Ob man nun AI oder KI sagt, also Artifizielle oder Künstliche Intelligenz, sie ist durch Anwendungen wie ChatGPT in aller Munde. Und auch im beruflichen Alltag steigt die Relevanz. Ein Bericht der Statistik Austria zum IKT-Einsatz zeigt, dass im Vorjahr 18,4 Prozent der Unternehmen in Kärnten KI-Technologien einsetzen. Dieser Anteil hat sich mehr als verdoppelt (2023: 8 Prozent).
IT-Fachgruppenobmann Martin Zandonella spricht von einer massiven Wachstumsphase: „Es gibt tatsächlich eine starke Zunahme, was sich heuer in diesem Bereich noch verstärken wird.“ Der Unternehmer betont zudem, dass viele Betriebe KI nutzen würden, ohne es zu wissen, und zwar durch integrierte Funktionen etwa in Microsoft 365 mit „Copilot“.
Wissenslücken: Noch zu wenig Know-how
Und so kursieren je nach Umfrage aktuell verschiedene Zahlen: Eine branchenübergreifende Erhebung des Handelsverbands und Google Austria, die den Einsatz verschiedenster Anwendungen abfragte, kommt so auf zwei Drittel der heimischen Unternehmen mit „KI-Nutzeranteil“, vor allem für Texterstellung und -zusammenfassung, Übersetzung und intelligente Suche. Auffällig: Nur knapp ein Drittel der Befragten schätzen ihr firmeninternes KI-Know-how als gut oder sehr gut ein.
„KI ist kein Selbstläufer“
In Kärnten bietet unter anderem das Wifi mit dem „KI-Führerschein“ Intensivkurse für den Einsatz in der Wirtschaft an. Bei der Beratung und Umsetzung unterstützt mit dem UBIT die Fachgruppe der IT-Dienstleister, die selbst etwa bei der Cybersicherheit am stärksten auf KI setzen.
Auch die Kreativbranche hat das nicht als künstlich wahrgenommene Potenzial für sich entdeckt: „Inmitten einer Wirtschaftskrise, in der Werbeausgaben zurückgehalten werden, entdecken unsere 1500 Mitglieder diese neuen Möglichkeiten für sich“, schildert Volkmar Fussi, Fachgruppenobmann für Werbung und Marktkommunikation. KI-Werkzeuge seien aber keine Selbstläufer. Trotz standardisierter Prozesse der Tools brauche es menschliches Know-how und den richtigen Umgang, um gute Ergebnisse zu erzielen.
Wie groß die Chancen für die Selbstvermarktung sind, zeigte Unternehmensberaterin und Social-Media-Expertin Lisa Sophie Thoma am Mittwoch mit einem Vortrag auf. Beim Branchentreffen der Create Carinthia im Hotel Werzers in Pörtschach ging es um die neuen Spielregeln im digitalen Wettbewerb. „Wenn die Fotobearbeitung nicht mehr Stunden, sondern Sekunden dauert, revolutioniert das die Arbeitsabläufe. Da die KI nicht perfekt ist und keine Emotionen hat, wird das menschliche Zutun immer wichtiger“, so die Wienerin mit Kärntner Wurzeln. Wer zum Beispiel im FAQ-Bereich durch strukturierte Antworten seine Online-Kommunikation optimiert, könne sich laut Thoma besser behaupten: „Ein E-Commerce-Kunde von mir konnte so seinen Umsatz um 18 Prozent steigern.“
Die Angst, einmal von Künstlicher Intelligenz ersetzt zu werden, hält sich laut einer Erhebung der Statistik Austria in Grenzen. 13 Prozent der Erwerbstätigen sind besorgt, dadurch ihren Job zu verlieren. Geteilt ist die Meinung über Sinn und Nutzen der KI: Rund 40 Prozent halten KI für eher nicht oder gar nicht nützlich. Ebenso viele sehen einen hohen Beratungsbedarf für den eigenen Arbeitsalltag.