511,3 Millionen: So viele Fahrgäste transportierten die ÖBB im Vorjahr – und damit erstmals mehr als eine halbe Milliarde in einem Jahr. 300 Millionen Fahrgäste nutzten die Züge, 211 Millionen die Busse der ÖBB. Ein großes Plus – zehn Prozent – brachte der Nahverkehr. ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä erklärt dies mit dem Rückgang des Homeoffice und zunehmend gefragtem Ausflugsverkehr. Der Fernverkehr blieb 2024 stabil, so wie das Gesamtergebnis der ÖBB Holding mit 113,6 Millionen Euro, ein Plus von zwei Millionen Euro. Die Gesamterträge sind um 15,3 Prozent auf fast neun Milliarden Euro gestiegen, die Aufwendungen um 14,7 Prozent auf fast 8,3 Milliarden Euro.

30 Prozent mehr Angebot

Das wichtigste Ereignis für die ÖBB im laufenden Jahr ist die Eröffnung der Koralmbahn. „Im Dezember 2025 läuten wir eine neue Ära der österreichischen Mobilität im Süden ein“, so Matthä. Die Koralmbahn bringt eine Angebotsausweitung der ÖBB von 30 Prozent im Fern- und Interregio-Verkehr, sie werde „eine neue Lebensrealität für die Menschen entlang der Strecke bringen“, sagt der ÖBB-Vorstandsvorsitzende. Er erwartet einen weiteren Zuwachs an Passagieren. In Bezug auf das eingesetzte Zugmaterial auf der Südstrecke kündigte er einen „Qualitätssprung nach oben“ an, zusätzlich zu neuen Zuggarnituren werden bereits im Einsatz befindliche Railjets fahren.

Laut Aussage des ÖBB-Chefs gebe es keine Zweifel, dass die Koralmbahn am 14. Dezember 2025 planmäßig den Betrieb aufnehmen wird. Er sehe nichts, was ihn beunruhigen würde. Auch ÖBB-Finanzvorständin Manuela Waldner erklärt. man sei bei den Vorbereitungen „voll im Zeitplan“. Waldner versicherte, dass der Güterverkehr wie geplant schon ab Oktober durch den Koralmtunnel fahren wird.

ABD0064_20240426 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA0120 VOM 26.4.2024 - ÖBB-Chef Andreas Matthä am Freitag, 26. April 2024, im Rahmen der ÖBB-Bilanzpressekonferenz
ÖBB-Chef Andreas Matthä: „Noch ist es zu früh, das kundzutun.“ © APA / Hans Klaus Techt

Man sehe, dass moderne Infrastruktur Wettbewerb anziehe, etwa die Westbahn auf der Südstrecke. Man fürchte sich vor mehr Wettbewerb nicht, so Matthä am Freitag Richtung Westbahn. Dadurch würden die Fahrgastzahlen weiter steigen, mit der Eröffnung des Semmeringtunnels 2030 werde man auf der Südstrecke annähernd auf die Auslastungszahlen der Weststrecke kommen.

„Erste beginnende Gespräche“

Zur Forderung vieler Steirer und Kärntner, Pendlertickets zwischen Graz und Klagenfurt zu ermöglichen, sagt Matthä, es gebe „erste beginnende Gespräche“ der jeweiligen Verkehrsverbünde auch mit den ÖBB., was man machen könne. „Noch ist es zu früh, das kundzutun.“ Matthä stellte klar, dass es im Regelverkehr mit den bis zu 230 km/h schnellen Zügen keinen Halt im Südkärntner Kühnsdorf geben werde, man wolle aber Züge in den Fahrplan aufnehmen, bei denen man einen solchen Halt anbieten könne.

ABD0066_20240426 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA0120 VOM 26.4.2024 - ÖBB-CFO Manuela Waldner am Freitag, 26. April 2024, im Rahmen der ÖBB-Bilanzpressekonferenz
ÖBB-CFO Manuela Waldner: „ Auf das in Summe sehr stabile Ergebnis kann man stolz sein.“ © APA / Hans Klaus Techt

Insgesamt investieren die ÖBB über sechs Milliarden Euro in neue Züge, 122 Garnituren sollen 2025 und 2026 eingeflottet werden, darunter Nightjets und doppelstöckige Cityjets. Verspätungen soll es diesmal keine geben. Matthä: „Wir sollten alle Züge planmäßig bekommen, es gibt keine Hinweise der Lieferanten auf Verzögerungen.“

Licht und Schatten 2024

Das Jahr 2024 war für die ÖBB ein sehr herausforderndes Jahr, sagt ÖBB-Holding-Finanzvorständin Waldner. Auf das in Summe „sehr stabile Ergebnis kann man stolz sein.“ Beim Personenverkehr gab es neben dem „Licht“ – die Ausweitung der Fahrgäste – auch reichlich Schatten: Die Sperre der Weststrecke durch das Hochwasser im September führte zu entgangenen Umsatzerlösen und zusätzlichen Aufwendungen, so Waldner. „Wenn so ein Hochwasser vom Himmel fällt, mussten wir sehr viel Kapazität über Nacht aufstellen.“ Das Ergebnis des ÖBB-Personenverkehrs blieb folglich deutlich unter 2023.

Zudem belastet die Wirtschaftsflaute die Güter-Sparte der ÖBB. Vor allem die Rückgänge in der Industrie – Papier. Stahl, Chemie – fielen ins Gewicht. Dennoch konnten transportierte Mengen – um 1,7 Prozent auf fast 80 Millionen Nettotonnen – sowie Umsätze der Rail Cargo gesteigert werden.. Das Ergebnis der Rail Cargo drehte 2024 ins Minus (-24 Millionen Euro, zuvor +13 Millionen Euro), es sei buchstäblich „verregnet“ worden, so Matthä. Auch 2025 werde schwierig, so Waldner und Matthä unisono: Sperren im deutschen Netz und die Sanierung des Tauerntunnels brächten Mehrkosten bzw. Mindereinnahmen.

Rekord bei Auslastung des Netzes

Auch bei der Netzauslastung gab es 2024 einen Rekord: 173 Millionen Zugkilometer – plus 4,2 Prozent – stellen einen neuen Höchststand dar. „Auf die Infrastruktur fahren die Eisenbahnunternehmen ab“, so Matthä, aktuell sind 72 allein in Österreich tätig. Auch der Personalstand sei im Aufwind: 6200 neue Mitarbeiter wurden in Österreich angestellt, durch den Erwerb der deutschen Arverio arbeiten 47.784 Mitarbeiter im ÖBB-Konzern, ein Zuwachs von 2400. Man sei damit der fünftgrößte Arbeitgeber in Österreich.. Leicht gesunken ist im Vorjahr die Pünktlichkeit. Sie fiel leicht von 95 Prozent im Jahr 2023 auf 93,6 Prozent im Vorjahr. Zur geplanten Erhöhung der Ticketpreise Ende des Jahres wollte Matthä nichts Konkretes sagen. Nur so viel: „Sie wird akzeptabel und überschaubar ausfallen.“

„Das größte Bauprogramm der jüngeren Zeiten“ spiegelte sich im Ergebnis der ÖBB Infrastruktur-Tochter wider. 2024 wurden 5,4 Milliarden Euro – so viel wie nie – investiert. Der größte Treiber sind die drei Tunnelbauprojekte – Koralmbahn, Semmeringtunnel und Brenner-Basistunnel. 2026 will man den finalen Durchschlag des längsten Bahntunnels weltweit – des Brenner-Basistunnels – feiern.