Ärger statt Ferienstimmung kam bei einem Wiener auf, nachdem er den jüngsten Abgabenbescheid der Gemeinde Hohentauern geöffnet hatte. Der Mann besitzt im Tourismusort im Bezirk Murtal ein Ferienhaus und stellt eine kräftige Anhebung der Gebühren fest. „Ich habe im Vorjahr insgesamt knapp 370 Euro an Kanalgebühren bezahlt, heuer werden es knapp 1100 Euro und damit fast dreimal so viel sein.“
Negative Auswirkungen
Der Wiener nutzt das Haus nach eigenen Angaben selten für sich und vermietet es die meiste Zeit. Aus seiner Sicht hat die kräftige Erhöhung in letzter Konsequenz negative Auswirkungen auf den Ferienort, der auf knapp 1300 Meter Seehöhe liegt. „Ich muss die Erhöhung an die Mieter weitergeben, dadurch wird Hohentauern unattraktiver.“
Im Gespräch mit anderen Vermietern nehme er wahr, dass „immer mehr Eigentümer von Ferienhäusern in Hohentauern überlegen, nicht mehr weiter zu vermieten“.
Manche hätten schon damit aufgehört, weil es sich aufgrund der Summe an Abgaben nicht mehr auszahle. Das schade dem Ort: „Schließlich zahlen die Gäste Kurtaxe, sie gehen essen und einkaufen, fahren Ski und tanken. Kurzum: Sie bringen Geld in die Region“, so der Besitzer des Ferienhauses. Heuer hätte er die Sanierung seiner Terrasse geplant, ausgeführt von einem Betrieb aus der Region. Diese Investition wackle nun.
Die „Irrsinnserhöhung“ ziehe eine Negativspirale nach sich. Die Gemeinde verliere Gäste und damit Einnahmen. Der Rückgang von Investitionen schade der ganzen Region: „Kurzsichtigkeit ist ein Hilfsausdruck“, fasst der Wiener zusammen.
„Nicht kurzsichtig“
Bürgermeister Gernot Jetz (SPÖ) nennt eine Veränderung der Berechnungsmethode als Grund für die Erhöhung. Früher galt die Fläche als Grundlage für die Höhe der Gebühren, jetzt ist es die Anzahl der Bewohner beziehungsweise bei Ferienhäusern die Zahl der Gästebetten.
„Es ist nicht kurzsichtig, was wir machen, wir haben gar keine andere Möglichkeit, als höhere Gebühren zu verlangen.“ Die Gemeindeordnung schreibe Kostendeckung vor, diese sei nicht mehr gegeben gewesen: „Wir waren bisher zu billig mit den Kanalgebühren“, sagt Bürgermeister Gernot Jetz. Das Geld sei von Gesetzes wegen zweckgebunden und diene nicht der Sanierung der Gemeindekassa. Die neue Kanalabgabenordnung wurde im Gemeinderat einstimmig beschlossen. Die SPÖ hat fünf Mandate, die FPÖ drei, die ÖVP eines.
Umgang mit Beschwerden
Die Gemeinde habe etliche Beschwerden von Vermietern bekommen: „Wir werden uns bei jedem einzelnen melden und die Sachlage erklären“, so Gernot Jetz. Bei bereits geführten Gesprächen sei man größtenteils auf Verständnis gestoßen.
In der Steiermark gibt es rund 3400 Ferienhäuser und -wohnungen, die privat vermietet werden, sagt Michael Feiertag, Chef von Steiermark-Tourismus. Das sei rund doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Dass Besitzer von Ferienhäusern aufgrund steigender Gebühren mit der Vermietung aufhören, habe man bisher nicht wahrgenommen. Was für die Eigentümer in vielen Tourismusorten, so auch in Hohentauern, dazukommt: Wenn sie nicht mehr vermieten, kommt die Zweitwohnsitzabgabe zum Tragen.