Firmenjubiläen können bisweilen tückisch sein. Welches Ereignis, welchen Stichtag zieht man als Ausgangspunkt heran? Eine erste Firmenidee? Die tatsächliche Gründung der Gesellschaft? Durchaus kompliziert gestaltet sich das bei der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa, die im noch jungen Jahr 2026 in ihr 100. Jubiläumsjahr abgehoben ist.

Auf den ersten Blick scheint alles klar zu sein: Am 6. Jänner 1926 wurde die „Deutsche Luft Hansa Aktiengesellschaft“ gegründet, wobei das bis heute prägende Kranich-Logo bereits 1918 von Otto Firle, für die „Deutsche Luft-Reederei“ gestaltet worden war. Der Erstflug der damaligen „Luft Hansa“ erfolgte schließlich am 6. April 1926.

Bei genauer Betrachtung zeigt sich dennoch, dass die heutige Lufthansa formell, also gesellschaftsrechtlich, nichts mit der einstigen – vor 100 Jahren gegründeten – Fluglinie zu tun hat. Denn diese war historisch schwer von der NS-Zeit, in der die Fliegerei auch ein wesentliches Propagandainstrument und Teil des Kriegsapparats war, belastet.

„Das dunkelste Kapitel in der Geschichte der Lufthansa war die Zeit des Nationalsozialismus. Die Fluggesellschaft wurde Teil des Regimes und spielte in diesem eine aktive Rolle“, teilt der Konzern im Zuge des Jubiläums auch selbst mit. Doch die Jahre „von der Gründung bis zum Niedergang der ersten Lufthansa sind ebenso Teil der Unternehmensgeschichte“, auch wenn das rechtliche Fundament des heutigen Unternehmens erst später geschaffen wurde.  

Sonderlack zum 100er

Die eigentliche Gründung der heutigen Lufthansa erfolgte am 6. Jänner 1953, zunächst noch unter „Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf“, kurz LUFTAG. Bereits 1954 kam es zur Umbenennung in „Deutsche Lufthansa AG“, die dann am 1. April 1955 ihren ersten Linienflug durchführte. Im Jahr 2005 feierte die Lufthansa übrigens u. a. mit einer Retro-Lackierung ihr 50. Jubiläum.

Durch die spezielle Historie geht es sich rechnerisch dennoch aus, dass der AUA-Mutterkonzern heuer den „100er“ ausruft – und der ist auch diesmal auch auf der Flotte zu sehen. So werden sechs Maschinen der Lufthansa mit einem überdimensionalen Kranich und den Jahreszahlen „1926 | 2026“ behübscht. Diese Sonderlackierung kommt nur bei ganz besonderen Flugzeugen zum Einsatz. Das erste davon ist der nagelneue Boeing-Jet des Typs 787-9 Dreamliner, der bereits kurz vor Weihnachten in Frankfurt gelandet ist. Ebenfalls lackiert werden ein Airbus A380, ein Airbus A350-1000, ein Airbus A350-900, ein Airbus A320 sowie eine Boeing 747-8. Die „Jubiläumsflotte“ soll im Herbst komplettiert werden.

Zur „historischen Hauptattraktion“, wie es der Konzern selbst ausdrückt, sollen aber die legendären Flugzeuge „Junkers Ju 52“ und die „Lockheed L-1649A Super Star“, die runderneuert im brandneuen „Hangar One“ der Lufthansa in Frankfurt ausgestellt werden. Die erste Junkers Ju 52, auch  „Tante Ju“ genannt, wurde 1932 in die Lufthansa Flotte aufgenommen. Die Lockheed Super Star folgte 1957, war erstmals mit einer exklusiven „Senator-Klasse“ ausgestattet und wurde insbesondere für Flüge nach New York eingesetzt.

Noch stärker soll das Jahr aber im Zeichen neuer Flugzeuge stehen. Die Lufthansa hat insgesamt 230 neue Jets bestellt, Lieferprobleme bei Airbus und Boeing sorgten immer wieder für Verzögerungen, doch heuer sollen – teils nahezu im Wochentakt – neue Maschinen ankommen. Sie versprechen mehr Effizienz und daher mittelfristig auch höhere Margen, alte Modelle werden ausgemustert. Unterm Strich soll sich die Lufthansa-Flotte von derzeit 780 Flugzeugen bis 2030 auf 814 vergrößern. Wachstum ist für 2026 vorwiegend auf der Langstrecke geplant, die Kurzstrecken sollen indes noch stärker von den kostengünstigeren Töchtern City Airlines oder Discover bedient werden.

Dass die Kernmarke mit dem Kranich schwächelt, ist bei Lufthansa kein neues Phänomen. Bereits seit 2024 läuft das Programm „Turnaround“ zur Kostensenkung. Bis 2030 werden zudem mehr als 4000 Stellen weltweit gestrichen. Und traditionell hart geführt, werden bei Lufthansa auch die Tarifverhandlungen, die aktuell für das Bodenpersonal laufen.

In einem Reuters-Gespräch stellte sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor diesem Hintergrund kurz vor Weihnachten selbst die Frage: „Habe ich Bedenken, dass unser Jubiläumsjahr ein Jahr der Arbeitskonflikte wird?“ – und lieferte die Antwort unter Verweis auf hohe Zufriedenheitswerte der Beschäftigten in der jüngsten Umfrage gleich mit: „Ganz klar nein!“