Der Wiener Aktienmarkt hat am Mittwoch nach der Vortagestalfahrt noch deutlichere Kursgewinne verbucht. Der heimische Leitindex ATX zog beachtliche 4,48 Prozent auf 4.240,83 Punkte hoch, nachdem er am Vortag mit Sorgen vor einer Eskalation im US-Zollstreit mit Kanada, Mexiko und China und dem damit verbundenen Handelskrieg um 2,35 Prozent nach unten gerasselt war.

Auch an anderen europäischen Börsen wurden starke Tagesgewinne verzeichnet. Der Euro-Stoxx-50 beendete den Tag mit einem deutlichen Plus von 1,89 Prozent und 5.489,12 Punkten. Noch deutlicher nach oben ging es in Deutschland. Der deutsche DAX stieg um 3,38 Prozent auf 23.081,03 Zähler. Ein kleines Minus gab es hingegen in London. Der britische FTSE-100 schloss mit einem knappen Minus von 0,04 Prozent und 8.755,84 Zählern.

Strabag-Aktie sprang um mehr als 19 Prozent hoch

Eine regelrechte Kursrally gab es – auch in Wien – zur Wochenmitte bei den Werten aus dem Baubereich zu sehen. Das geplante Sondervermögen in der führenden europäischen Volkswirtschaft, Deutschland, für Infrastruktur wirkt „wie ein riesiges Konjunkturpaket“, kommentierte ein Portfoliomanager vom Vermögensverwalter QC Partners und dies wird an den Börsen goutiert. „Viele Branchen und Firmen dürfen sich jetzt auf zusätzliche Großaufträge freuen.“ Für die Infrastruktur in unserem Nachbarland soll ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro geschaffen werden.

Die Strabag-Aktie sprang um mehr als 19 Prozent hoch. Der Baukonzern ist in Deutschland stark engagiert. Im Jahr 2023 erzielte der Konzern laut Unternehmensangaben fast 50 Prozent der gesamten Bauleistung in Deutschland. Beim Branchenkollegen Porr gab es ein sattes Kursplus von 13 Prozent zu sehen. Die Titel des weltgrößten Ziegelherstellers Wienerberger zogen in einem ähnlichen Ausmaß um 15,3 Prozent hoch. Die Aktien des Stahlherstellers voestalpine kletterten 9,1 Prozent.

Auch Palfinger, AT&S und BAWAG legen stark zu

Palfinger bauten ein Plus von 7,6 Prozent. Der Salzburger Kranhersteller hat 2024 etwas weniger Umsatz und Gewinn gemacht, aber immer noch das zweitbeste Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte verzeichnet. Der Umsatz ging von 2,45 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf 2,36 Milliarden Euro im Vorjahr zurück, das Konzernergebnis sank von 107,7 Millionen Euro auf 100 Millionen Euro.

Auch Werte aus anderen Bereichen legten sehr stark zu. Im Technologiebereich zogen die AT&S-Titel um 4,4 Prozent hoch. Die Papiere von Andritz steigerten sich um 4,5 Prozent. Unter den schwergewichteten Banken legten BAWAG fünf Prozent zu. Erste Group verteuerten sich um 6,3 Prozent und Raiffeisen Bank International gar um 9,1 Prozent.

Frequentis hatte am Vorabend Zahlen präsentiert und die Aktie reagierte mit plus 4,6 Prozent. Der Anbieter von Kommunikations- und Informationssystemen für Kontrollzentralen hat im Vorjahr laut vorläufigen Zahlen den Umsatz um 12,35 Prozent auf 480,3 Mio. Euro gesteigert. Das Betriebsergebnis (EBIT) verbesserte sich gegenüber dem Jahr zuvor um 20,67 Prozent auf 32,1 Mio. Euro. Nach Einschätzung der Erste Group-Analysten lagen die Zahlen über den Erwartungen.

Auch deutsche Infrastruktur-Aktien gefragt

Auch an der deutschen Börse waren am Mittwoch Infrastrukturtitel stark gefragt. Heidelberg Materials eroberten mit einem Plus von über 17 Prozent die DAX-Spitze. Kion lagen mit einem Plus von 20 Prozent ganz oben im MDAX. Die Papiere der Bauunternehmen und -dienstleister Bilfinger und Hochtief schlossen 18 bzw. gut 15 Prozent im Plus. Aus dem Rüstungsbereich sprangen Renk, Rheinmetall und Hensoldt zwischen knapp 7 und 9 Prozent hoch.

UBS-Experte Maximilian Kunkel äußerte sich positiv zu den Absichten der größten Volkswirtschaft Europas: „Das entschlossene, reformorientierte Vorgehen der neuen Regierung könnte das Vertrauen von Unternehmen und Verbrauchern deutlich verbessern und gepaart mit weiteren Zinssenkungen der EZB privatwirtschaftliche Ausgaben ankurbeln, bevor fiskalpolitische Impulse zum Tragen kommen.“