Cornelia Richter kam nach Leibnitz – und blieb nicht bei frommen Floskeln. Die evangelische Bischöfin, aufgewachsen in Bad Goisern, frühstückte mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Leibnitz – und ließ sich auf Fragen ein, die Jugendliche bewegen: Was macht eine Bischöfin außer Akten zu lesen? Wie denkt sie über das Kopftuchverbot? Und ist es für Frauen in hohen Kirchenämtern anders als für Männer?
Auf Initiative von Marianne Pratl-Zebinger kam Cornelia Richter nach Leibnitz. Die Pfarrerin der evangelischen Kirche hatte sich schon kurz nach der Amtseinführung um den Besuch bemüht – entsprechend groß war die Freude, dass die Bischöfin trotz eng getakteten Kalenders Zeit fand. In Leibnitz warteten keine stillen Zuhörer, sondern bestens vorbereitete Jugendliche. Richter lobte die „wirklich tollen“ Fragen und sprach davon, dass es ein „Geschenk“ sei, diesen Vormittag miterleben zu dürfen.
Weg mit dem Kopftuch?
Die Jugendlichen diskutierten engagiert – etwa über das Kopftuchverbot – die Bischöfin plädierte für Gleichbehandlung statt Ausgrenzung: Wer ein religiöses Symbol verbiete, müsse damit rechnen, dass bald auch andere infrage gestellt werden – „dann kann als Nächstes auch jedes Kreuz verboten werden.“ Ihr Appell an die Runde: mehr miteinander reden als übereinander und gegeneinander.
Beim Thema Frauen in hohen kirchlichen Ämtern antwortete Cornelia Richter, die in ihrem Amt fast ausschließlich männlichen Bischofskollegen begegnet, mit einer bezeichnenden Metapher: „Wenn dir als Frau der Fußball vor die Füße rollt, musst du das Tor schießen.“
Zum Abschied überreichten die Schülerinnen und Schüler Richter ein Buch mit persönlichen Dankesworten. Die Bischöfin versprach, es werde einen besonderen Platz in ihrem Büro bekommen. Dann ging es für sie weiter nach Klagenfurt. Zuvor hatte Pfarrerin Marianne Pratl-Zebinger den Vormittag in Leibnitz noch in einen Satz gefasst. Direkt an die evangelische Bischöfin gewandt, sagte sie: „Ich finde großartig, wie du unsere Jugend zum Glänzen bringst.“