„Schockverliebt“ – so fühlte sich Silvia Lechner, als sie zum ersten Mal vom Beruf der Logopädin hörte. „Das war auf einer Berufsmesse in Wien, ich besuchte damals die HAK in Weiz“, erinnert sich die 42-Jährige. Nach der Matura absolvierte sie den entsprechenden Akademie-Lehrgang am LKH Graz und wurde Logopädin (siehe Infobox).

Die ersten Jahre arbeitete sie im Angestelltenverhältnis bei hiesigen Einrichtungen, seit 2009 betreibt sie ihre eigene Praxis. „Je länger ich diesen Beruf ausübe, desto mehr liebe ich es“, resümiert die dreifache Mutter.

Lechner ist eine von rund zehn freiberuflichen Logopädinnen und Logopäden im Bezirk Weiz. Die Gleisdorferin hat sich auf die Arbeit mit Kindern und Säuglingen spezialisiert. Ihre Zusatzausbildung als „Still- und Laktationsberaterin IBCLC“ kommt ihr dabei zugute.

Zu ihr finden etwa Familien mit Kindern, die nicht richtig saugen, im Spracherwerb entwicklungsverzögert sind oder die Mundmuskulatur trainieren müssen. Auch verkürzte Zungenbänder kommen in der Praxis häufig vor. Viele dieser Probleme können im Rahmen der Therapie ausgemerzt werden. Manche Kinder bleiben über mehrere Jahre in Behandlungen, etwa Kinder mit Behinderungen. 

Für Lechner ist es wichtig, eine vertrauensvolle Beziehung zu ihren Patientinnen und Patienten aufzubauen und die Eltern mit ins Boot zu holen. Was in der Therapie erarbeitet wird, sollte zuhause geübt und gefestigt werden. 

Mit Puppen und Büchern am Boden

Und wie genau arbeitet Lechner mit ihren jungen Klienten? „Hauptsächlich am Boden sitzend“, sagt sie und lacht. In ihrer Praxis gibt es jede Menge Spielsachen, etwa ein großes Puppenhaus und Bausteine, aber auch Bücher und Brettspiele. Manchmal kommen banale Dinge zum Einsatz: Der Strohhalm hat hier öfters einen großen Auftritt, mit ihm kann man etwa pusten, saugen und blubbern. „Es gibt keine Methode, die für alle passt. Man muss sich für jedes Kind die richtigen Übungen ausdenken.“

Medien können Spracherwerb behindern 

Die Nachfrage, so Lechner, steigt enorm. Ihre Warteliste ist lang. Und dazu tragen auch moderne Entwicklungen bei: „Medien sind ein großes Thema und zwar auf beiden Seiten.“ Kinder bräuchten ein lebendiges, aufmerksames Gegenüber, um Sprache zu erlernen. Schaut also das Kind zu viel auf den Bildschirm, funktioniert das ebenso schlecht, wie wenn die Erwachsenen von Smartphone und Co abgelenkt sind. 

Große Nachfrage

Auch beim Berufsverband der Logopädinnen und Logopäden weiß man um die große Nachfrage. Man würde sich ein größeres Angebot von Freiberuflern wünschen. Alice Reinisch, stellvertretende Leiterin des Kompetenzzentrums für Freiberuflichkeit: „Das bedeutet, dass mehr Studierende auszubilden sind, was auch in den letzten Jahren passiert ist. Aktuell wurden in Graz die Plätze aufgestockt, im Burgenland wurde eine neue FH errichtet, die den Studiengang Logopädie anbietet, auch Salzburg wird eine FH errichten, wo Logopädie angeboten wird.“

Alice Reinisch, stellvertretende Leiterin des Kompetenzzentrums für Freiberuflichkeit
Alice Reinisch, stellvertretende Leiterin des Kompetenzzentrums für Freiberuflichkeit © Barbara Kahr

Die Krux: Die Studierenden brauchen Praktikumsplätze während ihrer Ausbildung, die laut Reinisch jedoch sehr schwer zu finden sind: „Gerade in der Steiermark gibt es außerhalb der Krankenanstalten und Reha-Einrichtungen kaum Stellen, wo Logopädinnen und Logopäden angestellt sind, wie das etwa in Oberösterreich der Fall ist. Die Zahl der selbstständig Tätigen, die Studierende bei sich aufnehmen und ausbilden, ist nicht sehr hoch.“