Nach zwei Rekordjahren in Folge erzielte die teilstaatliche OMV 2024 ihr viertbestes Ergebnis in der Unternehmensgeschichte – trotz niedrigerer Öl- und Gaspreise (minus 2 bzw. minus 16 Prozent). Sowohl Gewinn als auch Umsatz sind gegenüber 2023 gesunken: Der Umsatz um 14 Prozent von 39 auf 34 Milliarden Euro, der Gewinn um sechs Prozent auf rund 1,39 Milliarden Euro. Deutlich profitabler erwies sich das Schlussquartal mit 301 Millionen Euro, ein Plus von 28 Prozent.

ABD0017_20250204 - WIEN - ÖSTERREICH: OMV Vorstandsvorsitzender Alfred Stern, im Rahmen der Bilanz-Pressekonferenz OMV AG
OMV-Vorstandstvorsitzender Alfred Stern © APA / Harald Schneider

„Schwieriges Umfeld“

Zulegen konnte der Cashflow – um 670 Millionen Euro auf 5,3 Milliarden. Die OMV habe „profitabel gewirtschaftet und ein gutes Ergebnis in einem schwierigen Umfeld“ erzielt, sagt Alfred Stern, Vorstandsvorsitzender und CEO von OMV. Der deutlich gestiegene Cashflow unterstreiche die finanzielle Stärke des Konzerns. Dieser bilde „die Grundlage für unsere attraktive Dividendenpolitik und die Zukunftsinvestitionen von OMV“, so Stern weiter. Erholt hat sich gegenüber dem Jahr zuvor die Chemiesparte. Das operative Ergebnis vor Sondereffekten stieg deutlich auf 459 Millionen Euro, was hauptsächlich auf Borealis zurückzuführen ist.

Dividende sinkt leicht

Die Aktionäre sollen vom vergangenen Geschäftsjahr profitieren, wenngleich etwas weniger als im Jahr zuvor: 4,75 Euro je Aktie soll die Dividende betragen, so der Vorschlag des Vorstandes. Für 2023 war eine Gesamtdividende von 5,05 Euro je Aktie ausgeschüttet worden.

Investitionen von 3,6 Milliarden Euro

Die OMV plant hohe Investitionen in diesem Jahr, und zwar im Ausmaß von 3,6 Milliarden Euro. Pro Tag sollen rund 300.000 Fass Öl und Gas produziert werden, sofern es keine Störungen der Erzeugung in Libyen gibt. Die Produktionskosten auf Konzernebene sollen von 10 auf 11 Dollar pro Fass steigen. Der durchschnittliche Brent-Rohölpreis wird für heuer auf 75 Dollar (zuvor: 73 Euro) pro Fass geschätzt, der durchschnittliche realisierte Erdgaspreis bei rund 35 Euro je Megawattstunde. Der Auslastungsgrad der Raffinerien soll bei 85 bis 90 Prozent liegen, so der Konzern in der Pressekonferenz zur Jahresbilanz.

Kein Russland-Geschäft mehr

Jede geschäftliche Verbindung zu Russland hat die OMV beendet. Man verfüge nach der im Dezember 2024 „wegen grundlegender Vertragsverletzungen“ erfolgten Kündigung des langfristigen Gasliefervertrages mit Gazprom Export nunmehr „weder über Lieferverträge noch Geschäftstätigkeit in Russland“, heißt es. Man schlage „ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte auf“, betont Stern.

Mehr eigene Gasproduktion

Ein besonderes Augenmerk will die OMV auf die Produktion von Gas in Europa legen, denn mit dem Umstieg von Pipeline-Gas aus Russland zu LNG habe sich der Preismechanismus geändert: „LNG-Schiffe fahren dorthin, wo der beste Preis gezahlt wird.“ Der Gasfund in Wittau (Niederösterreich), der größte seit 40 Jahren, könne die Gaserzeugung in Österreich um 50 Prozent erhöhen, sofern das Potenzial des Feldes voll genutzt werde. In Rumänien – Projekt Neptun Deep – werden die förderbaren Reserven auf 100 Milliarden Kubikmeter geschätzt. Eine jährliche Produktion von bis zu 9 Milliarden Kubikmeter (über zehn Jahre) entspricht in etwa dem Jahresbedarf in Österreich.