„Ich war zwei Jahre alt, da hab ich das erste Mal Gewalt mitbekommen. Mein Vater hat meine Mutter geschlagen“, erzählt Bettina (Name redaktionell geändert). Die 35-Jährige stammt aus Ungarn, als sie 13 ist, verlässt ihre Mutter die Familie und geht nach Österreich, um sich zu prostituieren. Mit ihren zwei jüngeren Geschwistern bleibt Bettina zurück bei ihrem gewalttätigen Vater.

„Mit 17 bin ich auf der Straße gelandet“, erzählt sie. Sie flüchtete nach Österreich, jobbte hier, landete aber schlussendlich abermals auf der Straße. Dort lernte sie ihren späteren Partner kennen. „Er hat zu mir gesagt, wenn ich bei ihm putze und für ihn koche, kann ich mitkommen. Welche Wahl hatte ich?“

Eingesperrt und geschlagen

Bettina wurde schwanger, ihr Sohn ist mittlerweile drei Jahre alt. An seinem ersten Geburtstag flüchtete sie ins Frauenhaus, nachdem ihr Ex-Partner ihr massive Gewalt angetan hatte. Die Situation war wegen einer Kleinigkeit eskaliert: Bettinas Mutter brachte Holz zum Heizen. „Es hat sein Ego verletzt, weil er kein Holz hatte, aber sie schon“, erzählt Bettina. „Er hat mich gewürgt. Ich bin rausgelaufen und hab zur Nachbarin gesagt: Ruf die Polizei, sonst bringt er mich um.“

Zuvor kam es bereits mehrmals zu Gewalt, er sperrte Bettina zu Hause ein. „Ich hab nicht allein einkaufen dürfen, hab die Wohnung nicht verlassen dürfen. Er war sogar eifersüchtig auf seinen Sohn.“

Flucht ins Frauenhaus

„Ich bin mit Patschen, Hose, T-Shirt und Kind im Frauenhaus angekommen, sonst hatte ich nichts.“ Nach einem halben Jahr wechselte sie in eine Krisenwohnung. Die Angst blieb jedoch bestehen. Bei der Gerichtsverhandlung wegen der Körperverletzung begegnete sie ihrem Ex-Partner, „obwohl es geheißen hat, ich muss ihn nicht sehen.“

Frauen müssten besser geschützt werden, ist sie überzeugt. „Du bekommst ein Alarmgerät, aber wenn du angegriffen wirst, schaffst du es oft gar nicht mehr, den Alarm auszulösen.“ Ebenso haderte sie damit, dass die Bezirkshauptmannschaft (BH) einen Brief an ihren Ex-Partner schickte zwecks der Unterhaltszahlung. „Ich hab mich eine Woche nicht aus dem Haus getraut, weil ich mir gedacht hab, jetzt weiß er, in welchem Bezirk ich wohne.“

Finanzielle Unterstützung bei Miete

Fünf Jahre saß er zuvor bereits im Gefängnis, er ist mehrmals vorbestraft. Kontakt hat sie jetzt keinen mehr zu ihm. Bettina lebt nicht mehr in der Krisenwohnung und hat jetzt eine eigene Wohnung. „Steier helfen Steirern“ unterstützte sie bei der Bezahlung der Miete.

Sie ist außerdem dabei, einen Job zu suchen. „Ich würde gern als Kinderbetreuerin arbeiten und hoffe, ich bekomme finanzielle Unterstützung bei der Ausbildung.“ Ihr Sohn besucht den Kindergarten, der Alltag der beiden pendelt sich langsam ein.

Nicht zurück in Gewaltbeziehung

Bettina blickt positiv in die Zukunft. „Es gibt immer einen Weg.“ Diese Botschaft will sie auch Frauen vermitteln, die sich in ähnlichen Situationen befinden. „80 Prozent der Frauen im Frauenhaus gehen zurück zu ihren Partnern, aus Angst, wegen der Kinder oder wegen finanziellen Problemen“, sagt sie. Ein Problem sei weiters oft, dass die Frauen kein Deutsch sprechen. Sie appelliert an die Frauen, nicht zurückzukehren in die Gewaltbeziehung, auch wenn es schwierig ist. Ihre größte Stütze in der schlimmsten Zeit war ihr Sohn. „Er ist die einzige Person, die mich richtig liebt, das gibt so viel Kraft.“