Da steht er jetzt , der Seelöwe. Der nächste im BYD-Zoo der niedlichen Namen. Seal (Seehund), Dolphin (Delphin), und jetzt eben Sealion 7 (Seelöwe 7). 4,83 Meter ist er lang, 1,92 m breit, 1,62 m hoch, in der Auto-Zoologie würde man den Überbegriff Crossover geben. Es wartet die erste Testfahrt.

Am Abend zuvor hat man noch die mächtige Europa-Chefin Stella Li getroffen, die Vertraute des Firmengründers Wang Chuanfu, ein studierter Chemiker aus einfachen Verhältnissen, der das Unternehmen 1995 gegründet hat. Seine Eltern waren Bauern, sie starben, als er noch ein Bub war. Heute gehört der studierte Chemiker und manische Arbeiter zu den reichsten Chinesen. Der Visionär befasste sich schon an der Universität von Peking mit Batteriespeichern, leitete seine eigenen Technikzugänge ab und wurde zum Mr. Handyakku, von Motorola bis Nokia. Aber das Handy war nicht genug, 2008 präsentierte man das erste Hybridmodell, 2010 das erste Elektroauto. Da hatte Investoren-Legende Warren Buffett bereits im großen Stil ins Unternehmen investiert. – wir berichteten.

Es ist diese Erfolgsgeschichte, die den Europäern derzeit Kopfzerbrechen bereitet. Nicht einmal Strafzölle halten BYD auf, längst sind Fabriken in Ungarn in Bau oder in anderen Ländern in Planung. In Brasilien wird die Eroberung Südamerikas mit einer eigenen Fabrik begleitet. Man hat VW als stärkste Marke in China abgelöst, Tesla überholt, verkaufte im Oktober 2024 erstmals 500.000 Autos.

Zwei Jahre, sechs Millionen BYD verkauft

Für die erste Million an verkauften BYD-Fahrzeugen brauchte man noch 13 Jahre. Für den letzten Sprung von sieben auf neun Millionen produzierter Fahrzeuge waren es noch sechs Monate. Bei der Technologie zeigt man sich situationselastisch. War man noch vor zwei Jahren als reine E-Marke angetreten, geht man heute mit dem Zeitgeist und Plug-in-Hybriden in den Markt.

Von 20 Angestellten auf 900.000 Mitarbeiter in knapp 30 Jahren, mit über 30 Industrieparks im Schlepptau eines inzwischen globalen Unternehmens, das sogar eine eigene Schiffsflotte in Auftrag gegeben hat, mit Frachtern, die so lang wie zwei Fußballfelder sind und bis zu 9000 Autos transportieren können.

In über 40 Branchen ist man tätig, Ziel ist ein Null-Emissions-Ecosystem in der Mobilität. Statt auf Lithium-Ionen-Batterie zu setzen, hat man sich auf die Blade-BYD-Batterie mit Lithium-Eisenphosphat-Innereien konzentriert, weil die Batterien länger ihre Substanz halten und günstiger sind. Man nimmt dafür in Kauf, dass man nicht die absoluten Spitzengeschwindigkeiten beim Laden erreicht. Weiterer Vorteil: Man benötigt für diese Batterien nicht das teure Kobalt.

Wo BYD Erfolge hat, wo BYD kämpfen muss

Alles scheint so wunderbar, aber auch BYD muss kämpfen. Während Österreich mit Denzel-Vorstand Hansjörg Mayr und BYD-Geschäftsführer Danijel Dzihic von Erfolg zu Erfolg eilt (in den Top-3 bei den reinen E-Autos in Österreich, ein Marktanteil bei zwei Prozent insgesamt) bleibt Europa keine g‘mahte Wiesn für BYD. Deshalb ist Stella Li selbst vor Ort, sie räumt gerade in Deutschland auf, wo die Verkäufe - gemessen an der Marktgröße - nahe der Nulllinie sind. USA und Kanada fallen aus, die ganze Wachstumsstrategie ist auf Europa und Südamerika ausgerichtet. Fehltritte kann und will man sich trotz des langen Atems nicht leisten.

