"Morgen wirst du wahrscheinlich an der einen oder anderen Stelle Schmerzen spüren", meint Betreuer Dieter Vodovnik vor dem Start des Trainings der Ringer des KSV Söding augenzwinkernd. Das ist wohl der obligatorische Warnhinweis, der an allen gefährlichen Produkten und Dienstleistungen angebracht werden muss. Doch das Risiko wird freiwillig in Kauf genommen: Vor den Österreichischen Meisterschaften im Ringen im freien Stil am 7. Mai in Mooskirchen begebe ich mich zu einem Probetraining mit dem vierfachen Österreichischen Meister David Kropf auf die Matte.

Zuerst heißt es aber Aufwärmen. Ringer Rex Kralik, der auch das Kinderturnen (2- bis 4 Jährige) und das Jugendringen (5- bis 7-Jährige) leitet, führt durch das Programm. Nach ein paar Laufrunden um die Matte geht das spezifische Aufwärmen los: Ein normaler Purzelbaum lässt sich noch machen, gestreckt oder hoch wird es schwierig. Bei Radschlag sowie Kopf- und Handstand steige ich endgültig aus. Da hilft nicht einmal das Hulk-T-Shirt, das meinem Auftreten etwas mehr (muskuläre) Spannung verleihen sollte. Davon zeigt sich aber nicht einmal KSV-Obfrau Lydia Langmann besonders beeindruckt.

"Zuerst wird man bei uns turnerisch ausgebildet, erst dann kommen die einzelnen Ringer-Techniken und das Krafttraining dazu", erklärt Vodovnik. "Das ist alles wichtig, um das Verletzungsrisiko zu minimieren." Trotzdem gönne ich mir eine Pause bis zum wichtigen Dehnen der Nackenmuskulatur. Dabei muss man nicht Hulk, sondern Spiderman nacheifern, wenn es darum geht, den Kopf auf die Matte zu drücken und dann auf allen Vieren einmal um die eigene Achse zu "krabbeln". Klingt halsbrecherisch, ist aber zur Abwechslung meisterbar.

Apropos Meister: Nun übernimmt David Kropf das Kommando. Der Schüler aus Krottendorf-Gaisfeld ist 16 Jahre alt, 1,63 Meter groß und 57 Kilogramm schwer. Bezüglich Gewichtsklasse kann ich fast mithalten, technisch könnte mich der vierfache österreichische Meister aber bestimmt ohne merkbare Berührung rücklings auf die Matte legen. Noch ist es aber nicht so weit.

Schwere technische "Prüfung"

Denn Vodovnik drückt mir ein rotes Ringerdress in die Hand. "Das sieht doch bestimmt viel besser aus", meint er. Allerdings bedeutet das auch die schwerste technische Prüfung des Abends: Wie schlüpft man ohne modisch einschlägige Erfahrung in ein hautenges Ganzkörperdress? Nach einigen Versuchen klappt es mithilfe einiger Verrenkungen über die Öffnung für den Kopf dann doch. Den Dress noch zurechtziehen und kurz ans neue Outfit gewöhnen - und schon liege ich wehrlos auf der Matte. Kropf hat wirklich Ernst gemacht. Gemeinsam mit Vodovnik versucht er, mir ein paar grundlegende Griffe und Würfe, mit denen man seinen Gegner in Schach halten könnte, zu vermitteln.

Und tatsächlich: Nach nur wenigen Augenblicken fliegt der 16-Jährige über mich hinweg - Schulterwurf abgehakt. Nur Vodovnik ist nicht ganz zufrieden. Für Beobachter dürfte der erste Versuch doch so ausgesehen haben, als ob beide Ringer einfach nur seitlich umfallen. Doch dann klappt es wirklich - und mit der richtigen Technik ist der notwendige Kraftaufwand äußerst gering. Etwas anstrengender ist da schon der Durchdreher - bei diesem Griff macht man mit dem bestenfalls wehrlosen, unter einem selbst liegenden Gegner eine Rolle seitwärts. Auch das gelingt nach ein paar Versuchen tadellos. Aber nur deshalb, weil sich "Gegner" Kropf nicht wehrt.

Gruppenbild mit einem Laien: Redakteur Rainer Brinskelle mit den Ringerinnen und Ringern des KSV Söding
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Echte Ringerkämpfe

Wie echte Ringerkämpfe aussehen, kann man am Samstag, dem 7. Mai, ab 14 Uhr in der neuen Sporthalle in Mooskirchen miterleben. Dort werden die Staatsmeisterschaft der Männer im Freistil und die Staatsmeisterschaft der Frauen ausgetragen. "Bei den Heim-Meisterschaften möchten wir natürlich Erfolge feiern, ein bis zwei Medaillen wären schon das Ziel", betont Vodovnik. Dafür sollen Kropf und die Spitzenringerin Sophie Tatzer sorgen.