Vor wenigen Tagen verlieh Wirtschaftsminister Martin Kocher die Staatspreise für Innovation 2024. Es ist kein Zufall, dass dabei mit der Siemens Mobility auch die österreichische Bahnindustrie wieder zu Ehren kam. Denn das Autoland Österreich ist ein Bahnland, wenn es um Innovationen, Patente und den Export geht. Das zeigt recht eindrucksvoll der internationale Vergleich.
Der Verband der Bahnindustrie (VBI) spricht von einem „wahren Leuchtturm im Export österreichischer Waren“, wohl zu Recht. Bei Schienenfahrzeugen und den zugehörigen Ausrüstungen ist Österreich weltweit auf Platz eins im Pro-Kopf-Vergleich. Und selbst ohne den Pro-Kopf-Vergleich reiht sich die heimische Bahnindustrie mit jährlichen Exporten im Gegenwert von mehr als 1,8 Milliarden Euro (Stand 2021 laut Austrian Rail Report 2023) unter den Top-5-Nationen weltweit ein. An der Spitze stehen Deutschland (3,2 Milliarden), China (2,25 Milliarden), die USA (1,84 Milliarden) – und dann bereits Österreich (1,83). Das Bahnland Schweiz steht hier mit einem Exportwert in der Höhe von knapp einer Milliarde Euro auf Platz neun. Österreichs Anteil am Weltmarkt wuchs zuletzt stark, von fünf Prozent 2018 auf fast acht Prozent 2021. Zum Vergleich: Der Anteil an der Weltbevölkerung beträgt 0,11 Prozent.
Spitze auch bei den Erfindungen
Der Branchenverband VBI gründete sich 2005 und ist Sprachrohr von rund 40 Unternehmen in einem Sektor, der direkt und indirekt für 28.000 Arbeitsplätze in Österreich und für eine Gesamtwertschöpfung von mehr als 2,7 Milliarden Euro im Jahr sorgt, wie eine Studie des Economica Institutes errechnete. „Es geht um viele hochinnovative Jobs mit einer großen thematischen Breite, weil die ganze Branche breitgefächert ist“, erklärt Hannes Boyer, VBI-Präsident.
Hochinnovativ ist das Stichwort. Der enorme Erfindergeist des Sektors zeigt sich in der Anzahl der Patente: Österreich rangiert im absoluten Vergleich der Patentanzahl auf Platz drei innerhalb der EU, wobei auch hier mit Deutschland und Frankreich nur zwei weitaus größere Länder vor Österreich liegen. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in der heimischen Bahnindustrie sind die höchsten pro Kopf in der EU – mit fünf Prozent des Umsatzes sind sie auch deutlich höher als im österreichischen Durchschnitt (3,3 Prozent).
Leichtere Wagen sparen Energie
Siemens Mobility mit Produktionen in Wien und Graz, wo auch das Weltkompetenzzentrum für Drehgestelle angesiedelt ist, ist das Flaggschiff der Branche, im langjährigen Schnitt erhält es mehr als 30 Patente pro Jahr. Den Staatspreis Innovation bekam das Unternehmen für den „bionischen Wagenkasten“, der mit der TU Wien entwickelt wurde und der das Rohbaugewicht eines U-Bahn-Wagenkastens um 20 Prozent reduziert. Das spart Rohstoffe, Energie und CO2. Man sieht sich als Klimaschutzindustrie. „Dieser Preis ist starker Rückenwind für unsere rund 1000 Ingenieurinnen und Ingenieure in Graz und Wien“, sagt Tanja Kienegger, Chefin von Siemens Mobility Österreich. Die Technologie wird bereits in der neuen Londoner Piccadilly Line angewendet, der Start des Fahrgastbetriebes wird für 2025 erwartet.