Was tun, wenn das Lesen schwerfällt? Wer hilft, wenn Zahlen keinen Sinn ergeben? Andrea Schmer-Galunder hat sich als diplomierte Trainerin des Österreichischen Dachverbands Legasthenie auf genau jene Herausforderungen spezialisiert.
In Weitendorf bei Wildon arbeitet sie seit 15 Jahren mit Kindern und Jugendlichen von der Volksschule bis zum Gymnasium, die sich beim Lesen, Schreiben und Rechnen schwertun. „Legasthenie und Dyskalkulie sind keine Krankheiten und haben auch nichts mit verminderter Intelligenz zu tun“, betont Schmer-Galunder. Es handle sich um genetisch bedingte Besonderheiten in der Wahrnehmung, die sich vor allem im sprachlichen und mathematischen Bereich bemerkbar machen.
Lesen und Mathematik
Die Ausprägung ist individuell. Manche Kinder haben Schwierigkeiten, das kleine Einmaleins zu verinnerlichen oder Textaufgaben zu lösen, andere stocken beim Lesen oder verwechseln Buchstaben. „Charakteristisch ist, dass die Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit Zahlen und Buchstaben stark schwankt“, so Schmer-Galunder.
Um Auffälligkeiten zu erkennen, erstellt sie ein pädagogisches Gutachten. Das Training beginnt mit Aufmerksamkeitsübungen, darauf folgt das Wahrnehmungstraining mit Lernspielen und Arbeitsblättern. Anschließend widmet sich Schmer-Galunder dem Symptomtraining: Dabei werden individuell Maßnahmen erarbeitet und kleine Energierituale für den Alltag eingeübt.
Selbstvertrauen fördern
Großen Wert legt sie darauf, Druck und Dramatik aus der Situation zu nehmen – sowohl bei den Kindern als auch bei den Eltern. Zusätzlich erstellt sie gemeinsam mit den Kindern ein Stärkeprofil und sorgt für positive Motivation. „Wenn man positiv an etwas herangeht, können gespeicherte Informationen viel besser abgerufen werden“, erklärt sie. Es sei besonders wichtig, das Selbstvertrauen der Kinder zu fördern – denn sie hätten die gleichen Chancen in Ausbildung und Beruf wie alle anderen.
„Es ist eine wunderschöne Arbeit, junge Menschen auf ihrem Bildungsweg begleiten zu dürfen“, sagt Schmer-Galunder. In Einzelfällen erfolgt die Unterstützung auch über eine Kooperation mit dem Kiwanis Club Leibnitz, der Trainings für Kinder aus finanziell schwächeren Familien finanziert. „Ich bin sehr dankbar für diese Kooperation. Jedes Kind, das ein Training braucht, soll auch ein Training bekommen“, sagt sie.