Sie haben das Gradnertal und den Steirischen Brauch weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt gemacht und mit ihren Platten in den Hitparaden sogar die Beatles und Elvis Presley hinter sich gelassen. Die Rede ist natürlich von den legendären Kern-Buam, die 1948 von Musiklehrer Adolf Kern und seinen Söhnen Sepp, Hubert und Erich gegründet worden waren. Das Andenken an die weststeirischen Hitlieferanten, die um die ganze Welt tourten, wird auch heute noch vom Schneiderwirt Trio hochgehalten. Und im Kern-Buam Museum in Voitsberg bewahrt, das vor etwas mehr als 25 Jahren im Herbst 2000 eröffnet wurde.

Historischer Holzbau statt Keller

Ideengeber und Initiator war Kern-Bua und Gastwirt Fritz Pignitter, kurz Posaunen-Fritz genannt. „Mein Vater hatte im Lauf der Zeit allerlei Utensilien der Kern Buam aufbewahrt und wollte im Keller seines Hauses eine Ausstellung machen. Damit wäre aber niemand glücklich geworden“, erzählt Gottfried Pignitter. Er ist sowohl als Gastwirt beim Schneiderwirt als auch als Musiker beim Schneiderwirt-Trio in die Fußstapfen seines Vaters getreten. „Ernst Lasnik hat damals zum Glück die entscheidende Idee gehabt: Das Museum gehört unbedingt in ein altes Bauernhaus.“

Tatsächlich wurde man in der Region fündig, schließlich kaufte Pignitter zwei rund 300 Jahre alte Holzhäuser. Die Bauernhäuser Fuchsbichler in Krems und Schabl in Hochtregist wurden dort abgetragen und direkt beim Schneiderwirt in der Lobmingbergstraße wieder aufgebaut. Allein die zu einem Ensemble verschmolzenen Gebäude sind einen Besuch wert. „Die passen perfekt zusammen, wahrscheinlich stammen sie vom selben Architekten oder Bauherren. Architektonisch herausragend ist die Verbindung der Holzelemente mit doppelten Schwalbenschwanzverbindungen“, schildert Gottfried Pignitter. Rund eineinhalb Jahre hat das Unterfangen, bei dem die Zimmerei Rössl federführend mitgearbeitet hat, gedauert.

Auch heute ein Oktoberfest-Hit

Wer durch die historische Holztür eintritt, blickt ohne Umschweife den Kern-Baum in die Augen. Selbstverständlich handelt es sich um einen Pappaufsteller in Originalgröße, die Mitglieder der Originalbesetzung sind längst verstorben. Und trotzdem reißt das Interesse an den weststeirischen Stars von einst nicht ab, wie Pignitter berichtet: „Natürlich sind ein Großteil der Besucher Pensionisten, aber es kommen auch viele junge Leute, darunter auch Musiker, die wissen wollen, wer die Kern-Buam wirklich waren.“ Das Liedgut erlebt ja ein richtiges Revival: Während der Steirische Brauch etwa schon zum Standardrepertoire des steirischen Liedguts gehört, werden Hits wie „I lieg‘ im Straß‘ngrab‘n“ oder „Der Weltverdruss“ bei Zeltfesten und auf Konzerten von Volksmusikgruppen wieder häufig gespielt. Letztes Jahr startete sogar die Wiesn-Kapelle Menzl ihren Auftritt mit „Mir san vom Gradnertal“. Dass die Kern-Buam so groß rauskommen würden, war zu Beginn der Karriere nicht absehbar. „Niemand von ihnen hatte eine professionelle musikalische Ausbildung, Adolf hat alles seinen Kindern selbst beigebracht“, schildert Pignitter.

Das Schneiderwirt Trio vor dem Kern-Buam Museum in Voitsberg
Das Schneiderwirt Trio vor dem Kern-Buam Museum in Voitsberg © Schneiderwirt

Neben der eigenen Sammlung gibt es im Museum auch einige Leihgaben und zur Verfügung gestellte Exponate, etwa vom Kern-Buam-Hotel in Graz. Ein Höhepunkt der Ausstellung sind die originalen Instrumente der Musikgruppe. Eines davon, die Harmonika von Hubert Kern, hat Franz Welle vom Musikverein Graden dem Musiker einst abgekauft und später dem Museum als Dauerleihgabe überlassen. Zu sehen sind unter anderem auch ein Koffer samt Metallgeschirr, mit dem Trompeter Erich Kern 1948 aus der Kriegsgefangenschaft in Russland heimkehrte, ein originaler Fernseh-Wastl aus dem Musikantenstadl, ein Originalvertrag und zahlreiche Fotos aus der langen Karriere. Rund 100 Reisegruppen besuchen pro Jahr das Museum, im März geht die Saison offiziell wieder los. Besichtigungen samt Führung mit einer Dauer von rund 45 Minuten können unter Tel. 03142 22 112 gebucht werden.