Am Hof von Familie Unger im beschaulichen 330-Einwohner-Ort Grabersdorf (Gemeinde Gnas) kommen dieser Tage Frühlingsgefühle auf. Narzissen sprießen aus ihren Zwiebeln und vor der Haustür genießt Aiko, ein cremefarbener Golden Retriever, die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres. Ringsherum wird er von Hasen, Hühnern und einer Schildkröte bewacht – aus Porzellan. Pünktlich zum Saisonstart von „Urlaub am Bauernhof“ haben die Ungers ihren Hof mit bunter Osterdeko geschmückt.

Golden Retriever Aiko ist fixer Bestandteil am Bauernhof Unger
Golden Retriever Aiko ist fixer Bestandteil am Bauernhof Unger © KLZ / Julia Schuster

„Urlaub am Bauernhof“-Pioniere

Seit 50 Jahren kann man am Hof von Familie Unger Urlaub machen. Maria und Alois Unger sahen in den 1970er Jahren in der Landwirtschaft keine Zukunft mehr – und beherbergten als einer der ersten Betriebe in der Südoststeiermark unter der Dachmarke „Urlaub am Bauernhof“ Gäste.

Kind, Kegel und Schwiegereltern

„In den Anfangsjahren sind die Familien mit Kind, Kegel und Schwiegereltern gekommen und 14 Tage geblieben. Heute kommen kleinere Familien für vier oder fünf Tage“, erzählt Unger. Es kommen aber auch junge Paare oder ältere Damen als Gruppe – den Durchschnittsgast gebe es nicht.

Jedenfalls seien die Gäste internationaler geworden: Sogar aus Australien, Amerika, Japan oder Indien reisten schon Urlauberinnen und Urlauber an, erzählt Unger, und zeigt auf eine Weltkarte im Eingangsbereich des Hauses, in der sich die Gäste verewigt haben. Viele davon würden in der Region Freunde oder Verwandte besuchen.

Aus allen Ländern, in denen eine Nadel steckt, kamen bereits Gäste
Aus allen Ländern, in denen eine Nadel steckt, kamen bereits Gäste © KLZ / Julia Schuster

Wo er sicher ist: „‚Urlaub am Bauernhof‘ boomt, das liegt an der Ruhe und der Umwelt. Und der Krieg – leider gibt es ihn – spielt dem heimischen Tourismus in die Karten.“

Viele Behindertengruppen am Hof

„Unsere älteste Stammgastdame ist 86 Jahre und kommt seit 30 Jahren zweimal im Jahr für drei Wochen aus Wien“, erzählt Unger stolz. Zu vielen Gästen entwickelte sich eine enge Freundschaft. „Bei uns fährt nicht das Zimmer Nummer Fünf heim, sondern Klaus und Martina. Das Familiäre ist uns wichtig“, erklärt Unger.

Das Credo der Familie: „Jeder hat das Recht auf Urlaub.“ Nach diesem Motto bieten die Ungers für Behinderteneinrichtungen „Urlaub am Bauernhof“ an. Mittlerweile buchen durchschnittlich 30 Gruppen pro Jahr bei ihnen einen Aufenthalt. Auch Kinder aus dem „SOS Kinderdorf“ seien schon bei ihnen auf Urlaub gewesen: „Die Kinder haben einen schweren Start ins Leben und müssen einiges wegstecken. Es ist schön zu sehen, wenn sie eine Woche abschalten können“, erzählt Eva Unger, die Frau von Alfred Unger. Als Diplom-Sozialbetreuerin im Schwerstbehindertenbereich hat sie sich diesem Thema besonders verschrieben.

Kängurus in Österreich

Seit 2019 trägt der Betrieb zudem das Gütesiegel Erasmus+: Jugendliche mit Beeinträchtigung aus Europa absolvieren am Hof der Ungers ein Praktikum und tauchen dabei in die Traditionen und Bräuche von Österreich ein. Zudem leben am Hof der Ungers dauerhaft zwei Menschen mit leichter Beeinträchtigung, die auf freiwilliger Basis mitarbeiten. Woher die Ungers den Antrieb nehmen? „Wir haben in der Familie einige Schicksalsschläge erfahren dürfen. Sie haben uns darin bestärkt, Menschen eine Möglichkeit zu geben. Wir machen das mit Leib und Seele, auch wenn es kräfteraubend ist.“

Was bei „Urlaub am Bauernhof“ nicht fehlen darf, sind Tiere: Rund 20 verschiedene Rassen haben dort ihre Heimat gefunden: von Hühnern, Hasen und Enten über Ziegen und Pferde bis hin zu Fischen, Pfauen, Emus und Kängurus. Die Gäste können bei der Fütterung hautnah dabei sein, was den Ungers auch ein Anliegen ist: „Viele Kinder wissen gar nicht mehr, wie die Tiere aussehen und was sie fressen. Bei uns können sie das lernen“, erklärt Eva Unger.

Eine Attraktion sind die Kängurus, die Alfred Unger in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zum runden Geburtstag seiner Frau nach Hause brachte und seither am Hof nicht mehr wegzudenken sind.