Die Stimmung war schon einmal besser am Josef-Ressel-Weg, draußen an der Leibnitzer Peripherie, nahe der B67. Es ist aber nicht die Jahreszeit, die aufs Gemüt drückt, sondern das Bauwerk, dass die Anrainer vor die Nase gesetzt bekommen haben: Das Einkaufszentrum "Weinland".
Zwei Stock hoch. "Früher, da haben wir schon von weitem gesehen, wenn der Regen von Graz kommt", schildert einer der Bewohner der Einfamilienhäuser in der Gasse. Seit wenigen Monaten sieht er, wenn er nach Norden blickt, nur mehr eine Wand, wenige Meter von seinem Haus entfernt. Zwei Stock ist das Einkaufszentrum, das im kommenden Frühjahr eröffnet werden soll, hoch. Zum Ärger der Anrainer.
Blick auf Betonsäulen. "Aussichtsmäßig ist es jetzt wirklich blöd für uns", sagt ein Mann mittleren Alters. Blickt er aus seinem Wohnzimmer, sieht er derzeit nur Betonsäulen, der Wildoner-Kogel ist für immer aus dem Blickfeld verschwunden. Verschwunden ist auch sein Kampfgeist: Anfangs wollte er den Volksanwalt einschalten, sogar die Baustelle mit einstweiliger Verfügung sperren lassen. "Wir hätten auch Betonsockel aufstellen können, um den Baustellenverkehr zu behindern."
Im Stich gelassen. Allein, nach einem emotionalen Gassengespräch, an dem auch Bürgermeister Helmut Leitenberger teilnahm, fühlt er sich etwas im Stich gelassen - von der Politik genauso wie von seinen Nachbarn. Und von den Bauträgern sowieso. "Ich will fachlich reden, aber man wird nur von oben herab behandelt." Und etliche seiner Nachbarn wollen keinen Ärger riskieren, ihre Ruhe haben. Wirklich ruhig ist es derzeit aber nicht: Es herrscht reger Baustellenverkehr, ein Bagger ist auf dem verdreckten Weg unterwegs, ein Bursche schleppt Absperrgitter durch die Gegend, zwei Arbeiter beobachten das Treiben.
Abwanderung. In einem Garten schneidet einer der Bewohner Holz. Er meint, dass es mit den Parkplätzen eng werden könnte, wenn das Shopping-Fieber über das Zentrum hereinbricht. Andere Sorgen hat ein benachbartes Ehepaar: "Wenn wir könnten, würden wir unser Haus verkaufen." Allerdings befürchten sie eine kräftige Abwertung durch das Einkaufszentrum vor ihrer Haustür. Etliche würden sogar an eine Abwanderung denken. Erst einziehen will hingegen ein anderer Mann in sein neues Haus. Die Sicht ist ihm nicht verstellt, Freude hat er dennoch keine: "Vor fünf Jahren hätte niemand gedacht, dass hier was herkommt. Da war alles noch herrlich grün."
Zwei Stock hohes Einkaufszentrum verärgert Anrainer
An der Leibnitzer Peripherie wird ein großes Einkaufszentrum errichtet. Die Bewohner des Josef-Ressel-Weges haben damit keine Freude.
© Thomas Wieser