Der Handel blickt auf zwei schwarze Jahre zurück. 2023 gingen über 800 Händler in Österreich pleite, übertroffen nur vom Bausektor, 2024 führte die Handelsbranche die Pleitenstatistik mit mehr als 1000 Insolvenzen sogar an. Vom Coronaknick erholte sich vor allem der Modehandel nicht, ab 2022 befeuerten Kriege, Energiekrise und Inflation die Unsicherheiten. „Sicherheit ist für den Konsum eine Voraussetzung, aber die haben wir nicht“, analysiert Günther Rossmanith, Sprecher des Modehandels in der Bundeswirtschaftskammer (WK), für die Kleine Zeitung.

Die Einstellung zum Einkaufen habe sich bei vielen Menschen verändert, erklärt Rossmanith, macht dies aber nicht nur an der aus den Fugen geratenen Welt fest. Denn der Handel durchlebt einen „alle betreffenden Strukturwandel“ hin zum E-Commerce. Und der Druck auf heimische Betriebe nahm zuletzt durch Billig-Anbieter aus Fernost zu.

Vielen verging der Spaß beim Einkaufen

Dass die Kauflust bei Mode, Schuhen und Sportartikeln in den letzten Jahren abgenommen hat, belegt nun eine aktuelle Gallup-Studie im Auftrag der WK. Aktuell kaufen 61 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher ab 16 Jahren mindestens alle zwei bis drei Monate Mode ein, 2018 waren dies noch 71 Prozent. Der Anteil jener, die Freude am Shoppen haben, sank in diesen sieben Jahren von 56 auf 48 Prozent, während jene, die Einkaufen als Last empfinden, mehr geworden sind (23 statt 20 Prozent).

„Sicherheit ist für den Konsum eine Voraussetzung“: Günther Rossmanith ist Sprecher des Modehandels in der Wirtschaftskammer © APA / Florian Wieser

Die Studie hat für den stationären Handel aber auch positive Aspekte parat. Kleidung werde zu 38 Prozent im Geschäft gekauft, zu 16 Prozent online, 40 Prozent der Konsumenten kaufen sowohl online, als auch stationär. Bei Schuhen ist die Präferenz für den Einkauf im Geschäft etwas stärker ausgeprägt, bei Sportartikeln etwas schwächer, konkretisiert Studienautorin Andrea Fronaschütz.

„Der hybride Konsument wird in Zukunft dominant sein“, ist Rossmanith überzeugt. „Geschäfte werden geschätzt dafür, dass man etwas angreifen und anprobieren kann. Diese Stärke muss der Handel stärken.“ Das persönliche Gespräch, Sortiment und Auswahl seien wichtig. „Viele bieten schon Beratungstermine an, also personal shopping, und es werden immer mehr. Das müssen Händler ausbauen.“ Von Konsumentenseite würden vor allem Händler geschätzt, die sowohl online als auch stationär präsent seien, so die Studie. Jüngere Menschen bis 30 wünschen sich „Retailtainment“, also Einkaufserlebnisse.

Der große Wermutstropfen bleibt: Zwei Drittel der Onlineumsätze fließen ins Ausland ab und 51 Prozent der Onlineshopper, durchaus auch ältere Semester, kaufen auf asiatischen Plattformen wie Temu ein – obwohl die Nachteile (keine Arbeitsplätze, keine Wertschöpfung und weniger Steuern in Österreich) großteils bekannt sind. Doch niedrige Preise ziehen, weshalb Rossmanith fordert, dass die EU-Zollfreigrenze von 150 Euro vor dem geplanten Termin 2028 fallen müsse. Darüber hinaus müsse die Haftung dieser Online-Plattformen auf die Zollabgabe und die Einfuhrumsatzsteuer, unabhängig vom Bestellwert, ausgeweitet werden. Auch müssten für Temu und Co die in der EU geltenden Umwelt-, Sicherheits und Ethikstandards gelten.

Rasantes Wachstum in Fernost

Der Handelsverband schätzt, dass österreichische Konsumenten 2024 1,5 Milliarden Euro in chinesischen Onlineshops ausgegeben haben. Shein und Temu zählen bereits zu den Top 10 der umsatzstärksten Onlinehändler in Österreich, kein europäischer Webshop sei in den letzten Jahren ähnlich schnell gewachsen. Der Handelsverband sieht diese Plattformen aus Drittstaaten höchst kritisch. So gebe es immer wieder Probleme mit der Produktsicherheit, Produktfälschungen sowie Falschdeklarationen zur Umgehung von Zollgrenzen. Datenschutzvorgaben werden ignoriert, vielfach Fake-Produkte verkauft, die laut Ages (Agentur für Ernährungssicherheit) mit giftigen Chemikalien belastet sind und gesundheitsgefährdend sein können.