„Am Girokonto lässt man Zinsen liegen“, spricht Rainer Stelzer, Vorstandsdirektor der RLB Steiermark, in der Weltspartags-Woche die 3,1 Milliarden Euro an, die Privatkunden aktuell auf Zahlungsverkehrskonten von Raiffeisen Steiermark liegen haben. Bei einem Marktanteil der Bankengruppe von 50 Prozent ergibt das hochgerechnet für die Steiermark mehr als fünf Milliarden Euro. Zieht man den „Notgroschen“, der kurzfristig verfügbar bleiben muss, davon ab, bleibt, wie Stelzer sagt, wohl immer noch mehr als die Hälfte übrig.

Die „zurückhaltende Investitionslaune“ habe das Kundenvermögen anwachsen lassen, Potenzial für höher verzinste Produkte sei also vorhanden. Und der Trend gehe auch in Richtung Wertpapiere, verweist Stelzer auf einen für heuer prognostizierten Zuwachs des Raiffeisen-Depotvolumens von fast zehn Prozent in der Steiermark. Mit Wertpapieren ließe sich die aktuelle Inflation von 4 Prozent auch gut verdienen. Zum Vergleich: Mit einer täglich fälligen Spareinlage von 10.000 Euro, hat man laut Berechnungen der Österreichischen Nationalbank bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 2015 bis 2025 nicht mehr als 10.294 Euro erzielt, unter Berücksichtigung von KESt und Inflation bleiben 7509 Euro übrig. Damit sind 25 Prozent der Kaufkraft verloren gegangen.

Sicherheit und Kaufkrafterhalt werden aus Raiffeisen-Sicht die zentralen Themen bei Anlegern bleiben. „Verfügbares Geld in Wertpapiere anzulegen, ist das Gebot der Stunde“, sagt Stelzer und weist darauf hin, dass steirische Raiffeisenkunden bei der Veranlagung in Raiffeisen-Zertifikaten erstmals die Rekordmarke von einer Milliarde Euro geknackt haben. „Damit nimmt die Steiermark eine führende Position ein.“

Gute Anlageentscheidungen setzen freilich Finanzwissen voraus, und „hier gibt es noch viel Nachholbedarf“. Raiffeisen setzt auf hauseigene Initiativen in Schulen und den allen zugänglichen, niederschwelligen Online-Veranlagungssimulator „fit2invest“, den man gemeinsam mit der Uni Graz entwickelt hat. Hinzu kommen spezielle Programme für Frauen, die nach Erfahrung der Finanzprofis vielfach Angst vom Wertpapierkauf abhält.

„Realer Werterhalt im Anleihenbereich“

Die Sparquote in Österreich wird im laufenden Jahr voraussichtlich wieder über zehn Prozent des verfügbaren Einkommens liegen und damit über dem langfristigen Durchschnitt. „Dieses erhöhte Vorsichtssparen ist in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheiten zwar nachvollziehbar, dennoch sollte die Veranlagung am Kapitalmarkt nicht vernachlässigt werden“, pflichtet Gunter Deuber von Raiffeisen Research Stelzer bei. Gerade im Anleihen-Bereich ließen sich nach Jahren der Marktverzerrung wieder reale Werterhalte erzielen, insbesondere bei Unternehmensanleihen.

Erfreulich ist, so Deuber, dass die Aktien- und Anleihenquoten im veranlagten Haushaltsvermögen in Österreich seit 2020 wieder steigen. „Im europäischen Vergleich sind heimische Haushalte aber sehr konservativ positioniert und haben mit ihrem Ersparten zwischen 2013 und 2022 im Schnitt nominal nicht mehr als 1,7 Prozent pro Jahr verdient.“ Real ergibt das ein Minus von 0,6 Prozent – im Vergleich der Euro-Länder liegt das im Schlussfeld.