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Steirerin des TagesSchwimmerin Caroline Pilhatsch: "Das ist schon etwas ganz, ganz Großes"

Mit der Silbermedaille bei der Schwimm-WM hat sich die Grazerin Caroline Pilhatsch (19) das größtmögliche Geschenk schon vor Weihnachten gemacht.

Caroline Pilhatsch beim Empfang in Graz mit der Silbermedaille aus Hangzhou © GEPA pictures
 

Er ist einer der berühmtesten Österreicher, der sich je einen Ski angeschnallt hat, sie eine junge Schwimmerin aus Graz. Er hat zeit seines Lebens auf zwei Brettern unzählige spektakuläre Geschichten geschrieben, sie hat ihre eigene vor Kurzem erst begonnen. Er heißt Hermann Maier, sie Caroline Pilhatsch – und obwohl sich die beiden in ihrer Sportart und in eigentlich so ziemlich allem unterscheiden, gibt es da etwas, was sie eint.

Und zwar etwas ganz Entscheidendes, wenn es darum geht, im Sport Erfolg zu haben. Sie sind bissig, eisern und in der Lage, nicht zurückzustecken, sondern zuzulegen, wenn es darauf ankommt. „Mentalitäts-Monster“ eben, wie man im Sport gerne sagt. Jene Attribute, die Caroline Pilhatsch zu ihrer sensationellen Silbermedaille über 50 Meter Rücken bei der Kurzbahn-WM in China verholfen haben. Es hat also so seine Gründe, weshalb ihr jahrelanger Trainer, Dirk Lange, Pilhatsch mit Hermann Maier vergleicht: „Es war ihr zweites Finale auf internationaler Ebene. Da eine Medaille zu holen, ist überragend“, sagt der Deutsche und unterstreicht den Wert der Silbermedaille.

Es war ihr zweites Finale auf internationaler Ebene. Da eine Medaille zu holen, ist überragend

Pilhatschs Trainer Dirk Lange

Und ein weiterer Aspekt stimmt ihn optimistisch, wenn er über die Athletin spricht: Beim WM-Finale über 50 Meter Rücken war die 19-Jährige Grazerin nicht nur die zweitschnellste Frau der Welt, sondern die schnellste Europäerin. „Sie hat sich in China von Mal zu Mal gesteigert, ist selbstbewusst aufgetreten und hatte keine Angst gegen große Namen, die mit ihr im Becken waren“, erzählt der Deutsche. Pilhatsch ist, weiß ihr Trainer, in der Lage, in Extremsituation noch ein Plus an Leistung herauszuholen. Lange: „Wenn sie so weiter macht und entsprechende Trainingsbedingungen vorfindet, ist das der Anfang einer großen Karriere.“

Caroline tanzte in der Turnerinnen-Familie aus der Reihe

Diese hoffentlich einmal große Karriere hat einen ganz anderen Anfang genommen, als man vermuten würde. Nicht im Hallenbad, sondern in der Turnhalle hat Caroline Pilhatsch begonnen. Mutter Birgit war einst eine erfolgreiche Gymnastin, holte selbst bei der Heim-EM in Wien 1984 den fünften Platz und hat damals für Furore gesorgt. Vater Alexander war als Schwimmer 1984 und 1988 zwei Mal bei Olympischen Sommerspielen. Die vier Töchter haben sich alle in der Rhythmischen Gymnastik versucht, die zwei Söhne im Schwimmsport – man konnte fast von einer kleinen Tradition sprechen. Doch Caroline tanzte aus der Reihe. Als junge Gymnastin war sie „schon früh recht groß im Vergleich zu den Schwestern und etwas athletischer“, erinnert sich Caroline Pilhatsch, „und irgendwann hat mich mein Vater gefragt, ob ich nicht einmal in das Wasser springen möchte.“ Heute lächelt Caroline, wenn sie darüber spricht – und ihr Vater erinnert sich noch gut an diesen Moment: „Sie hatte Tränen in den Augen und hat mich gefragt: ,Aber Papa, ich bin doch ein Mädchen!‘“

Aber Papa, ich bin doch ein Mädchen!

Caroline Pilhatsch als 12-Jährige
 

Doch plötzlich hat es ihr das Wasser angetan. Es war 2011, als sie sich endgültig dem Schwimmsport verschrieben hat – und 2012, als die Grazer Schwimmszene mit Dirk Lange einen prominenten Trainer bekommen hat. Und dieser hat rasch das Potenzial erkannt, das in der jungen Grazerin schlummert. „Mir ist früh aufgefallen, dass sie cool bleibt, wenn die Belastung groß wird. Sie kann Dinge ausblenden, die vielleicht stören sind“, erzählt Lange. Und er ist sich sicher: „Sie hat alle Chancen, in Österreich in die Fußstapfen von Markus Rogan von Mirna Jukic zu treten.“

Sie hat alle Chancen, in die Fußstapfen von Markus Rogan von Mirna Jukic zu treten.

Trainer Dirk Lange

Weihnachten ist die Zeit der Wünsche. Mit der Silbernen hat sich Pilhatsch selbst schon vor der Bescherung ein Geschenk gemacht, das unersetzlich und der Lohn für viele harte Trainingsstunden und Entbehrungen ist. „Das ist schon etwas ganz, ganz Großes“, sagt sie. Doch, und das zeichnet Spitzensportler wie sie aus, sie will und wünscht sich noch mehr. „Dass es so weitergeht“, sagt sie knapp, lächelt, und blickt auf die schwere Silbermedaille, die in ihrer Hand liegt. Und dann wird sie konkret: Da 50 Meter Rücken nicht im Olympia-Programm stehen, nimmt sie nun die 100 Meter in Angriff. „Die Schnelligkeit gilt es beizubehalten, die 100 Meter durchzudrücken. Wir haben da schon unsere Methoden, wie wir uns dem annähern wollen“, erzählt Pilhatsch selbstbewusst und angriffslustig. Und wer weiß, welche Geschichten diese junge Frau mit dieser Einstellung noch schreiben wird, wenn sie weiter macht, wie bisher.

Steckbrief

Caroline Pilhatsch, geboren am 1. März 1999 in Graz
Wohnort: Graz
Verein: Allgemeiner Turnverein Graz
Größe: 1,79 Meter
Trainer: Dirk Lange
Größte Erfolge: Silber bei der Kurzbahn-WM 2019 in China (50 Meter Rücken), Gold (50 Meter Rücken) und Silber (50 Meter Delfin) bei der Junioren-EM in Baku 2015

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