80 Jahre AnschlussGroße Begeisterung in Weiz und Gleisdorf - aber auch Widerstand

Sowohl in Weiz als auch in Gleisdorf waren im März 1938 die Straßen in der Hand der NSDAP. Begeisterung für den „Anschluss“ war groß. Es gab aber auch Widerstand. Die Quellenlage ist sehr karg.

© Stadtmuseum Weiz
 

Nicht erst beim „Anschluss“ am 12. März 1938 wehte in den beiden Städten des Bezirks die Hakenkreuzflagge. Bereits in den Wochen zuvor – nach dem Treffen von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg mit Adolf Hitler am Obersalzberg – gab es nationalsozialistische Aufmärsche.

„In Gleisdorf hat es sich in etwa so abgespielt wie in Graz. Gleisdorf war gewissermaßen eine zweite ,Stadt der Volkserhebung‘, wie die Nazis Graz später bezeichneten“, erzählt der Gleisdorfer Stadthistoriker Siegbert Rosenberger.

Gleisdorfer Rathaus und Florianiplatz in der NS-Zeit Foto © Museum im Rathaus

Ein ähnliches Bild zeichnet auch die Weizer Chronik von Franz Hauser und Leopold Farnleitner aus dem Jahr 1982: So gab es „am 19. und 20. Feber in Weiz nationalsozialistische Kundgebungen mit bis zu 2000 Teilnehmern, die unter Gesang und Heilrufen mit Fackeln durch die Straßen der Stadt zogen“. Nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Schuschnigg am 11. März 1938 zog ein großer Fackelzug durch Weiz, wie Farnleitner berichtet. „Deutschland- und Horst-Wessel-Lieder erklangen.“

Es regte sich auch Widerstand

Es gab aber nicht nur NS-Sympathisanten in der Oststeiermark. Der Grazer Historiker Heimo Halbrainer zeichnet ein durchaus differenziertes Bild: So habe es am 11. März 1938 auch ein „anderes“ Weiz gegeben, „das nicht jubelte und seit diesem Tag verfolgt wurde“, schreibt Halbrainer im Buch „Weiz, Impressionen einer Stadt“. Als Erste in Weiz bekamen insbesondere die Vertreter des Ständestaates die Folgen des „Anschlusses“ zu spüren: Bezirkshauptmann Eduard Dolleschal wurde mit einigen Mitarbeitern inhaftiert. Auch katholische Vereine wurden aufgelöst. Der Weizer Kaplan Alfred Berchtold kam ebenfalls in Haft. Der verbotene Kommunistische Jugendverband ging daran, einen Widerstand zu organisieren, der allerdings bereits nach wenigen Monaten zerschlagen wurde.

Stadtmuseum Weiz
Die heutige Dr.-Karl-Renner-Gasse in Weiz beflaggt mit der Hakenkreuzfahne. © Stadtmuseum Weiz

Ein Problem bei der Aufarbeitung jener Zeit ist aber die karge Quellenlage. „Zu 1938 und den Folgejahren ist eigentlich nichts mehr da“, bedauert Susanne Kropac, Leiterin des Weizer Stadtarchivs. „Es wirkt so, als wäre diese Zeit ausradiert worden. Das ist aber in kleineren Städten nichts Außergewöhnliches. Keiner wollte danach irgendwie mit dieser Zeit in Berührung kommen.“

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