Steirer des TagesEin Unbestechlicher packt seine Koffer

Ein Vierteljahrhundert lang war er im Landesrechnungshof aktiv, jetzt geht Georg Grünwald in Pension – und im russischen Bus auf Reisen.

georg gruenwald landesrechnungshof
Georg Grünwald, Landesrechnungshof © kk
 

In meinem Büro ist es sehr ordentlich, trotzdem ich finde nicht alles“, schmunzelt Georg Grünwald. Der stellvertretende Leiter des Landesrechnungshofes packt seine sieben Sachen: Am 15. März wird er 25 Jahre lang für die wichtigste Kontrollinstanz der Steiermark gearbeitet haben. Bereits sein erster Bericht machte Schlagzeilen: „Rechnungshof geißelt Spitäler“, titelten 1993 die Grazer Tageszeitungen. Auch der letzte Prüfbericht vor dem Ruhestand zielt auf die Gesundheitsversorgung der Steirer ab – eine Herzensangelegenheit. Wobei: Den größten Nachhall hatte die Prüfung des Tierparks Herberstein. Das Förderwesen wurde infolge umfangreich verbessert. Effektiv auch die Prüfung der Pflegeheime: Es gibt mehr Personal und (bald) neue Verträge. „Ein Erfolg meines ganzen Teams.“

Privat geht Grünwald liebend gerne Schwammerlsuchen oder fährt fort. Ein russischer Kleintransporter UAZ 452 wurde nach seinen Plänen adaptiert: Land – und vor allem Leute – will der 64-Jährige erfahren, sei es in Georgien oder in Portugal.

"Kein guter Schüler"

Dass er einmal eine Prüfer-Institution werden würde, hätte sich der Grazer zu Schulzeiten nicht gedacht. „Ich war bei Gott kein guter Schüler“, gibt er zu. Seine Kollegen im Kepler-Gymnasium, darunter ein gewisser Franz Voves und Thomas Spitzer, dürften das bestätigen. Auch auf der Universität war Grünwald nicht sofort am Ziel: „Ich wollte technische Chemie studieren – aber das war nichts für mich.“ Ebenso wenig die Betriebswirtschaftslehre, dann aber umso mehr die Volkswirtschaft. „Ein Semester war ich der einzige Hörer“, erinnert er sich an eine Vorlesung über Verteilungspolitik.

So wichtig die Theorie sein mochte, Lebenserfahrung sammelte Grünwald bei Nebenjobs: „Ich war Tankwart, habe plakatiert, überstellte Autos oder war in einer geschlossenen Anstalt tätig.“ Auch in einer Telefonzentrale erlebte er, wie schwer es viele Leute hätten.
Beruflich landete er in der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse. Gleichsam als Mann der Zahlen: „Auf der Uni hat es bei mir Klick gemacht, seither interessiert und fasziniert mich Mathematik.“ Das führte einst so weit, dass er in einer Abrechnung „zwei Tage lang nach zwei Groschen“ geforscht hätte. „Im Rechnungshof ist mir in 25 Jahren kein einziger Rechenfehler in den Berichten unterlaufen.

Zur Person

Georg Grünwald, geboren am 18. März 1953 in Graz.

Er schloss das Volkswirtschaftsstudium in Graz ab, arbeitete bei der Gebietskrankenkasse.

1993 kam er „durch Zufall“ zum Landesrechnungshof – Spezialgebiete Gesundheit, Pflege und Wirtschaft.

Dabei kam er „durch Zufall“ zum Kontrollorgan. So sollte Grünwald für die Kasse den Kosten der Dialyse nachgehen. Er erfuhr, dass auch der Landesrechnungshof (Leiter damals : Herbert Lieb) da nachforscht. Ein Gespräch ergab das andere, Grünwald bewarb sich und kam 1993 ins Land.

Druck oder Verlockungen ließen ihn stets kalt. „Die Politik muss für die Menschen da sein“, lautet ein Credo.

Kommentieren