Im Handelskonflikt zwischen China und den USA finden erstmals hochrangige Gespräche in der Schweiz statt. US-Finanzminister Scott Bessent und der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer wollen am Wochenende mit Vertretern der Volksrepublik China zusammentreffen, teilten die jeweiligen Behörden mit. Laut chinesischem Handelsministerium reist Vize-Ministerpräsident He Lifeng in die Schweiz.

Das Schweizer Außenministerium bestätigte eine Anfrage beider Länder, ein Treffen in Genf zu organisieren. Das finde „in den nächsten Tagen“ statt. Auch die Schweizer Bundespräsidentin und Finanzministerin Karin Keller-Sutter werde in Genf „in den nächsten Tagen“ mit Bessent zusammentreffen.

Treasury Secretary Scott Bessent testifies before the House Committee on Appropriations, Subcommittee on Financial Services and General Government, oversight hearing of the U.S. Department of the Treasury on Capitol Hill in Washington, Tuesday, May 6, 2025. (AP Photo/Jose Luis Magana)
Scott Bessent © AP/Jose Luis Magana

China mahnt Dialog auf Augenhöhe ein

Nach Angaben Pekings kontaktierten die USA China, um über die „Zölle und andere Fragen“ sprechen zu können. Dazu hätten hochrangige US-Beamte Informationen übermittelt. China habe diese US-Angaben nun sorgfältig geprüft. Parallel betonte das Handelsministerium, dass ein Dialog nur auf gegenseitigem Respekt und Augenhöhe stattfinden könne. Eine Lösung durch Verhandlungen könnte nur erfolgen, wenn die USA sich der Auswirkungen ihrer Zollmaßnahmen bewusst würden und ihre fehlerhaften Praktiken korrigierten.

In einem Interview im Nachrichtensender Fox News sagte der US-Finanzminister, er gehe davon aus, dass sich beide Seiten bei dem Treffen erst einmal darauf einigen, worüber sie sprechen wollen. „Ich habe das Gefühl, dass es um eine Deeskalation geht, nicht um das große Handelsabkommen, aber wir müssen erst deeskalieren, bevor wir vorankommen können.“

Trump lehnt Reduzierung von Zöllen vor Gespräch ab

US-Präsident Donald Trump lehnt unterdessen eine Reduzierung der Zölle in Höhe von 145 Prozent auf chinesische Waren vor diesen ersten Gesprächen mit Peking ab. Bei einer Veranstaltung im Weißen Haus sagte eine Reporterin, China habe verlangt, die Zölle müssten vor substanziellen Verhandlungen deutlich gesenkt werden und fragte Trump, ob er dazu bereit sei. Der Präsident antwortete darauf knapp: „Nein.“

Trump bestritt auch, dass die Initiative für die in der Schweiz geplanten Gespräche von den USA ausgegangen seien. Die chinesische Regierung sollte noch einmal nachsehen und ihre Akten studieren, meinte Trump bei der Vereidigung des neuen US-Botschafters für China, David Perdue. Trump bezeichnete den ehemaligen US-Senator aus Georgia und langjährigen Geschäftsmann als seinen Freund.

Treffen am Samstag und Sonntag

Bessent sagte, er habe vorgehabt, nach Europa zu reisen, um mit der Schweiz über Handelsfragen zu sprechen. Dann habe sich herausgestellt, dass auch das chinesische Team durch Europa reise und in der Schweiz sein werde. „Also werden wir uns am Samstag und Sonntag treffen“, sagte Bessent. Die USA und China hätten ein gemeinsames Interesse daran, sich zu einigen. Die hohen augenblicklichen Zölle seien das Äquivalent zu einem Embargo.

Seit der Eskalation im Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt Anfang April verhängte US-Präsident Donald Trump bis zu 145 Prozent Zusatzzölle auf Waren-Importe aus China. Peking verlangt im Gegenzug auf Einfuhren aus den USA Aufschläge in Höhe von 125 Prozent.

Trump hatte sich zuletzt wiederholt widersprüchlich zu der Frage geäußert, ob es zwischen den USA und China Gespräche gebe. Zunächst hatte er behauptet, es gebe einen Austausch mit Peking. Das chinesische Außenamt dementierte das.