„In der Pause redet keiner mehr miteinander. Alle sind am Handy.“ Die Beobachtung war beunruhigend oft zu hören in den Vorträgen, die sich zum Großteil um Handy- und Social Media-Nutzung drehten. Zum Beispiel von Pascal Miklau aus Grafenstein, Lehrling bei Eder Blechbau in Völkermarkt.
Laura Koller (Wiener Städtische) äußerte ihren Verdruss über die Ruhigstellung von Kindern durch ihre Eltern mit einem Handy oder iPad und verglich die Verfehlung mit dem Most-Schnuller, dem Most-Zutz von anno dazumal.
„Blick vom Bildschirm heben“
Auch Laura Rinner, Lehrling in der Maschinenfabrik Springer, regte an, den „Blick vom Bildschirm zu heben“ und brachte einmal mehr ein Handyzeitlimit in Diskussion, das sich jeder stellen könne.
Ihr Kollege Matthias Himmelbauer machte sich für Handy-freie Zonen stark - am Spielplatz zum Beispiel, und für Erwachsene. Seine Botschaft, man solle sich nicht abhängig machen von digitalen Geräten, unterstrich er mit einem Computerproblem, das seine Präsentation auf der Leinwand zerfetzte. Ein genialer dramaturgischer Bluff, der die Zuhörer sprachlos machte, aber nicht ihn: „Was bleibt uns, wenn der Akku leer ist?“
Was ist „Situationship“?
Große Fragen, ein beeindruckendes Problembewusstsein und Lösungskompetenz zeichneten sämtliche Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Lehrlingswettbewerb der Kärntner Industriellenvereinigung aus, der am Mittwoch im Kelag-Ausbildungscampus in St. Veit ausgetragen wurde. 69 junge Menschen aus 23 Kärntner Industriebetrieben machten mit. Freiwillig. Die jüngsten erst 15 Jahre alt.
Nicht nur in Deutsch, wo Ajla Midzan (18), technische Zeichnerin bei Starmann, mit ihrer Rede über Soft Skills überzeugte: „Chefs brauchen das“. Sondern auch im Englisch-Bewerb, wo unter anderem der Begriff Situationship unter die Lupe genommen wurde. Situationship, eine lockere, undefinierte Art einer zwischenmenschlichen Beziehung, die weder als feste Partnerschaft noch als reine Affäre gilt. Auch Kelag-Lehrling Fabian Jungwirt (18) nahm sich dieser Sache an. Er errang den ersten Platz, „den ich auch meiner tollen Englischprofessorin verdanke“.
Und natürlich in Mathe, wo Kopfrechnen gegen die Zeit angesagt war, was Sebastian Samitz (17), Lehrling bei Infineon, am besten konnte: Er brauchte pro Rechnung im Durchschnitt nur eine Minute.
Das Teamturnier, wo es galt, mit Hilfe eines guten Systems möglichst nahe ans Ziel heranzukommen, darf als Sinnbild gelten für den ganzen Wettbewerb. „Wir glauben an die Lehre und sind froh, dass sie einen positiven Wandel genommen hat“, so Siegfried Huber, Vorstandssprecher der Kärntner Sparkasse, der die stattlichen Preisgelder überbrachte. „Wir haben heute gesehen, dass einiges möglich ist, wenn man die Jugend machen lässt“, so der stolze Hausherr, Kelag-Vorstand Danny Güthlein. Sonnenkraft-Geschäftsführer Reinhard Pasterk, St. Veits Bürgermeister Martin Kulmer und Flex-Geschäftsführer Martin Reiner waren zum Daumendrücken gekommen.
LH Kaiser: „Keine Sorge um die Kärntner Industrie“
Industriellenpräsident Timo Springer konnte über einen gelungenen Tag und „die hohe Ausbildungsqualität in unseren Industriebetrieben resümieren“.
Die Relevanz des Wettbewerbes bezeugte nicht zuletzt Landeshauptmann Peter Kaiser durch seine Anwesenheit bei der Siegerehrung. „Angesichts der herausragenden Leistungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mache ich mir keine Sorgen um die Zukunft der Kärntner Industrie.“