Übernahme der Commerzbank. Konzernchef Andrea Orcel sieht Chancen in einem kombinierten Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden und argumentiert immer wieder, Europa brauche im Wettlauf mit den starken US-Geldhäusern größere Banken.
Das Übernahmeangebot der Italiener kommt nicht überraschend: Schon im März 2025 erhielt die Unicredit die Erlaubnis der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), ihren Anteil auf knapp 30 Prozent aufzustocken. Auch das deutsche Bundeskartellamt hat grünes Licht gegeben.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp will die Eigenständigkeit ihres Hauses mit allen Mitteln verteidigen. Orlopp hat dem Konzern ehrgeizige Renditeziele und höhere Dividenden verordnet. Trotz eines Rekordgewinns 2024 hat sie den Abbau von 3900 Stellen geplant, davon den Großteil in Deutschland. Orlopp setzt auf den stark gestiegenen Aktienkurs als Abschreckung gegen die Unicredit. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet einen Kahlschlag bei der Commerzbank.