Es war Anfang Mai, als in der Gemeinde Unterlamm (Bezirk Südoststeiermark) ein verwundeter Seeadler aufgefunden wurde. Ein aufmerksamer Passant hatte das erwachsene Tier mit einem jungen Fuchs in den Fängen entdeckt. Der Greifvogel wirkte laut BirdLife stark beeinträchtigt und zeigte keinen Fluchtinstinkt. Sein Zustand war so schlecht, dass er sich fangen ließ. Trotz fachkundiger Betreuung verendete das Tier kurze Zeit später.

„Der tote Seevogel wurde von uns dem Amtstierarzt zur weiteren Untersuchung übergeben“, so Alois Maier von der BH Südoststeiermark. Dieser testete den verendeten Greifvogel auf Infektionskrankheiten wie die Vogelgrippe – Standard bei tot aufgefundenen Wildvögeln. Bald erhärtete sich jedoch ein anderer Verdacht: Eine Vergiftung könnte die Todesursache sein.

Illegales Gift als Todesursache

Das Tier wurde daraufhin den Experten des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien übergeben. Dort fanden die Fachleute violettes Granulat im Verdauungstrakt des Adlers. „Die toxikologische Analyse ergab: Es handelt sich um Carbofuran“, teilte BirdLife mit. „Auch am Kadaver des Fuchswelpen wurde das Gift nachgewiesen – dieser wurde zuvor mit Jagdmunition erschossen. Die Indizien sprechen klar für eine gezielte Köderlegung.“

Carbofuran ist laut BirdLife ein hochgefährliches Pestizid, dessen Besitz in Österreich seit 2008 verboten ist. Bereits kleinste Mengen könnten für Wildtiere, Haustiere und sogar Menschen tödlich sein. Johannes Hohenegger, Greifvogelexperte bei BirdLife Österreich, spricht von einer „besonders heimtückischen Form der Wildtierkriminalität“. Für Christina Wolf-Petre vom WWF Österreich ist der Vorfall „ein schwerwiegender Angriff auf die Artenvielfalt der Steiermark“. Solche Straftaten dürften nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Landeskriminalamt ermittelt

Daher haben BirdLife und WWF den Fall dem Landeskriminalamt angezeigt. „Im Landeskriminalamt wartet man aber noch auf ein Gutachten der Veterinärmedizinischen Universität Wien, das die Vergiftung auch schriftlich bestätigt“, so Polizeisprecher Fritz Grundnig Donnerstagabend auf Anfrage der Kleinen Zeitung. Laut Grundnig handelte es sich bei dem verendeten Seeadler zudem um ein Wildtier, er war also nicht mit einem GPS-Sender ausgestattet. Auch Maier berichtet, dass es sich beim verendeten Tier nicht um einen jener vier Seeadler handle, die in der Südoststeiermark angesiedelt sind. „Gott sei Dank. In der Südoststeiermark haben wir derzeit nur diese zwei Brutpaare“, so Maier.