Das Herz von Sportwagen-Fans schlägt meist nicht nur höher, sondern gleich Purzelbäume, wenn sie den Rimac Campus im kroatischen Samobor betreten. Sobald man sich als Besucher des topmodernen Firmengebäudes am Empfang eingetragen und seine Zugangskarte erhalten hat, steht man vor einem blitzblank polierten, metallic grünen Nevera R. Fotos machen ist hier noch erlaubt, berühren selbstverständlich nicht. Trotzdem ein Erlebnis. Die meisten Menschen werden einem sogenannten Hypercar des kroatischen Autobauers nie näher kommen. Denn die Preise beginnen bei rund zwei Millionen Euro.
In 1,72 Sekunden auf 100 km/h
Für Durchschnittsautofahrer ist es definitiv auch sicherer, nicht selbst einen Nevera R zu fahren. Denn die verbesserte Version des Nevera kann in 1,72 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen.. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von rund 430 km/h ist das 2100 PS starke Elektroauto wohl auch das schnellste der Welt. Laut Information des Unternehmens hat der Nevera R 24 Weltrekorde aufgestellt. Damit wird er seinem Namen wohl gerecht. Denn Nevera ist eine kroatische Bezeichnung für einen plötzlich einsetzenden Gewittersturm, der eine enorme Zerstörungskraft haben kann.
Viele Mitglieder der Besuchergruppe, die Teil einer österreichischen Wirtschaftsdelegation der Wirtschaftskammer in Kroatien sind, lösen sich sichtlich schwer von dem PS starken Fotomotiv. Doch es geht weiter in die Produktion. Mit einer „normalen“ Autoproduktionslinie, wo pro Tag etliche Fahrzeuge vom Band laufen, hat das allerdings wenig zu tun. Der Boden ist weiß und blitzblank. Besucher dürfen mit einer Führung zwar durch Teile der Produktion durchspazieren, müssen aber auf Abstand bleiben. Und die Kapazitäten, die pro Jahr möglich sind, beschränken sich auf 30 Autos. Ob sie ausgeschöpft werden, ist ein gut gehütetes Geheimnis des Unternehmens. Ebenso wie die Kundenliste. Einzig Automobilrennfahrer Nico Rosberg, der mit Rimac-Gründer Mate Rimac gemeinsam in einem Youtube-Video zu sehen ist, wird genannt. Doch auch für die finanzkräftigen Käufer gilt rund ein Jahr Wartezeit von der Bestellung bis hin zur Auslieferung.
Von der Garage zum Milliardenimperium
Der 37-jährige Firmengründer, der von den Medien gerne auch als europäischer Elon Musk bezeichnet wird, besitzt in seinem Heimatland Kultstatus und wird von der Politik oft als Vorzeigeunternehmer genannt. Viele beeindruckt die steile Karriere von einem Tüftler in seiner eigenen Garage zum jungen Chef eines Milliardenimperiums, zu dem auch das Bugatti-Rimac Joint Venture zählt – zumal dieser seine Wurzeln stets betont – sichtbar etwa an der stilisierten Krawatte (einer kroatischen Erfindung) an der Karosserie. Allerdings hat er auch Kritiker, die etwa intransparente Geldflüsse vom kroatischen Staat an das Unternehmen oder seinen Lebensstil hinterfragen.
(Hinweis: Die Recherchereise erfolgte mit Unterstützung der Wirtschaftskammer Kärnten.)