Es begann schleichend: Bei einem zehn Kilometer langen Trainingslauf für den Grazathlon vor drei Jahren machte bei Karina Resch (39) aus Stainz plötzlich das linke Bein nicht mehr mit. Zuerst habe sie sich nicht viel dabei gedacht – vielleicht war es Überanstrengung oder sie hatte einfach einen schlechten Tag? Nach und nach wurden die Symptome jedoch schlimmer. Aus zehn Kilometern wurden fünf Kilometer und aus fünf Kilometern wurden letztlich überhaupt nur mehr wenige hundert Meter, die Resch ohne körperliche Einschränkungen zurücklegen konnte.
Ihren letzten Lauf absolvierte die 39-Jährige zu Silvester 2022. Danach versuchte sie auf Radfahren umzusteigen, legte sich gemeinsam mit ihrem Sohn ein Rennrad zu. Aber auch das ging irgendwann nicht mehr. „Ich bin ohne Probleme 20 bis 30 Kilometer Rad gefahren. Dann bin ich abgestiegen und umgefallen“, erzählt die einst sportbegeisterte und energiegeladene Mutter von drei Kindern. Mittlerweile kann Resch ungefähr 500 Meter gehen, bevor ihr Fuß zu schleifen beginnt. Nach einem Kilometer benötigt sie ihren Gehstock.
Symptome breiteten sich aus
Die zahlreichen Ärzte, die Resch in den vergangenen drei Jahren besucht hat, vermuteten zunächst einen Bandscheibenvorfall. „Auch ich habe lange daran geglaubt“, erklärt die Stainzerin. Jegliche Therapien verliefen jedoch ohne Erfolg. Und im Herbst des Vorjahres begannen die Symptome dann auch in ihren Händen. „Da habe ich dann Panik bekommen. Auf Füße kann man ja verzichten, aber ohne Hände geht gar nichts mehr“, schildert Resch die von Unsicherheit geprägten Monate vor der Diagnose.
Ein MRT von Kopf und der gesamten Wirbelsäule gab schließlich Aufschluss. Resch war an Primär Progredienter Multipler Sklerose (PPMS) erkrankt, der seltensten Form der Autoimmunerkrankung, die nur zehn bis 15 Prozent aller MS-Erkrankten betrifft, sowie an einer Rückenmarksentzündung.
Spendenaufruf für Stammzellentransplantation
In Österreich gibt es ein zugelassenes Medikament für die Erkrankung, Resch hofft aber auf bessere Chancen durch eine autologe Stammzellentherapie. Diese wird in Österreich nicht angeboten, sehr wohl aber in Deutschland: „Dort wurde ich aber abgelehnt, weil bisher noch keine Transplantation von einer österreichischen Krankenkasse bewilligt wurde“, so Resch. Deshalb startete sie einen Spendenaufruf, um die Therapie in einer mexikanischen Klinik durchführen zu können. Der Termin steht schon fest, im Oktober soll die Therapie beginnen. „So wie es mir jetzt geht, glaube ich, dass ich ohne die Therapie nächstes Jahr im Rollstuhl sitze“, begründet Resch ihre Entscheidung.
Auch im Alltag schränkt die Krankheit die Stainzerin immer mehr ein: Zweimal versagte ihr linker Fuß – der rechte funktioniert nach wie vor einwandfrei – beim Autofahren bei der Kupplung. Seitdem fährt sie nur noch Automatik. Ihren Teilzeitjob im Büro kann Resch noch gut ausüben, „gegen Mittag werden meine Finger aber bamstig.“ Sie fügt hinzu: „Es ist meine größte Angst, dass meine Finger versagen und ich nicht mehr arbeiten kann.“ Zusätzlich verspürt sie extreme Müdigkeit und Erschöpfung.
Die größte Stütze in dieser schweren Zeit ist für Resch die Familie. „Seit der Diagnose sind wir noch einmal enger zusammengewachsen“, freut sich die 39-Jährige. „Und obwohl mein Mann fast am meisten mit der Situation kämpft, lässt er es mich nicht spüren.“ Auch von den Menschen, mit denen sie seit ihrem Spendenaufruf in Verbindung kam, habe sie sehr viel Unterstützung bekommen, mit der sie nicht gerechnet habe. Jetzt heißt es hoffen, dass die Therapie erfolgreich ist und: „dass ich zu Weihnachten gesund bin.“