Es ist eine unscheinbare Lieferung, die Gregor Tropp an diesem Vormittag in Empfang nimmt. In Kisten gestapelt warten 7200 kleine grüne Pflänzchen, kaum größer als ein Finger, darauf, ausgepackt zu werden. "Das sind unsere ersten Pelargonien heuer, sie sind direkt aus Salzburg gekommen", erklärt der Knittelfelder Gärtnermeister und Gartenbauingenieur. Noch denkt angesichts von Schnee und Kälte kaum jemand an den Beginn der Gartensaison. Hinter den Kulissen der heimischen Gärtnereien geht es allerdings bereits rund. Freilich: "Nicht jede Gärtnerei produziert auch selbst."

Tropp, der die 1952 eröffnete Gärtnerei nahe des Knittelfelder Stadtfriedhofs in dritter Generation führt, ist das Handwerk wichtig. "Schon mein Vater hat die Produktion von Gemüse und Balkonbumen forciert - in einer Zeit, als der Trend Richtung Handel, auslagern, schneller und günstiger ging." Natürlich sei es viel aufwendiger, Pflanzen selbst zu produzieren als sie einzukaufen. "Das beginnt schon damit, dass nicht alles gelingt. Wir probieren viel aus, es gibt auch Misserfolge."

Regionalität ist Trumpf

16 Mitarbeiter, davon vier Lehrlinge, werkeln in den 17 Gewächshäusern der Tropps. 2014 hat Gregor Tropp den Betrieb übernommen, die Produktion seither ständig ausgebaut. "Regionalität ist uns wichtig, auch wenn das nicht zu 100 Prozent funktioniert in einer Gärtnerei." Trotzdem achtet man auf kurze Lieferwege und höchste Qualität. Ob Schnittblumen, Gemüse- oder Balkonpflanzen, jeder Zentimeter der 12.000 Quadratmeter großen Gärtnerei im Herzen von Knittelfeld wird derzeit genutzt. Da wachsen 20 Sorten Tomaten und herrlicher grüner Salat für den bekannten Gemüsehof Reitzer, gleich nebenan werden Kräuter selbst gesät, im nächsten Gewächshaus ranken sich Inkalilien in die Höhe und warten darauf, als Schnittblumen geerntet zu werden.

Pflanzen in der "Babystube"

Bereit für den Verkauf sind indes Tausende Primeln, Tulpen und Narzissen. "Wir müssen unsere Flächen gut nutzen - auch in Hinblick auf die gestiegenen Energiekosten", erklärt Gregor Tropp. Rund drei bis vier Monate dauert es, bis aus den Pflanzen in Tropps "Babystube" verkaufsfertige Produkte werden.

Wie viele Sorten hier in Knittelfeld wachsen? "Es sind sicher rund 600 Sorten und bis zu 150 oder 200 verschiedene Gattungen", erklärt Tropp, der einst die Gartenbauschule in Schönbrunn absolviert hat. Wirklich alles regional zu produzieren, sei aber nicht möglich: "Gerade bei vielen Schnittblumen funktioniert das im Kleinen nicht. Auch energieintensive Kulturen können wir nicht anbauen." Zudem bleibt das Problem des Preises: "Regional und nachhaltig sind zwar wichtige Schlagworte, aber natürlich schaut der Konsument dann doch auf den Preis", weiß Tropp aus Erfahrung.

Qualität statt Sonderaktionen

Mit den "Schleuderpreisen" aus dem Supermarkt kann man freilich nicht mithalten, dafür mit Qualität und Beratung punkten. "Wir achten darauf, dass es den Pflanzen gut geht. Deshalb kommen auch viel Pflanzenstärkungsmittel präventiv zum Einsatz, so erspart man sich oft die Pflanzenschutzmittel." Zudem sei es wichtig, die richtige Pflanze für den Standort zu wählen: "Man kann Knittelfeld zum Beispiel nicht mit Graz vergleichen, unser Klima ist ganz anders."

Wer regional kauft, hat also im besten Fall mehr von der grünen Pracht. "Und man stärkt die Kaufkraft und unterstützt kurze Transportwege, also auch den Umweltschutz." Apropos Umweltschutz: Auch der ist ein riesiges Thema für die Gärtnerei. "Bei uns ist alles computergesteuert, um möglichst viele Ressourcen zu schonen." So wurde ein eigener Brunnen gebohrt, um kein Trinkwasser zu verwenden. Gießwasser fließt zurück in ein Auffangbecken und wird wiederverwendet, eine PV-Anlage liefert Sonnenstrom.

Auch wenn es draußen eisig kalt ist, drinnen wachsen winzig kleine Schnittlauch- und Porree-Pflänzchen in angenehmer Wärme ihrem großen Tag entgegen. "Wenn die Pflanzen hier in Knittelfeld wachsen, dann hier gekauft werden und in der Region weiterwachsen dürfen - das ist schon ein super Kreislauf."