Die Bezeichnung „Seltene Erden“ ist missverständlich. Denn die Elemente, die so wichtig sind für die Produktion von Handys, Elektro-Autos, Windrädern, Laptops und Fernsehern, sind gar nicht so selten. Im Gegenteil: Einige der insgesamt 17 Metalle der Seltenen Erden kommen in der Erdkruste sogar häufiger vor als beispielsweise Blei, Kupfer, Molybdän oder Arsen. Thulium, das seltenste stabile Element der Seltenen Erden, ist häufiger vorhanden als Gold oder Platin.
Was aber selten ist, sind größere Lagerstätten. Die Elemente kommen meist nur in jeweils kleinen Mengen vor. Und in sehr vielen, weit verstreut lagernden Mineralien. Oder als Beimischungen in anderen Mineralien. Ein Großteil der industriellen Gewinnung von Seltenerdmetallen geschieht daher als Nebenprodukt durch die chemische Aufbereitung bei der Gewinnung anderer, stärker konzentriert vorliegender Metalle aus deren Erzen. Her geht es zu unserer Grafik „Kritische Rohstoffe“.
Vorkommen in China, Brasilien, Grönland
Die Förderung Seltener Erden ist sehr kostenintensiv. Bis in die 1980er Jahre waren die USA das Hauptförderland. Danach wurde wegen der niedrigeren Kosten in China die Förderung in den USA unrentabel. 44 Millionen Tonnen an Seltenen Erden werden in China vermutet, das eine Vormachtstellung am Weltmarkt hat. 21 Millionen Tonnen in Brasilien. 36 Millionen Tonnen an Seltenen Erden werden in den Böden Grönlands vermutet, auch wenn nur 1,5 Millionen Tonnen tatsächlich abbaubar sein sollen. Auf Grönland hat zuletzt US-Präsident Donald Trump ein Auge geworfen.
Mit China gibt es laut Trump einen Deal, wonach Seltene Erden wieder in die USA exportiert würden. Um die Abhängigkeit von China zu verringern, dürfte das Vorkommen in Grönland weltweit auf Interesse stoßen. Trump geht es auch bei der US-Ukraine-Hilfe um dortige Seltene Erden.
Schwere und leichte Seltene Erden
Wie heißen die 17 Seltenen Erden? Scandium, Lanthan, Cer, Praseodym, Neodym, Promethium, Samarium und Europium zählen zu den sogenannten leichten Seltene-Erden-Elementen. Die schweren sind: Yttrium, Gadolinium, Terbium, Dysprosium, Holmium, Erbium, Thulium, Ytterbium und Lutetium.
Mehrere Kilo in einem Elektromotor verbaut
Seltene Erden werden in vielen Schlüsseltechnologien eingesetzt. Je nach Bauart benötigen Elektro-Geräte unter anderem Yttrium, Praseodym, Terbium und Dysprosium. E-Autos und Windräder brauchen starke Permanentmagnete, die im Falle der Strom-Kfz je nach Motorengröße bis zu mehrere Kilogramm Neodym und Praseodym enthalten können. 13 Prozent der Seltenen Erdmetalle kommen für Polituren zum Einsatz, etwa für Spezialgläser, für Leuchtmittel der Plasma- und LCD-Bildschirme, für Leuchtstofflampen, Radargeräte. In der Medizin bzw. Radiologie werden Seltene Erden als Kontrastmittelbeigabe bei der Magnetresonanztomographie verwendet.
Unter die Forscher bzw. Entdecker von Seltenen Erden reiht sich auch Carl Auer von Welsbach. 1885 begann er mit Untersuchungen an Didym. Durch seine Methode der fraktionierten Kristallisation gelang ihm die Trennung von Didym in Praseodym und Neodym.