Parkplätze sind knapp am Donnerstagvormittag beim Kika in Klagenfurt. Nachdem am Mittwoch bekannt wurde, dass die Möbelhandelskette, die vor einigen Wochen Insolvenz angemeldet hat, in Konkurs ist und die Waren mit Rabatt abverkauft werden, sind offenbar viele auf der Suche nach Schnäppchen. „Gerade jetzt vor Weihnachten passt es halt auch gut“, meint ein Mann. Er sucht Geschenke und schaut, ob eines der Ausstellungsstücke in seine Wohnung passen würde. Ein massiver Holztisch hat es ihm besonders angetan.

Gedrückte Stimmung, hohe Rabatte

Viele Kunden stöbern bei der Weihnachtsdeko, kaufen Geschirr, Gläser oder Bettwäsche. Waren namhafter Qualitätsmarken, die nicht ohnehin schon heruntergesetzt sind, werden mit einem 30-Prozent-Rabatt verkauft. Doch trotz der attraktiven Preise, ist die Stimmung in der Filiale gedrückt. Die Mitarbeiter plagen Zukunftssorgen, sie haben nur einen Teil des Novembergehaltes bekommen und werden das Weihnachtsgeld erst in ein paar Wochen aus dem Insolvenzentgeltfonds erhalten. Den Kundinnen und Kunden gehen die schlechten Nachrichten aus der heimischen Wirtschaft wie KTM-Insolvenz und jetzt der KikaLeiner-Konkurs nahe. „Mir tun vor allem die betroffenen Mitarbeiter leid. Ich habe mir auch überlegt, ob es richtig ist, auf Schnäppchenjagd zu gehen. Aber dann habe ich gedacht, dass Kika ohnehin abgewickelt wird, ob ich etwas kaufe oder nicht“, sagt eine Lavanttalerin, die mit einer Freundin nach Klagenfurt gekommen ist.

Doch nicht alle zeigen so viel Mitgefühl. Denn wie Günther Muhrer von der Gewerkschaft sagt: „Viele Beschäftigte bekommen den ganzen Unmut der Kunden ab, obwohl sie nichts dafür können und selbst massiv vom Konkurs betroffen sind.“ Vor allem bei jenen Kunden, die hohe Anzahlungen geleistet haben, liegen die Nerven blank. Derzeit ist noch offen, ob und wie viel von den gezahlten Beträgen erstattet werden kann. Darauf angesprochen, meint eine Verkäuferin, dass sie selbst bisher noch nicht den Ärger von Kunden zu spüren bekommen habe, aber in der Kollegenschaft werde darüber schon gesprochen und vor allem bei der Standortschließung in Villach sei es wild zugegangen.

Die Rabatte locken viele Kunden an
Die Rabatte locken viele Kunden an © Markus Traussnig

Allzu gesprächsbereit sind die Mitarbeiter gegenüber der Journalistin nicht. Filialleiter Alfredo Sekoll lehnt Interviewanfragen mit dem Hinweis ab, dass man in einer absoluten Ausnahmesituation sei und er alle Kraft für die Mitarbeiter brauche. Am Kika-Standort in Klagenfurt sind laut Gewerkschaft 48 Personen im Handel, 13 in der Tischlerei und sieben in der Gastronomie tätig. „Etliche waren ihr gesamtes Berufsleben bei Kika beschäftigt und stehen nun wenige Jahre vor der Pension vor der Situation, dass sie sich wieder bewerben müssen“, sagt Muhrer. Zur Stimmung sagt der GPA-Regionalsekretär für den Handel: „Am schlimmsten ist diese Orientierungslosigkeit und Ungewissheit. Die Mitarbeiter fühlen sich, als hätte ein Unwetter ihnen alles entrissen.“ Verschlimmert wird die Situation durch die schlechten Nachrichten vom Arbeitsmarkt und den steigenden Zahlen der Arbeitslosen im Handel. Doch Muhrer hofft, dass die Kika-Mitarbeiter aufgrund ihrer guten Qualifizierung unter anderem im Vertrieb von Gewerbe-Betrieben Fuß fassen können.

Noch kein Schließungstermin

Wann jetzt tatsächlich Kika Klagenfurt seine Pforten endgültig schließen wird, ist noch nicht bekannt. Diese Entscheidung fällt das Konkursgericht in Abstimmung mit dem Masseverwalter. Muhrer rechnet nicht damit, dass man die österreichweit 17 Standorte am selben Tag zusperrt. Bei der Pepco-Pleite habe man wirtschaftlich erfolgreichere Standorte länger offen gehalten und Waren dorthin umgelagert.

Sobald die letzte KikaLeiner-Filiale schließt, gehört eine über 110-jährige österreichische Firmengeschichte endgültig der Vergangenheit an. Die weitere Konzentration im heimischen Möbelhandel sehen Experten kritisch. Es war ein Niedergang auf Raten. Doch viele überrascht er nicht, denn wie eine Kundin sagt: „Früher war Kika ganz etwas Besonderes, aber zuletzt hatte ich das Gefühl, es gibt überall das Gleiche, egal ob bei Kika, Lutz oder sonst wo.“