Sperrt das iranische Parlament tatsächlich die Schifffahrtsstraße von Hormuz, sind die Folgen für die Weltwirtschaft wohl dramatisch. Die Straße von Hormuz auf dem Weg vom Persischen Golf in den Indischen Ozean ist einer der weltweit wichtigsten Schifffahrtswege. Ein Großteil der Ölexporte mehrerer Länder wird über diesen Weg verschifft. Rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Rohöls und ein erheblicher Teil des Erdgases werden durch die Meerenge verschifft, eine Blockade träfe die Weltwirtschaft mitten ins Herz: Am schnellsten wäre sie wohl bei den Spritpreisen zu spüren.

Am schnellsten zu spüren beim Sprit

„In der Regel dauert es nur wenige Tage, bis sich ein Erdöl-Preisanstieg an den Tankstellen niederschlägt“, erklärt Wifo-Ökonom Josef Baumgartner. Es seien aber so gut wie alle Produktgruppen von einem Ölpreisschock betroffen, da für fast alle Waren höhere Transportkosten anfallen würden. In weiterer Folge würden sich die Verwerfungen an den Energiemärkten freilich auch bei den Heizkosten und in der Industrie, sowie später bei den Lohnverhandlungen niederschlagen, so der Wirtschaftswissenschafter.

epa03060774 An Oil tanker is seen in the Strait of Hormuz from Khasab, Oman on 15 January 2012. Tehran has warned oil-producing Arab countries in the Persian Gulf against replacing Iranian oil if Western sanctions against it are implemented, a newspaper reported 15 January. Iranian generals have warned of possibly closing the Strait of Hormuz, a vital international oil route in the Persian Gulf, and blocking a considerable share of global oil exports, if oil sanctions were imposed.  EPA/ALI HAIDER,straße von hormus
Öltanker in der Straße von Hormuz (Archivbild) © APA / Ali Haider

20 bis 50 Prozent teurer

wiiw-Ökonom Mahdi Ghodsi warnt für den Fall der Sperrung durch den Iran vor gravierenden Folgen und einem Preisschock: Er erwartet bei einer kurzfristigen, sprich einige Tage dauernden Blockade einen Anstieg der Marktpreise für Öl von etwa 20 bis 50 Prozent. „Wir würden eine enorme Volatilität sehen“, sagt der Experte vom Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw). Zu einer noch stärkeren Erhöhung, von der manche Beobachter ausgehen, würde es seiner Einschätzung nach nur bei einer längerfristigen Blockade kommen. In diesem Extremfall wären die ökonomischen Auswirkungen aber verheerend, so Ghodsi.

Ölpreis könnte sich sogar verdoppeln

Mit dem Szenario einer länger anhaltenden Schließung der Straße von Hormuz hat sich auch Oxford Economics befasst. Laut einer neuen Simulationsrechnung des britischen Research-Hauses könnte der Ölpreis dabei auf bis zu 130 Dollar emporschnellen, was fast einer Verdopplung des aktuellen Preisniveaus entspräche. Für Österreich würde dies bedeuten, dass die Inflationsrate bis Ende 2025 auf bis zu 5 Prozent steigt, schätzt Wifo-Ökonom Baumgartner auf Grundlage einer Simulation. Im ersten Quartal 2026 sollte sich die Lage dann wieder beruhigen und der Preisauftrieb nachlassen.

Wifo-Ökonom Josef Baumgartner
Wifo-Ökonom Josef Baumgartner © KLZ / Alexander Müller

Vorerst keine Sperre

Noch ist es aber nicht soweit: Die Reedereien Maersk und Hapag Lloyd schicken nach eigenen Angaben ihre Frachtschiffe bis auf Weiteres durch die Straße von Hormuz an der iranischen Küste. US-Außenminister Marco Rubio warnte Teheran vor einer Schließung der wichtigen Handelsstraße: „Falls sie das tun, wäre das ein weiterer schwerer Fehler. Es wäre wirtschaftlicher Suizid für sie“, sagte er in einem Interview mit dem Fernsehsender Fox News.

Die USA hätten „Möglichkeiten“, um mit einer solchen Situation umzugehen. Er riet anderen Ländern, sich mit einem solchen Szenario auseinanderzusetzen. „Es würde die Wirtschaft anderer Länder viel stärker schädigen als unsere.“ Seiner Ansicht nach wäre eine Schließung der Straße von Hormuz eine Eskalation, auf die die USA und weitere Nationen reagieren müssten.