Michael Lohscheller ist eine Konstante. Wo er ist, kommen die grünen, positiven Zahlen, der Ruf verfolgt ihn seit der Opel-Sanierung, bei der zwar ein Rekordgewinn erzielt wurde, aber auch die Kennzahlen (Verkauf, Produktion) dramatisch zurückgingen. Nach dem Abgang folgten kurze Gastspiele, wie beim vietnamesischen Hersteller Vinfast und beim US-Hersteller Nikola. Zu Lohschellers Ehrenrettung: Nikola ging erst zwei Jahre nach Lohschellers Abgang pleite. Insider sagen: Ohne Lohscheller, der damals aus privaten Gründen abtrat, wäre Nikola viel früher in eine Pleite geschlittert.
Warum Lohscheller Chef bei Polestar wurde
Und jetzt Polestar. Der chinesische Hersteller, mit den Volvo (heute auch chinesisch) und Geely-Wurzeln. Ausrichtung? Premium, Elektro. Der steirische Designstar Maximilian Missoni gab Polestar ein unverwechselbares, außergewöhnliches Gesicht. Aber die Verkaufszahlen entsprachen nicht, der Internet-Ansatz beim Vertrieb floppte, rote Zahlen waren die Folge und rissen die alte Führungsmannschaft mit. Man sitzt auf einem Schuldenberg von rund vier Milliarden Euro, von der exklusiven Produktion bis zum Ansatz ein elektrischer Porsche-Jäger zu werden – all das kostete Geld.
Lohscheller rechnet mit Millionen aus den CO2-Zertifikaten
Im Gespräch mit Lohscheller kommt der neue Chef auch schnell auf den Punkt: Als Erstes werde man den Vertrieb verändern und Händler werden forcieren, wichtig sei das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. In einer zweiten Welle wolle Lohscheller mit seinem neuen Team Effizienzen ausloten, beim Auto wie beim Personal. „Polestar hat sich wahnsinnig schnell entwickelt, das heißt nicht, dass alles effizient ist – jetzt nehmen wir uns die Zeit die Kosten auch zu optimieren.“ Jährlich rechnet er mit einem Wachstum von 30 Prozent, beim Ergebnis wird auch der Verkauf der CO2-Zertifikate helfen – mit einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Andere Hersteller können sich so von den CO2-Vorgaben „freikaufen“.
Auch in Sachen Produktion wolle man neue Wege gehen. „Es ist kostspieliger geworden Autos um die halbe Welt zu schicken, diese ganze Logistik ist nicht mehr verlässlich zu beherrschen. Wir gehen dem Polestar 7 in eine Europa-Produktion“, so Lohscheller. Auch um die Strafzölle für chinesische Autos zu umgehen. Auf Nachfrage bestätigt er, dass man nicht in Österreich produzieren werde – damit ist Magna in Graz kein Thema.
Brisant politisch: Lohscheller lockt Tesla-Kunden
Was den Elektro-Pionier Tesla betrifft, sorgten Lohschellers Aussagen in deutschen Medien für Aufsehen. Auch wenn er die Lebensleistung eines Elon Musk anerkennt und positiv sieht, bleibt er in einer kritischen Distanz: „Für Deutschland ist es eine große Sache, wenn jemand außerhalb Deutschlands eine rechte Partei unterstützt. Sie wollen wissen, was ich davon halte? Ich denke, das ist völlig inakzeptabel, So etwas macht man einfach nicht. Das ist pure Arroganz, das wird nicht funktionieren“, wird Lohscheller zitiert.
Eine Abkehr vom reinen Elektroweg kann sich Lohscheller übrigens „nicht vorstellen“. Die Zukunft der individuellen Mobilität werde ohne Emission sein, auch wenn das aktuelle Wachstum nicht so steil nach oben zeigt, wie erhofft. Nur der Trend zum SUV werde weiter bleiben.