Aber BYD hat die eigene Wertschöpfungskette in der Hand, man arbeitet mit eigenen Batterien, durchwegs mit eigenen Chips, und wenn es sein muss, auch mit Kampfpreisen. Der 4,83 Meter lange Sealion 7 wird in der Basis in Österreich knapp über 45.000 Euro starten. Trotz der Strafzölle.

BYD: Magna und AVL als Partner

Spricht man Stella Li auf Österreich an, fallen Namen wie Magna, AVL, denen sie hohe Wertschätzung entgegenbringt. Magna soll auch als Zulieferer in Ungarn tätig werden, als Auftragsfertiger wird‘s schwierig, selbst die Edelmarken wie Yangwang – wie dem U8, ein Riesen-SUV, der sogar schwimmen kann, oder dem U7, eine Limousine mit serienmäßigen Keramikbremsen, 960 kW Leistung, drei Lidar-Sensoren, fünf Radargeräten und 13 Kameras an Bord – kommen nicht infrage. Keiner spricht es direkt aus, auch Stella Lis Chefberater Alfredo Altavilla (früher Fiat Chrysler) umschreibt die Hürde charmant, aber man weiß nachher Bescheid: Magna ist in der Kosten-Nutzen-Rechnung zu teuer. Aber selbst beim ehemaligen Anteilseigner Mercedes-Benz (sogar Warren Buffett investierte einst in BYD und wird von den Chinesen wie eine Trophäe genannt) schauen sie sich BYD sehr genau an. Zuletzt war bei Magna und bei der G-Produktion in Graz der Yangwang U8 zu sehen, der genau inspiziert wurde.

Inspektionsobjekt von BYD: Yangwang-SUV am Magna/Mercedes-G-Gelände
Inspektionsobjekt von BYD: Yangwang-SUV am Magna/Mercedes-G-Gelände © KK

BYD irritiert mit Entwicklungsgeschwindigkeit

Irritiert zeigt man sich in Europa nach wie vor über die Entwicklungsgeschwindigkeit, das gesamte Potenzial kann man hier zum Beispiel ablesen: Der Elektromotor des Sealion 7 schafft bis 23.000 Umdrehungen pro Minute berichtet die BYD-Mannschaft, die Fahrzeugstruktur nennt sich „Cell to Body“, die kobaltfreie Batteriezelle ist quasi Teil des Autokörpers, man spricht von Ladeleistungen von bis zu 280 kW (Batterien mit 82,5 kWh/150 kWh Ladeleistung oder 91,3 kWh/280 kWh), die Bildschirme sind 10,25 und 15,6 Zoll groß (der zentrale ist quer oder hochkant einstellbar), das Auto ist mit all seinen Warn- und Sicherheitsassistenten ein Computer auf Rädern, selbst der Eintritt ins Auto ist vierfach digitalisiert. Darunter über NFC-Karte, Smartphone oder über smarte Armbänder.

Radar umhüllt den Sealion 7

Das Auto hüllt sich mit dem sechsfachen Ultrasonic-Radar, dem fünffachen mmwave-Radar, und den Surround-Kameras in vierfacher Ausführung in Sicherheit, das Sonnendach misst 2,1 Quadratmeter, und, wenn‘s finster wird, kann man 128 Ambiente-Lichter-Einstellungen das Innere erleuchten lassen. Google Point of Interest findet außerdem jeden Platz, der vorher an Google kräftig gezahlt hat.

Die erste kurze Testfahrt zeigt Interessantes: BYD arbeitet mit guten Fahrwerksingredienzien, aber es fühlt sich immer noch anders als die Europäer an: Weicher, sanfter, nicht so direkt in der Lenkung. Aber längst zählen für viele heute andere, digitale Parameter. Das in China übliche Mikro für Karaoke im Stau ist aber noch nicht Serie.