Beharrlichkeit war es, die vor 20 Jahren dazu führte, dass in Hartberg eine Frauen- und Mädchenberatungsstelle eröffnet wurde. Zwei Jahrzehnte später sind viele Themen, mit denen sich Frauen an die Institution wenden, noch immer dieselben. Auch wenn beispielsweise Social Media, viele neue Fragestellungen aufwirft.

„Ich bin ziemlich beeindruckt, was vor zwei Jahrzehnten hier in Hartberg auf die Füße gestellt wurde“, sagt Christina Chromecki, Obfrau und Juristin in der Beratungsstelle. Die damaligen Gründungsmitglieder hätten den Bedarf aus ihrer Arbeit im Sozialbereich heraus erkannt. Deshalb wird auch am 5. März und damit kurz vor dem Internationalen Frauentag, gefeiert. „Es war uns ein Anliegen, das rund um diesen Tag zu machen, weil die Frauen- und Mädchenberatung aus so einer solidarischen Bewegung heraus entstanden ist“, sagt Chromecki.

Beziehungsthema ist präsent

Zu ihr als Juristin kommen – und das hat sich in den letzten Jahren nicht verändert – viele Frauen, die sich gerne trennen oder scheiden lassen wollen. „Das Beziehungsthema gibt es bei uns immer.“ Was sich allerdings verändert hat: „Es gibt heutzutage mehr Möglichkeiten selbstbestimmt den eigenen Weg zu gehen“, weiß die Obfrau.

Dabei rückt allerdings in den letzten Jahren ein Aspekt immer stärker in den Fokus: Geld und die finanzielle Abhängigkeit von Männern. „Auch wenn jemand berufstätig ist, aber nur zehn oder zwölf Stunden arbeitet, reicht das Geld zum Leben nicht aus“, weiß Jeannine Pichler. Ihre Kollegin Birgit Olbrich fügt hinzu: „Oft haben Frauen schon länger den Wunsch sich zu trennen, aber erst wenn sie eine Perspektive haben, wagen sie den Schritt.“ Dabei denkt Olbrich an Frauen, die beispielsweise in der Landwirtschaft mitgearbeitet haben, dann aber einen eigenen Job haben und plötzlich auch die Möglichkeit sehen, sich trennen zu können.

Frage der Ausbildung

Was die Frauen in der Beratungsstelle allerdings auch merken, ist, dass eine Ausbildung nicht mehr allen jungen Frauen wichtig ist. „Selbstständig sein zu wollen geht offenbar bei Jüngeren wieder zurück“, sagt Chromecki und hört immer wieder: „Ich mache keine Ausbildung, er geht dann eh arbeiten.“ Pichler zeichnet dafür auch Social Media verantwortlich. „Sie sehen dort, dass der Mann arbeitet und die Frau dafür ihr Lifestyle-Leben hat. Dafür nehmen sie Abstriche in Kauf.“

Deshalb geht Pichler auch in Schulen, um genau solche Themen anzusprechen. „Wir reden dann darüber, welche Werte sie haben und was in den Familien gelebt wird. Aber auch, wie wichtig eine eigene Ausbildung und ein Schulabschluss sind.

Elternschaft als großes Thema

Zu kämpfen haben viele Frauen nach einer Trennung auch mit dem Thema „geteilte Elternschaft“. „Einerseits will die Frau nicht ,nein‘ dazu sagen, weil sie nicht rückständig sein will. Aus ihrer Erfahrung aber weiß sie, dass das nicht funktioniert. Da kommen Frauen schnell in eine Rechtfertigungsposition“, spricht ihnen Olbrich in solchen Situationen Mut zu. Und genau dafür wollen Chromecki und ihr Team auch weiter kämpfen. „Wir werden alles dafür tun, uns zu halten und uns weiterzuentwickeln. An den Themen sieht man, dass es uns weiterhin braucht“, sagt sie und freut sich auf die 20-Jahr-Feier.