Friseurin war einst der Traumberuf vieler Mädchen und Frauen. Entsprechend groß war der Zulauf. Das hat sich mittlerweile geändert. Im Jahr 2010 gab es laut Branchenzeitung „Im Salon“ österreichweit noch 20.755 Friseurinnen und Friseure, 2023 jedoch nur mehr 16.007. Die Lehrlingszahlen sanken im gleichen Zeitraum von 5269 auf 2453. In Kärnten gibt es aktuell 140 Friseurlehrlinge. Auf die Entwicklung hat man bereits reagiert. „Früher gab es vier Berufsschulen in Kärnten, mittlerweile ist es eine mit mehreren Klassen“, sagt Martin Muschlin, Innungsgeschäftsführer der Friseure in der Wirtschaftskammer.

Innungsmeisterin Karin Wagner ist trotzdem mit den aktuellen Lehrlingszahlen zufrieden, denn sie seien in den vergangenen Jahren stabil geblieben. Daran habe die Innung gearbeitet und auch Anreize geschaffen, um jungen Menschen den Beruf schmackhaft zu machen. „Wir bieten verschiedene Wettbewerbe und Trainings und die Innung sponsert auch den Technik-Kopf zum Trainieren für die Auszubildenden“, zählt Wagner auf.

Dreimonatiger Lehrgang

Darüber hinaus gibt es seit Kurzem eine neue Einstiegsmöglichkeit in den Friseurberuf. Gemeinsam mit AMS und Wifi hat die Innung den dreimonatigen Ausbildungslehrgang für Beautyassistenten ins Leben gerufen. Es gibt bereits sieben Absolventinnen und Absolventen. „Die aktuelle Runde hat neun Teilnehmer“, sagt die Innungsmeisterin. Die Ausbildung richtet sich an Quereinsteiger über 18 Jahre, die bereits eine andere Lehre oder die Matura absolviert haben und nun doch den Friseurberuf ergreifen wollen, und an Wiedereinsteigerinnen nach der Babypause.

Innungsmeisterin Karin Wagner
Innungsmeisterin Karin Wagner © WKK

Maurer wurde Friseur

Die Kosten für den Lehrgang trägt das AMS. „Die Friseure haben ein Nachwuchsthema, weil immer mehr Friseure alleine arbeiten und daher auch nicht mehr ausbilden“, sagt der Kärntner AMS-Chef Peter Wedenig. Die neue Ausbildung sei der ideale Einstieg, bei dem potenzielle neue Friseure den Betrieb kennenlernen und Praxis sammeln können. Stellen sie fest, dass ihnen die Arbeit gefällt, können sie, sofern sie die Voraussetzungen erfüllen, gleich eine verkürzte Lehre anhängen. „Wir hatten sogar einen gelernten Maurer, der auf diese Art seinen Berufswunsch Friseur doch noch realisieren konnte“, berichtet Wedenig.

Obwohl die Zahl der Friseure sinkt, steigt die Anzahl der Betriebe in ganz Österreich. 2023 verzeichnete die Wirtschaftskammer 9873 aktive Fachgruppenmitgliedschaften, was einem Anstieg von über 33 Prozent in zehn Jahren entspricht. In Kärnten steigt ebenfalls die Betriebsanzahl. 2021 waren es noch 657, im Jahr 2024 zählte die Wirtschaftskammer bereits 717 Friseurbetriebe. „Das ist mit dem hohen Anteil von Ein-Personen-Unternehmen zu erklären“, sagt Muschlin. Denn durch die Streichung der Gebühr für die Meisterprüfung, treten mehr Personen an und wagen dann auch den Schritt in die Selbständigkeit – allerdings meist ohne Angestellte.